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Automobile : Porsche plant Fusion mit Volkswagen

Drei aus dem VW-Porsche-Krimi: VW-Aufsichtsratsvorsitzender Piëch, Niedersachsens Ministerpräsident Wulff und Porsche-Chef Wiedeking Bild: AP

Neue Wendung im Gezerre zwischen VW und Porsche: An diesem Mittwoch stellt Porsche-Chef Wiedeking Pläne für eine Fusion der beiden Autokonzerne vor. Eine Übernahme des Wolfsburger Autokonzerns durch den Sportwagenhersteller scheint damit endgültig vom Tisch.

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          Beim Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche wird eine Fusion mit dem Autokonzern Volkswagen (VW) geprüft. Dagegen ist die Idee, dass VW die operative Porsche-Gesellschaft übernimmt, offenbar vom Tisch: „Einen Verkauf der Porsche AG an VW wird es nicht geben“, sagte Wolfgang Porsche in Stuttgart. An diesem Mittwoch will der Vorstandschef von Porsche, Wendelin Wiedeking, sein Konzept für eine Fusion den Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch bei einem Familientreffen in Salzburg vorstellen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Wiedeking hatte den Auftrag, gemeinsam mit dem Porsche-Finanzvorstand Holger Härter ein Entschuldungskonzept für die Porsche Holding SE zu erarbeiten. Wegen der Mehrheitsübernahme von VW hat die Stuttgarter Gesellschaft 9 Milliarden Euro Nettoschulden. Die Zinsen können zwar nach Angaben des Unternehmens noch bedient werden, allerdings müssen Teile des Kredits schon in den kommenden Monaten refinanziert werden. Das dürfte schwierig und teuer werden. An die ursprünglich geplante Aufstockung der Anteile an VW von derzeit 50,8 auf 75 Prozent ist unter diesen Umständen nicht mehr zu denken.

          Wulff zeigt sich offen für die Fusion

          Über Details der Pläne hüllen sich die Beteiligten noch in Schweigen. Er sei allen Aktionären verpflichtet, nicht nur den Familien Porsche und Piëch, sondern auch den Vorzugsaktionären, den Aktionären von VW sowie den Belegschaften, sagte Wiedeking lediglich. Sein Vorschlag sieht offenbar vor, dass Porsche und VW fusionieren. An der neuen Gesellschaft könnte dann im Wege einer Kapitalerhöhung ein dritter Großaktionär beteiligt werden. Dafür gibt es dem Vernehmen nach drei Interessenten aus dem arabischen Raum. Für seine Pläne brauchte Porsche die Zustimmung des Landes Niedersachsen, das aufgrund des VW-Gesetzes trotz eines Anteils von nur 20 Prozent ein Veto-Recht hat. Dem Vernehmen nach steht Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) den Plänen offen gegenüber. Die Sonderrechte des Landes dürften also auch in der fusionierten Gesellschaft entsprechend weiterleben.

          Zuvor hatte sich Wulff allerdings auch schon dem von Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch vorgeschlagenen Konzept gegenüber zugeneigt gezeigt, wonach VW das operative Sportwagengeschäft übernehmen sollte. VW hätte dabei seine liquiden Mittel genutzt, um der verschuldeten Porsche Holding SE die operative Porsche AG abzukaufen. Dies war aber dem Vernehmen nach bei den Arbeitnehmervertretern nicht auf Zustimmung gestoßen.

          Die Geschäftsführung bliebe zwangsläufig in Wolfsburg

          Gemessen an Wolfgang Porsches eindeutiger Aussage, scheint diese Variante jedenfalls vom Tisch zu sein. Ob dies die Zukunft von Wendelin Wiedeking und seinem Finanzvorstand Holger Härter sichert, ist unklar. Ferdinand Piëch hat sich in der Vergangenheit mehrfach bemüht, Wiedeking zu demontieren, und hätte dies auch mit der Übernahme der Porsche AG durch VW erreicht. Aber auch im Falle einer Fusion würde die operative Führung des Gemeinschaftsunternehmens zwangsläufig in Wolfsburg und nicht in Stuttgart liegen. Schließlich ist VW fünfzehnmal größer als Porsche.

          Mit dem Modell einer Fusion hoffen die Familieneigner um Wolfgang Porsche offenbar noch immer, letztlich einen Ergebnisabführungsvertrag mit VW zu erreichen. Dieses Ziel sollte eigentlich durch die Übernahme von 75 Prozent an VW erreicht werden. Dies ist aber ungeachtet der Finanzierungsproblematik in weite Ferne gerückt, weil im Augenblick alles darauf hindeutet, dass das VW-Gesetz noch einige Zeit erhalten bleibt. Berichte, wonach Porsche deshalb seine Aktienoptionsgeschäfte mit VW-Aktien, die bisher für einen dauerhaft hohen VW-Kurs gesorgt hatten, nicht fortsetzt, wurden von Porsche nicht bestätigt. Das sei Spekulation, sagte ein Sprecher von Porsche. Bei Volkswagen hieß nur: kein Kommentar.

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