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Automobile : Mercedes belastet Daimler-Chrysler

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Bild: FAZ.NET

Der Modellwechsel, der Kampf mit Qualitätsmängeln und gesunkene Verkaufszahlen des Smart lassen bei Mercedes den operativen Gewinn sinken. Für das Gesamtjahr bekräftigte Daimler-Chrysler dennoch die Prognose.

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          Daimler-Chrysler rechnet für das vierte Quartal mit einer Abschwächung der Autokonjunktur. Ungeachtet dessen erwartet der Autokonzern, den eigenen Absatz im gesamten Jahr von 4,3 auf 4,8 Millionen Autos und Nutzfahrzeuge steigern zu können, was einen Umsatzzuwachs von gut 6 Prozent auf 145 Milliarden Euro bedeutete. Der Operating Profit (der etwa dem Betriebsergebnis entspricht) werde "deutlich" über dem Vorjahreswert von 5,1 Milliarden Euro liegen, wurde bekräftigt.

          Mit den Ergebnissen im dritten Quartal liegt der Konzern weitgehend im Rahmen der Analysten-Erwartungen, weshalb der Kurs kaum reagierte. Allerdings hat sich das Bild für die Mercedes Car Group (Mercedes-Benz, Smart und Maybach) stark eingetrübt. Allein im dritten Quartal ist der Operating Profit um 62 Prozent auf 304 Millionen Euro eingebrochen. Addiert man die Ergebnisse der drei Quartale, ergibt sich mit 1,646 Milliarden Euro ein Rückgang des Operating Profit bei Mercedes um 30 Prozent.

          Smart-Engagement steht zur Debatte

          Ein "wirklich großer Teil" dieser Ergebnisverschlechterung ist auf den Kleinstwagen Smart zurückzuführen, wie Daimler-Chrysler-Finanzvorstand Manfred Gentz während einer Telefonkonferenz sagte. Smart hätte eigentlich in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen sollen, tatsächlich habe sich das Ergebnis "deutlich verschlechtert", sagte Gentz. Die Verkäufe des Kleinstwagens entwickeln sich längst nicht so gut wie erwartet. Insgesamt hat sich zwar der Smart-Absatz im dritten Quartal um 16 Prozent erhöht, allerdings nur durch den Verkauf des neuen viertürigen Modells Forfour. Bezogen auf die bisherige Modellpalette errechnet sich ein Absatzeinbruch von 37 Prozent. Nach Angaben von Gentz steht damit das gesamte Smart-Engagement zur Debatte. Der Vorstand werde das diskutieren müssen, sagte er in der Telefonkonferenz. "Unser Denken kennt niemals Grenzen. Daher muß man alle möglichen Alternativen in Betracht ziehen", sagte er auf die Frage, ob auch denkbar sei, sich ganz von Smart zu trennen. Während es gelungen sei, eine Marke von hohem Wert zu entwickeln, seien die Finanzdaten enttäuschend.

          Qualitätsprobleme

          Belastet wird das Mercedes-Ergebnis zudem massiv durch Qualitätsprobleme. Insbesondere werde an der Produkt-Reife gearbeitet, berichtete Gentz: "Die Fahrzeuge, die heute unsere Fabriken verlassen, haben eine deutlich höhere Qualität als die früherer Jahrgänge." Durch die Maßnahmen verschiebe sich aber die Markteinführung der neuen C-Klasse, der E-Klasse sowie der M-Klasse um einige Wochen. Dies führe zu geringeren Einnahmen, bei gleichzeitig höheren Ausgaben für die Produktverbesserung. "Das alles wird 2004 nicht beendet sein", gab Gentz zu. Das Mercedes-Ergebnis könnte im nächsten Jahr sogar noch durch noch stärkere Währungseinflüsse und durch einen Anstieg der Rohmaterialpreise belastet werden.

          Trotz des Gewinneinbruchs trägt die Mercedes Car Group in den ersten drei Quartalen noch rund ein Drittel zum Gesamtergebnis von 4,969 Milliarden Euro bei und bleibt damit wichtigster Gewinnbringer im Konzern. Allerdings haben sich die Gewichte deutlich verschoben. Immerhin eine Milliarde Euro Operating Profit hat in den ersten drei Quartalen die Chrysler-Sparte erwirtschaftet, und im traditionell schwachen dritten Quartal liegt das Ergebnis der amerikanischen Gesellschaft um 48 Prozent über dem Vorjahresniveau - obwohl darin sogar noch Restrukturierungsaufwendungen von 104 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Schließung und dem Verkauf von Fabriken enthalten sind. Wesentlich für das bessere Ergebnis im dritten Quartal ist der Rückgang der Rabattaufwendungen. Der Erfolg der neuen Modelle - vor allem der Chrysler 300, der Dodge Magnum und die Minivans Dodge Grand Caravan und Chrysler Town & Country - stimme ihn auch zuversichtlich für das vierte Quartal, sagte Gentz.

          Nutzfahrzeuge erfolgreich

          Besonders erfolgreich hat im dritten Quartal die Nutzfahrzeugsparte abgeschlossen. Obwohl das Ergebnis durch die Rückrufaktionen bei dem japanischen Nutzfahrzeughersteller Fuso mit 405 Millionen Euro belastet ist, verbleiben nach drei Quartalen 895 Millionen Euro Operating Profit - das sind 92 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Service-Sparte hat ihren Operating Profit im dritten Quartal um 45 Prozent auf 412 Millionen Euro verbessert, obwohl allein die "Mehraufwendungen zur Absicherung des Systemstarts" der Lastwagen-Maut (Toll Collect) mit 119 Millionen Euro zu Buche schlagen.

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