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Automobile : Mercedes: Cordes geht, Zetsche übernimmt

  • Aktualisiert am

Ein Mann für alle Fälle: Dieter Zetsche Bild: AP

Mercedes-Vorstand Eckhard Cordes verläßt den Stuttgarter Automobilkonzern schon Ende August. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt der designierte Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche die Führung der Mercedes Car Group.

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          Nach rund drei Wochen ist die Führungskrise bei Mercedes gelöst. Der jetzige Chef der Mercedes Car Group, Eckhard Cordes, verläßt bereits zum 31. August den Autokonzern.

          Der 54jährige gehe „auf eigenen Wunsch“, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Stuttgart mit. Den Mercedes-Chefposten übernimmt für eine Übergangszeit Chrysler-Chef Dieter Zetsche, bis ein endgültiger Nachfolger für Cordes gefunden ist.

          Zetsche bleibt etwa ein Jahr Mercedes-Chef

          „Zetsche will Mercedes selbst rund ein Jahr führen“, hieß es in mit der Situation vertrauten Kreisen. Der 20köpfige Aufsichtsrat hat sich damit wie erwartet für eine Übergangslösung bei Mercedes entschieden (siehe auch: ). Es werde derzeit kein Nachfolger für Cordes gesucht. Der 52jährige Zetsche wolle mit seiner Entscheidung die mit den Marken Mercedes, Smart und Maybach Sparte stabilisieren.

          Bald Vergangenheit: Eckhard Cordes bei Mercedes
          Bald Vergangenheit: Eckhard Cordes bei Mercedes : Bild: dpa/dpaweb

          Zetsche soll Anfang 2006 den Daimler-Chrysler-Vorstandsvorsitz von Jürgen Schrempp übernehmen (siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Der Schöpfer der Welt AG zieht sich zurück). Cordes, der sich offenbar ebenfalls Hoffnungen auf die Schrempp-Nachfolge gemacht hatte, soll Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper gebeten haben, seinen Arbeitsvertrag vorzeitig aufzulösen.

          Spekulationen und Gerüchte

          Seit der Bekanntgabe des Führungswechsels bei dem deutsch-amerikanischen Autobauer Ende Juli war über den Posten des Mercedes-Chefs Cordes spekuliert worden.

          Zeitweise hatten sogar Gerüchte die Runde gemacht, VW-Markenchef Wolfgang Bernhard wolle zu seinem früheren Arbeitgeber zurückkehren. Bernhard hatte dies jedoch entschieden zurückgewiesen (siehe auch: ).

          Vorgezogener Führungswechsel auch bei Chrysler

          Bei Chrysler wird der Führungswechsel nun ebenfalls auf den 1. September vorgezogen. Thomas LaSorda, 51, wird Leiter der Chrysler-Sparte, Eric Ridenour, 47, tritt als Chief Operating Officer an. Ridenour ist zudem mit Wirkung zum 1. September auf die Dauer von drei Jahren zum Vorstandsmitglied von Daimler-Chrysler bestellt worden. LaSorda gehört dem Vorstand bereits seit 2004 an.

          Er wird bei Chrysler den bisherigen Sanierungskurs fortsetzen. Es seien steigende Kosten abzufangen und hohe Rabatte beim Verkauf der Autos zu finanzieren, die bei einigen Modellen zu Verlust führten: „Ich glaube nicht, daß wir jemals auf der Kostenseite an ein Ende kommen“, sagte LaSorda in Detroit. „Wenn wir keine Profite erwirtschaften, können wir nicht investieren. Das ist ein Teufelskreis.“ Chrysler müsse sich gegen steigende Ölpreise wappnen. Für dieses Jahr hatte Zetsche einen operativen Gewinn in gleicher Höhe wie 2004, also 1,43 Milliarden Euro, angekündigt. LaSorda hat für das kommende Jahr einen Zuwachs prognostiziert.

          Bafin-Untersuchungen ziehen Kreise

          Unterdessen ziehen die Untersuchungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Kreise. Die Behörde geht dem Verdacht auf Insiderhandel nach und prüft, ob die Mitteilung über den bevorstehenden Wechsel an der Konzernspitze rechtzeitig veröffentlicht wurde. Der Konzern habe sich zunächst nicht sehr kooperativ bei diesen Untersuchungen gezeigt, heißt es. Zwei Manager des Autoherstellers sind derweil ins Schußfeld der Öffentlichkeit geraten: der für Strategie zuständige Vorstand und Schrempp-Vertraute Rüdiger Grube und Kommunikationschef Hartmut Schick, der den engsten Vertrauten Schrempps zugerechnet wird.

          In der „Bild“-Zeitung heißt es, Grube und Schick sollen im Verdacht stehen, „vor Bekanntwerden des Ausscheidens von Schrempp über Dritte Aktien erworben zu haben“. Konzernsprecher Toni Melfi sagte dazu, dies seien „diffamierende Falschaussagen, die jeglicher Grundlage entbehren“. Schick selbst sprach von „Verleumdung“. Grube und Schick wehrten sich mit eidesstattlichen Versicherungen gegen die Vorhaltungen.

          Die Daimler-Chrysler-Aktie hatte am Tag der Bekanntgabe von Schrempps Rücktritt um rund 10 Prozent an Wert gewonnen. Ein Teil des Kursgewinns wurde bereits am Vormittag realisiert, als die Nachricht über den bevorstehenden Wechsel an der Konzernspitze noch nicht offiziell verbreitet worden war. Zudem war der Kurs an den Tagen zuvor schon kräftig gestiegen. Gestern reagierte die Börse verhalten auf die Nachricht, daß Zetsche vorübergehend Mercedes-Chef wird. Als begründete Spekulation war sie sehr rasch aufgekommen und bot nun keine Überraschung. (Siehe auch: )

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