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Automobile : Mit der Prognose streicht BMW die Prämien

  • Aktualisiert am

Luxus ist gerade nicht mehr so gefragt Bild: dpa

BMW hat nach einem schwachen dritten Quartal die Gewinnerwartungen verringert und das Ziel eines Absatzrekords in diesem Jahr aufgegeben. Deshalb müssen auch die Beschäftigten den Gürtel enger schnallen.

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          Der Autobauer BMW hat nach einem überraschend deutlichen Gewinneinbruch im dritten Quartal seine Geschäftsprognose für das Gesamtjahr zurückgezogen. Die bisher angepeilte Umsatzrendite von mindestens vier Prozent sei „durch das deutlich eingetrübte Marktumfeld nicht mehr zu erreichen“, teilte der Konzern am Dienstag in München mit. Wegen der Finanzkrise und der weltweiten Konjunkturschwäche sei eine exakte Vorhersage für die kommenden Monate nicht möglich, wie hoch der Unternehmensgewinn am Jahresende 2008 ausfallen werde, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer. „Wir werden aber ein deutlich positives Konzernergebnis erzielen“, fügte er hinzu.

          Der Absatz werde „nicht über dem Rekordwert des Vorjahres“ liegen. 2007 hatte BMW weltweit 1,5 Millionen Autos verkauft. Im Oktober verzeichnete der Konzern den Angaben zufolge erneut einen deutlichen Absatzrückgang. Angesichts der weltweit schwachen Konjunktur werde die Produktion um mindestens weitere 40.000 Einheiten gekürzt. BMW hatte im Sommer angekündigt, bis zu 25.000 für den amerikanischen Markt bestimmte Fahrzeuge nicht zu bauen (Amerikas Automarkt schrumpft auf Niveau der achtziger Jahre).

          Autoindustrie erwartet weniger Neuzulassungen

          Damit liegen die Münchener durchaus im Trend. Die deutsche Automobilindustrie rechnet wegen der Finanzkrise und der schlechten Konjunktur in diesem Jahr mit einem deutlich schlechteren Absatz. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) nahm am Dienstag seine Prognose für den deutschen Automarkt von 3,2 auf 3,1 Millionen Neuzulassungen zurück.

          An seiner Langfristprognose hielt BMW aber fest: Im Jahr 2010 strebt der Konzern nach wie vor eine Umsatzrendite von mindestens sechs Prozent an. „Dieses Ziel setzt jedoch eine Erholung der Märkte voraus“, hieß es. 2012 will BMW in seinem Kernsegment Automobile eine Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von acht bis zehn Prozent erreichen und eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von mehr als 26 Prozent.

          Weihnachtsgeld wird neu berechnet

          Die Beschäftigten von BMW müssen den Gürtel enger schnallen. Der Konzern zahlt seinen Mitarbeitern für 2008 weniger Prämie. Grund sei der erwartete Gewinnrückgang. Für 2007 hatten die Beschäftigten durchschnittlich 5600 Euro erhalten. Ab 2009 werde zudem das Weihnachtsgeld anders berechnet; Details sollen in den nächsten Wochen festgelegt werden. 2008 wird das Weihnachtsgeld noch unverändert ausgezahlt: Wer länger als fünf Jahre bei BMW arbeitet, bekommt 120 Prozent eines Monatsgehalts. Die BMW-Führung will die freiwilligen übertariflichen Sonderzahlungen stärker an den Unternehmenserfolg knüpfen. Darüber werde derzeit mit dem Betriebsrat weiter verhandelt, hieß es.

          Im dritten Quartal sackte das Ergebnis vor Steuern auf 279 Millionen Euro ab, das entspricht einem Minus von 63,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Analysten hatten im Schnitt mit 455 Millionen Euro gerechnet. Im Auto-Segment brach der Vorsteuergewinn auf nur noch 18 Millionen Euro von 704 Millionen ein. Die Sparte Finanzdienstleistungen verbuchte sogar einen Verlust von 17 Millionen Euro. Der Konzernumsatz ging um 8,6 Prozent auf 12,598 Milliarden Euro zurück.

          Wegen erhöhter Kreditausfälle, der schwierigen Lage auf den Gebrauchtwagenmärkten und der Kaufzurückhaltung stockte BMW die Risikovorsorge um 342 Millionen Euro auf. Damit beläuft sie sich in den ersten neun Monaten auf 1,04 Milliarden Euro. Hinzu kämen Belastungen von 258 Millionen Euro durch den Stellenabbau. BMW streicht bis Jahresende weltweit 8100 Jobs, davon sind vor allem Leiharbeiter betroffen (lesen Sie dazu Leiharbeiter: Arbeitnehmer zweiter Klasse).

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