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Automobile : Neue Rabattrunde auf dem deutschen Automarkt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

VW bietet Rundum-Sorglos-Pakete, Peugeot zahlt Urlaubsgeld, Opel und Ford erstatten die Mehrwertsteuer: Im Sommer hat sich der Preiskampf auf dem deutschen Automarkt nochmals verschärft - mit unterschiedlichem Erfolg für die Hersteller.

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          Volkswagen bietet Rundum-Sorglos-Pakete, Peugeot zahlt Urlaubsgeld, Opel und jetzt auch Ford erstatten die Mehrwertsteuer: In den Sommermonaten hat sich der Preiskampf auf dem deutschen Automobilmarkt nochmals verschärft - mit unterschiedlichem Erfolg bei den Herstellern.

          Die Zulassungszahlen im Monat Juli zeigen, daß so manches Auto selbst mit großem Rabatt kaum noch Käufer findet. Opel und Ford sind die großen Verlierer, VW einer der wenigen Gewinner.

          Nachhelfen zum Stichtag

          Für Christoph Stürmer, Analyst beim Prognoseinstitut Global Insight, zeigen gerade die Juli-Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes ein weitgehend ungeschminktes Bild automobiler Wirklichkeit: "Der Juni ist Stichtag für die Quartalsrechnung, da wird von den Herstellern bei so manchem Modell gern noch mal nachgeholfen. Der Juli gibt ein natürlicheres Bild vom Markt wieder."

          Während Volkswagen mit günstigen Sondermodellen und einem Finanzierungspaket im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nun fast 13 Prozent mehr Autos neu zugelassen hat, verlor Konkurrent Opel mehr als 14 Prozent. Die Diskrepanz wird besonders deutlich am Vergleich der Vans Touran und Zafira: VW hat den in die Jahre gekommenen Touran im Juli 8561 Mal neu zugelassen (plus 37,7 Prozent), Opel den erst ein Jahr alten Zafira 2587 Mal (minus 21,8 Prozent). Und im Gesamtjahr fand der Touran 48.782 Käufer, der Zafira nur 27.389. "VW ist als Marke immer noch doppelt so kraftvoll wie Opel", sagt Stürmer.

          Schleppende Nachfrage vor Modellwechsel

          Daß die deutsche Tochtergesellschaft von General Motors auf viele Opel-Modelle bis zum 30. September einen Rabatt in Höhe des Mehrwertsteuersatzes von 16 Prozent bietet, macht sich kaum bemerkbar. Selbst der Opel Astra verliert im Juli 33 Prozent, und im Gesamtjahr 21,3 Prozent (auf 62 019 Einheiten).

          Es ist nicht ungewöhnlich, daß Autos, die wie die Mercedes-C-Klasse ins letzte Produktionsjahr gehen, beim Kunden weniger gefragt sind. Doch der Modellwechsel des Astra ist erst für 2010 vorgesehen. Opel hat reagiert und eine Schicht in der britischen Astra-Produktion in Ellesmere Port herausgenommen.

          Händler üben Druck aus

          Unter dem Eindruck sinkender Zulassungszahlen hat nun auch Ford mit einer Mehrwertsteueraktion nachgezogen. "Vor der Erhöhung der Mehrwersteuer zum Januar 2007 versuchen viele Hersteller, mit besonderen Angeboten Kunden noch 2006 zum Neuwagenkauf zu bewegen, Ford tut das auch", begründet eine Unternehmenssprecherin die Strategieumkehr. Denn eigentlich hatte Ford zuletzt unrentable Geschäfte konsequent abgelehnt.

          Ein Ford Mondeo, der wegen der höheren Steuer 2007 rund 800 Euro teurer würde, ist dank des Rabatts nun gut 3000 Euro billiger. Womöglich ist der Druck in der Händlerschaft zu groß geworden, denn Ford hat im Juli 29,9 Prozent weniger Autos neu zugelassen, vor allem der Mondeo brach ein. Im August seien die Geschäfte sehr viel besser gelaufen, sagte die Sprecherin.

          Rabatte nicht für alle Modelle

          Wie bei Opel bezieht sich der Ford-Rabatt auf den unverbindlichen Preis ab Werk und gilt nur für Privatkunden und nicht für die gesamte Modellpalette. Ausgeschlossen sind etwa die neuen Vans S-Max und Galaxy. Bei Renault, dem größten Importeur in Deutschland, dürfte der Leidensdruck mittlerweile ebenfalls sehr groß sein. Aber dem Opel-Beispiel folgen die Franzosen nicht. "2006 ist für uns ein Jahr des Übergangs, wir planen keine Mehrwertsteueraktion", sagte ein Unternehmenssprecher. Und vertraut auf den frisch aufgelegten Clio sowie die neuen Modelle Laguna und Twingo, die 2007 auf den Markt kommen.

          Die heftigen Nachlässe auf den Listenpreis sorgen für Verwerfungen bei den Restwerten der Fahrzeuge. Marktführer VW ködert daher neue Käufer mit Sondermodellen, vermeidet aber reine Rabattaktionen. Und hat Erfolg: Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes stellen die Wolfsburger in elf Modellkategorien - vom Kleinwagen bis zum Wohnmobil - achtmal das meistverkaufte Fahrzeug.

          Immer mehr Fahrzeuge werden geleast

          Interessant scheint für viele Privatkunden das Instrument der Sonderfinanzierung zu sein, bei VW etwa sind bestimmte Autos zu einem effektiven Jahreszins von nur 0,9 Prozent zu finanzieren. Generell sind auch private Autokäufer für Leasingfinanzierungen heute aufgeschlossener als früher.

          Angesichts stagnierender Realeinkommen entscheiden sich nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) immer mehr Autofahrer dafür, ihr Neufahrzeug nicht bar zu bezahlen, sondern setzen auf günstige Finanzierungs- und Leasingmodelle: Drei von vier neuen Personenwagen werden heute bereits finanziert oder geleast. Lag der Leasing-Marktanteil im Gesamtfinanzierungsmarkt für Neufahrzeuge 1999 bei 19 Prozent, so ist er laut VDA im Jahr 2005 auf 23 Prozent gestiegen.

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