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Automobile : Mercedes streicht zwei Modelle

  • Aktualisiert am

Eckhard Cordes: Ziele müssen anspruchsvoll sein Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Eckhard Cordes, der neue Mann an der Spitze von Mercedes, über die Rückrufaktion bei der Kernmarke, die Zukunft von Smart und Maybach und anspruchsvolle Ziele bei Daimler-Chrysler.

          5 Min.

          Qualitätsprobleme, Gewinneinbruch, schleppende Nachfrage: Eckhard Cordes, der neue Chef der Mercedes Car Group, kämpft an vielen Fronten, um die Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach aus der Krise zu führen.

          Das Rüstzeug bringt der 55 Jahre alte Manager mit. Cordes gilt als "Schrempps Mann für schwierige Fälle". Bevor er im Oktober an die Spitze von Mercedes berufen wurde, hatte er das verlustreiche Lastwagengeschäft saniert. Jetzt muß er nicht nur das Image von Mercedes wieder aufpolieren, sondern auch die Profitabilität steigern. Cordes hat eine Qualitätsoffensive angekündigt und will, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, nicht notwendige Kosten in den Fahrzeugen abbauen. Am sehr ambitionierten Ziel einer Umsatzrendite von 7 Prozent hält er fest.

          Herr Cordes, der heutige Volkswagen-Vorstand Wolfgang Bernhard soll Mercedes als Sanierungsfall bezeichnet haben. Hat er Ihnen damit den Weg bereitet?

          Unabhängig davon, was Herr Bernhard gesagt haben soll, ist es meine Aufgabe, die Mercedes Car Group zur unumstrittenen Nummer eins zu machen. Dabei kann ich voll auf unsere Mitarbeiter bauen: Wir haben eine hervorragende Mannschaft, in der enormes Potential steckt.

          Heißt das, Sie wollen BMW bei der Rendite überholen?

          Der Beste zu sein bedeutet mehr, als eine gute Rendite zu haben. Da geht es um das gesamte Image. Dazu gehören vor allem auch attraktive Produkte mit einer Top-Qualität, hochmotivierte Mitarbeiter und eine exzellente Führung - mit klar definierten gemeinsamen Zielen. Und auf die Frage: Welches Auto würden Sie gern fahren? sollen möglichst viele Menschen "Mercedes" antworten.

          BMW hat heute schon eine Umsatzrendite von 7 Prozent, und Sie wollen diesen Wert bis 2007 erreichen. Selbst das halten manche Experten für zu ambitioniert.

          Ich bleibe bei diesem Ziel! Ziele müssen anspruchsvoll sein.

          Für dieses Ziel wollen Sie drei Milliarden Euro einsparen. Wie weit sind Sie damit?

          Mit unserem Ergebnisverbesserungsprogramm "Core" sind wir für 2005 im Zielkorridor. Ich gehe davon aus, daß wir Ende Juli mehr über die ersten Erfolge berichten können. Wir haben mehrere Arbeitspakete definiert, vom Produktportfolio über die Materialkosten und die Produktivität in den Fabriken bis zu allgemeinen Verwaltungskosten. Da solche Programme leben, haben wir jetzt auch Smart als weiteres Arbeitspaket dazugenommen. Insgesamt wollen wir eine Ergebnisverbesserung von drei Milliarden Euro erzielen. Intern streben wir deshalb Ergebnisverbesserungen von vier Milliarden Euro an, denn alle Erfahrung zeigt, daß 20 bis 25 Prozent der geplanten Maßnahmen nicht realisiert werden können. Denn so etwas läuft niemals so, daß man am Schreibtisch sitzt und sagt: So, jetzt sparen sie 8,9375 Prozent Kosten.

          Wo, in welchen Bereichen sind Sie schon fündig geworden?

          Ich greife nur ein Beispiel heraus: Wir gehen kritisch durch alle Produktprojekte. Jetzt haben wir entschieden, einen sportlichen Geländewagen unterhalb der M-Klasse zu bringen. Dafür werden wir andere Projekte nicht realisieren oder weiterführen: Der ursprünglich geplante McLaren-Sportwagen P8, aber auch der Smart Formore kommen nicht, der Smart Roadster wird eingestellt.

          Stehen weitere Modelle zur Disposition?

          Das werden wir zu gegebener Zeit entscheiden und mitteilen. Grundsätzlich sind wir mit unserer aktuellen Modellpalette sehr gut aufgestellt. Uns geht es darum, Komplexität dort zu reduzieren, wo es für den Kunden nicht spürbar ist und sich in niedrigeren Kosten ausdrückt. Außerdem standardisieren wir bei Komponenten. Eine perfekte Klimaanlage kann durchaus in ihrer Grundkonzeption bei verschiedenen Modellen gleich sein. Der sportliche Geländewagen, der 2008 anläuft, ist das erste Auto, das in seiner Kostenstruktur die eingeleiteten Maßnahmen vollständig reflektiert.

          Steht Ihrem Kostensenkungsprogramm die noch von Ihrem Vorgänger Jürgen Hubbert ausgehandelte Job-Garantie bis 2012 im Weg?

          Wir haben einen zukunftsweisenden Vertrag abgeschlossen. Teil dieses Vertrags ist, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Wir nutzen eine Vielzahl von Flexibilisierungsinstrumenten und können in jedem Fall auf sozialverträgliche Art reagieren. Es bleibt aber unser Ziel, die Produktivität weiter deutlich zu steigern.

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