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Automobile : Porsche zwischen Rekord und Skepsis

In der Schwebe: Die Prognose von Porsche Bild: AP

Mehr Autos verkauft, mehr Umsatz erzielt und dennoch ist der Kurs der Porsche-Aktie auf Talfahrt. Auch andere Autoaktien verlieren erheblich. Es herrscht die blanke Angst, dass die Finanzkrise die Branche massiv belasten könnte - vor allem die Hersteller von Luxusfahrzeugen.

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          Der Sportwagenbauer Porsche hat abermals mehr Autos verkauft und einen höheren Umsatz als im Vorjahr erzielt. Die Zuwächse im Geschäftsjahr 2007/2008 (31. Juli) lagen bei kaum mehr als einem Prozent, was bei Porsche angesichts des Modellwechsels beim 911er dennoch als Erfolg gewertet wird. Kräftiges Wachstum stellt das Stuttgarter Unternehmen erst wieder für das Geschäftsjahr 2009/2010 in Aussicht. Dann kommt der Panamera auf den Markt, ein viertüriges und viersitziges Coupé, mit dem Porsche die wachsenden Märkte für Luxusfahrzeuge in China, dem Mittleren Osten und Russland bedienen will, sich aber auch gute Chancen in den angestammten Märkten ausrechnet.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Für die nahe Zukunft wagt der Sportwagenhersteller aber keine Prognose. „Porsche wird seiner Strategie treu bleiben, lieber ein Fahrzeug weniger zu produzieren, als eines auf Halde zu stellen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. An der Börse wirkte dieser Satz offenbar wie eine Warnung - obwohl Porsche traditionell zurückhaltend mit Vorhersagen ist und auch im vergangenen Jahr auf eine Flaute bis zur Markteinführung des Panamera hingewiesen hatte. Der Kurs der Porsche-Aktie sackte zeitweise um mehr als 11 Prozent auf 67,33 Euro ab. Damit kostet das Papier nur noch gut ein Drittel dessen, was vor Jahresfrist bezahlt wurde.

          Autowerte werden unattraktiver

          Autowerte scheinen an der Börse nicht mehr so attraktiv zu sein, seit klar ist, dass alle Autohersteller vor großen Ausgaben für neue, klimafreundliche Technologien stehen. Neuerdings kommt dazu die Sorge, dass die Finanzkrise vor allem den Markt für Luxusfahrzeuge belasten könnte. An der Börse wurde am Mittwoch spekuliert, dass Daimler die Gewinnerwartungen noch einmal reduzieren werde, nachdem Daimler-Chef Dieter Zetsche schon im Juli die Ergebnisprognose von 7,7 auf „mehr als 7 Milliarden Euro“ zurückgenommen hatte. Das Dementi einer Daimler-Sprecherin änderte wenig an der Skepsis: „Es haben in den letzten Wochen und Monaten auch einige Banken dementiert, dass sie Schwierigkeiten hätten“, so der Hinweis eines Händlers.

          Schwere Zeiten für Luxusmarken?

          Der Daimler-Kurs sackte am Vormittag um mehr als 10 Prozent auf 31,70 Euro ab und war auch noch am Nachmittag mit einem Minus von mehr als 6 Prozent der Verlierer im Deutschen Aktienindex Dax. Auch die BMW-Aktie büßte am Vormittag fast 5 Prozent auf 25,95 Euro ein. Selbst die VW-Aktie, die gerade in den vergangenen Wochen wegen der Spekulationen um den Porsche-Einstieg stark zugelegt hatte, wurde zeitweise mit einem Abschlag von mehr als 5 Prozent auf 263 Euro gehandelt. Auch Conti, als großer Zulieferer von einer Schwäche des Automarkts ebenfalls betroffen, verbuchte Kursverluste von fast 5 Prozent auf 55,56 Euro.

          Mitarbeiter erhalten höheren Bonus

          Bei Porsche verweist man darauf, dass die Absatz- und Umsatzzahlen im zurückliegenden Geschäftsjahr neue Höchststände erreicht haben, obwohl die Subprime-Krise nun schon mehr als ein Jahr dauert. Über den Gewinn wird die Porsche Holding SE voraussichtlich erst im November berichten. Die Erhöhung der Bonuszahlung an die Mitarbeiter von 5200 auf 7000 Euro lässt jedoch die Erwartung zu, dass deutliche Steigerungen erzielt wurden.

          Der Porsche-Umsatz stieg nach vorläufigen Zahlen um 1,3 Prozent auf 7,46 Milliarden Euro, der Absatz nahm um 1,2 Prozent auf 98 652 Fahrzeuge zu. Erfolgreich war Porsche vor allem in den neuen Märkten wie China und dem Mittleren Osten. In Nordamerika, dem immer noch wichtigsten Markt für den Sportwagenbauer, sei der Absatz um 3,1 Prozent auf 32 500 Autos zurückgegangen, berichtet Porsche. Die Sportwagenkunden hätten sich auch mit Blick auf die Neuauflage des 911er zurückgehalten, der erst Ende September (also schon im neuen Geschäftsjahr) seine Markteinführung in Nordamerika hatte. Schon im vorigen Geschäftsjahr war der Porsche-Absatz in Nordamerika um 10 Prozent zurückgegangen. Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking hatte daraufhin angekündigt, man werde sich für eine Krise wappnen und die Lagerbestände drastisch reduzieren.

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