https://www.faz.net/-gqe-o779

Automobile : Schonfrist für Europas Autohersteller

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Europas Automobilhersteller brauchen vorerst keine neuen gesetzlichen Auflagen der EU zur Energieeinsparung zu befürchten. Umweltkommissarin Wallström setzt jetzt offenbar vor allem auf die freiwillige Mitwirkung von Herstellern und Verbrauchern.

          2 Min.

          Europas Automobilhersteller brauchen vorerst keine neuen gesetzlichen Auflagen der Europäischen Union zur Energieeinsparung zu befürchten. Dies hat eine Aussprache der EU-Umweltminister über die bisher erreichten Fortschritte in der Verwirklichung der 1998 eingegangenen Selbstverpflichtung der Automobilhersteller ergeben, im Zeitraum 1995 bis 2008 den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxyd bei Neufahrzeuge um durchschnittlich 25 Prozent zu verringern. Auch Umweltkommissarin Margot Wallström, die noch vor wenigen Wochen mit gesetzlichen Schritten zur Erreichung der Reduktionsziele gedroht hatte, setzt jetzt offenbar vor allem auf die freiwillige Mitwirkung von Herstellern und Verbrauchern.

          So sei der durchschnittliche Ausstoß von Neufahrzeugen zwischen 1995 und 2002 in der EU um 11 Prozent von 186 auf 166 Gramm Kohlendioxyd je Kilometer zurückgegangen, hieß es. Da der EU-Dachverband der Automobilhersteller (Acea) statt der bis 2012 angestrebte Marke von 120 Gramm nur eine Reduzierung auf 133 Gramm in Aussicht gestellt habe, hänge die Erreichung der ehrgeizigen Ziele nicht zuletzt von zwei weiteren Schritten ab: von einer wirksamen Kennzeichnung der Umweltfreundlichkeit sowie von der steuerlichen Förderung des Absatzes energiesparender Fahrzeuge.

          Trittin vorsichtig

          Auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) äußerte sich vergleichsweise vorsichtig zu zusätzlichen Auflagen für die Automobilhersteller. Sollten sich jedoch, wie zahlreiche Vertreter der Automobilwirtschaft annähmen, die Reduktionsziele nicht durch freiwillige Vereinbarungen erreichen lasse, müßte über zusätzliche Schritte der EU nachgedacht werden. Er nannte neben gesetzlichen Auflagen steuerliche Anreize sowie eine Einbeziehung der Automobilwirtschaft in das System des internationalen Handels mit Emissionsrechten, der die Einhaltung der im Kyoto-Protokoll eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen sichern soll. Was die Automobilindustrie nicht zur Umweltentlastung beitrage, müßten andere Wirtschaftszweig und die privaten Haushalte leisten.

          Ein Acea-Sprecher sagte, derzeit sei die Branche "vollkommen im Zeitplan" So sei für das Jahr 2003 eine Bandbreite von 165 bis 170 Gramm Kohlendioxyd in Aussicht genommen worden. Der scheidende Acea-Präsident und Renault-Vorstandsvorsitzende Louis Schweitzer hatte aber kürzlich gewarnt, daß nun ein hartes Stück Arbeit auf die Autohersteller warte, da der Erfolg sparsamer Dieselfahrzeuge die Reduzierung des Flottenverbrauchs bisher begünstigt habe. Auch sein designierter Nachfolger und VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hatte auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die Marke von 140 Gramm im Jahr 2008 zu unterbieten.

          Hersteller befürchten zusätzliche Kosten

          EU-Umweltkommissarin Wallström wies im Ministerrat darauf hin, daß sie nun die Argumente der Automobilhersteller im einzelnen prüfen werde. So hätten der Acea und der japanische Automobilherstellerverband Jama auf eine Reihe von Hindernissen für die Erreichung der Reduktionsziele für das Jahr 2012 hingewiesen. Dazu zählten die Kosten für die Entwicklung energiesparender Fahrzeuge, die schwierige Wettbewerbssituation im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld. Außerdem befürchteten die Hersteller auch zusätzliche Kosten durch die geplanten weiteren Verschärfungen der EU-Abgasvorschriften (sogenannte Euro-5-Norm).

          Weitere Themen

          Sigmar Gabriel als Berater von Tönnies bezahlt

          Fleischkonzern : Sigmar Gabriel als Berater von Tönnies bezahlt

          Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat nach Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ für den Fleischproduzenten Tönnies als Berater gearbeitet. Gabriel soll für seine Beratertätigkeit rund 10.000 Euro erhalten haben.

          Topmeldungen

          Der Mann ohne Maske: Donald Trump im Mai mit dem obersten Immunologen Anthony Fauci (r.) und Deborah Birx, Koordinatorin der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses

          Corona-Pandemie in Amerika : Plötzlich ist Trump doch für Masken

          Bislang weigerte sich Trump, eine Maske zum Schutz vor dem Coronavirus zu tragen. Jetzt erleben die Amerikaner bei ihrem Präsidenten einen Sinneswandel – der mit einem Rekord bei den täglichen Neuinfektionen zusammenhängen könnte.
          Er hat die besten Aussichten, CDU-Vorsitzender zu werden, aber ist er auch der prädestinierte Kanzlerkandidat? Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

          CDU-Vorsitz und K-Frage : Muss Laschet weichen?

          Während Merkel auf der Europawolke schwebt, kommt der Wettbewerb um den CDU-Vorsitz wieder in Fahrt. Die bisherigen Kandidaten sehen dabei alle drei nicht sonderlich gut aus.
          Sigmar Gabriel, Bundesminister a. D.

          Fleischkonzern : Sigmar Gabriel als Berater von Tönnies bezahlt

          Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat nach Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ für den Fleischproduzenten Tönnies als Berater gearbeitet. Gabriel soll für seine Beratertätigkeit rund 10.000 Euro erhalten haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.