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Automobile : Piëch erhält Rückendeckung vom Betriebsrat

  • Aktualisiert am

Aufsichtsrat bleiben? „Warum nicht?” Bild: dpa

Eigentlich hatten die VW-Großaktionäre ausgemacht, dass 2007 ein „neutraler Manager“ Nachfolger von Ferdinand Piëch als VW-Aufsichtsratschef werden soll. Jetzt ist die Diskussion wieder offen: Betriebsratschef Osterloh will, dass Piëch bleibt. „Warum nicht?“, sagte Piëch.

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          VW-Chefkontrolleur Ferdinand Piëch hat erstmals offen eingeräumt, dass er den Aufsichtsrat des Automobilkonzerns wohl nicht verlassen wird: „Warum nicht?“, sagte Piëch am Rande der Detroit Auto Show der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires auf die Frage, ob er im Aufsichtsrat bleiben wolle. Piëchs Mandat endet mit Ablauf der VW-Hauptversammlung am 19. April, zwei Tage nach seinem 70. Geburtstag.

          Schon vor einigen Wochen hatte die F.A.Z. berichtet, dass Piëch im Kontrollgremium bleiben und dort vermutlich auch den Vorsitz behalten will. In Detroit äußerte sich Piëch nicht dazu, ob er weiterhin als Aufsichtsratsvorsitzender fungieren wolle. Aber Piëch bekam vorab volle Rückendeckung von der Arbeitnehmerbank: „Ich würde es begrüßen, wenn Herr Dr. Piëch im Aufsichtsrat bleibt“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh in Detroit. Falls sich die Anteilseignervertreter darauf einigten, dass Piëch den Vorsitz behalten solle, könne er sich der Stimmen des Arbeitnehmerlagers sicher sein.

          Als Aufsichtsratschef umstritten

          Piëch, der bis 2002 Vorstandsvorsitzender von VW war, ist als Aufsichtsratschef umstritten. Er ist Mitaktionär und Aufsichtsratsmitglied der Porsche AG, dem größten VW-Aktionär, sowie Miteigentümer des größten VW-Importeurs Europas, der Porsche Holding in Österreich. Außerdem gibt es viele Geschäftsbeziehungen zwischen VW und Porsche, die unter anderem gemeinsam die Geländewagen Touareg und Cayenne bauen. Wegen der damit einhergehenden Gefahr von Interessenkonflikten ist großen Kapitalanlegern und Aktionärsschützern die Rolle Piëchs schon lange ein Dorn im Auge. „Wie soll Piëch, so wie es das Gesetz vorsieht, unabhängig und ausschließlich zum Wohle der Volkswagen AG agieren?“ fragt der auf Unternehmensführung spezialisierte Münchner Universitätsprofessor Manuel Theisen, der eine Wiederwahl Piëchs schlicht „erschreckend“ fände. Piëch agiere nach Gutsherrenart, sagte er dieser Zeitung.

          Wenn Piëch weiterhin den Aufsichtsratsvorsitz beansprucht, verstößt er gegen eine Absprache mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Dessen Bundesland ist mit einem Stimmrechtsanteil von 20,8 Prozent der zweitgrößte VW-Aktionär nach Porsche (27,4 Prozent). Vor Jahresfrist hatten sich Piëch, Wulff und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking darauf verständigt, dass fortan ein neutraler Dritter den VW-Aufsichtsrat führen solle. Doch schon Anfang Dezember ließ Wiedeking durchblicken, dass er diese Vereinbarung im Grunde für obsolet hält. Dabei berief er sich auf den erhöhten Besitz an VW-Aktien und die Pläne, die Volkswagen-Beteiligung auf 29,9 Prozent aufzustocken.

          Zwei-Drittel-Mehrheit nötig

          Noch beschränkt das VW-Gesetz die Stimmrechte eines jeden Aktionärs auf 20 Prozent, gleichgültig wie viele Anteile er besitzt. Dennoch dürfte das Lager um Porsche und Piëch genügend Stimmen beisammen haben, um eine Wiederwahl Piëchs in den Aufsichtsrat zu gewährleisten, selbst wenn Niedersachsen und etliche institutionelle Anleger dagegen stimmen. Um anschließend zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt zu werden, braucht Piëch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Kontrolleure. Die dürfte dank der Arbeitnehmerstimmen und dank der Unterstützung durch Porsche zu schaffen sein. Wiedeking ließ in Detroit indirekt schon seine Unterstützung erkennen. „Ich sehe alles, was mit Herrn Piëch zusammenhängt, positiv“, sagte der Porsche-Chef.

          Noch ein weiteres Indiz spricht dafür, dass Piëch wohl die Kontrolle bei VW behalten wird: Zur Porsche-Hauptversammlung Ende Januar wird mit Hans-Peter Porsche ein drittes Mitglied der Familie Porsche in den Aufsichtsrat des Sportwagenbauers rücken, während die Familie Piëch dort nur zwei Vertreter sitzen hat. Im Gegenzug, so glauben Beobachter, hilft die Porsche-Familie Ferdinand Piëch dabei, seine Machtposition bei VW zu behalten.

          Abschied von Bernhard rückt näher

          Unterdessen rückt der Abschied von VW-Markenchef Wolfgang Bernhard immer näher. Am Mittwoch und Donnerstag wird der neue VW-Vorstandschef Martin Winterkorn dem Aufsichtsratspräsidium und dem Aufsichtsrat seine Pläne für den Konzernumbau darlegen. Diese würden den Einfluss Bernhards erheblich schmälern. Das Angebot, Produktionsvorstand zu werden, hat er abgelehnt. Daher will Bernhard den Aufsichtsrat um die einvernehmliche Auflösung seines bis 2010 laufenden Vertrags bitten.

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