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Automobile : Neues Ungemach für Daimler-Chrysler

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Kerkorians Klage macht Schule Bild: EPA

Eine weitere Klage wegen der Fusion zwischen Daimler-Benz und Chrysler steht dem Unternehmen ins Haus. Diesmal sollen Geschworene das Urteil fällen, nicht wie in anderen Verfahren der Richter.

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          Kurz vor dem Ende des langwierigen Milliardenprozesses mit dem amerikanischen Milliardär Kirk Kerkorian steht Daimler-Chrysler eine dritte Klage im Zusammenhang mit der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler ins Haus.

          Die Sammelklage wurde im Namen von Anlegern außerhalb der Vereinigten Staaten am Montag beim Bezirksgericht des amerikanischen Bundesstaates Delaware eingereicht, dem Gericht, vor dem auch Kerkorian geklagt hatte. Sie stellt wie der Chrysler-Großaktionär darauf ab, daß die „Fusion unter Gleichen“ in Wahrheit eine Übernahme gewesen sei, weshalb die Chrysler-Aktionäre einen Aufschlag von mehr als 40 Prozent auf den Wert ihrer Anteile hätten erhalten müssen. Mit der Vorspiegelung falscher Tatsachen habe Daimler-Chrysler die Anleger um zehn Milliarden bis 36 Milliarden Dollar (rund 8,3 bis 30 Milliarden Euro) gebracht, heißt es in der Klageschrift, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Daimler-Chrysler bezeichnete den Kläger als Trittbrettfahrer.

          Schweizer Anleger klagt

          Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp und seine Verbündeten hätten die Übernahme des drittgrößten amerikanischen Autobauers zementiert, indem sie Daimler-Benz-Leute in Schlüsselpositionen des fusionierten Konzerns berufen hätten, heißt es in der Klage. Eingereicht worden ist sie von Markus Blechner, einem Anleger, der in der Schweiz erst nach der Fusion Daimler-Chrysler-Aktien gekauft hat und damit nach dem Einbruch des Aktienkurses hohe Verluste beklagt.

          Der Daimler-Chrysler-Vorstand habe unter Schrempp zudem die wahren Risiken der Anlage in Daimler-Chrysler-Aktien falsch dargestellt, Umsätze künstlich aufgebläht und Kosten zu niedrig ausgewiesen, kritisierte Blechner. Die erwarteten Einsparungen durch die Fusion seien nie erreicht worden. Verstöße gegen amerikanisches Aktienrecht hätten Tausende von Anlegern geschädigt.

          Ziel: Urteil durch Geschworene

          Blechner zielt auf ein Urteil durch Geschworene ab, während in dem von Kerkorian angestrengten Verfahren der Richter selbst entscheidet. Eine erste Sammelklage von amerikanischen Investoren hatte Daimler-Chrysler im vergangenen Sommer gegen Zahlung von rund 300 Millionen Dollar beigelegt. Daimler-Chrysler-Sprecher Han Tjan bezeichnete die neuerliche Klage als reinen Versuch, Geld zu machen. Der Stuttgarter Konzern hält bereits die im Herbst 2000 von Kerkorian angemeldeten Ansprüche für verjährt.

          Das von Kerkorians Investmentfirma Tracinda angestrengte Verfahren neigt sich unterdessen dem Ende zu. Mit der Einreichung des letzten Schriftsatzes durch Daimler-Chrysler ist der Prozeß nach dreieinhalb Jahren entscheidungsreif. „Der Fall liegt nunmehr dem Gericht in vollem Umfang zur Entscheidung vor", teilte der deutsch-amerikanische Konzern mit. Mit einem Urteil von Richter Joseph Farnan wird frühestens im Herbst gerechnet. Tracinda hat seine Schadenersatzansprüche auf 1,35 Milliarden Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) zuzüglich weiterer Kosten beziffert. Im Dezember und Januar hatte das Gericht dreieinhalb Wochen mündlich über den Fall verhandelt. Dabei mußte unter anderem Schrempp als Zeuge aussagen.

          „Tracinda hat keinerlei Schaden, ja nicht einmal irgendeinen wirtschaftlichen Nachteil erlitten", heißt es in der Kurzfassung der am Dienstag eingereichten Unterlagen von Daimler-Chrysler. „Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sich ein für alle Mal gezeigt hat, daß der Fall keinerlei sachliche Grundlage hat.“

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