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Automobile : Machtkampf bei Daimler-Chrysler

  • Aktualisiert am

Wie geht es weiter mit Jürgen Schrempp? Bild: AP

Bei Daimler-Chrysler ist es zu einem Machtkampf in der Führungsspitze gekommen, der den Vorstandsvorsitzenden Schrempp das Amt kosten könnte. Seine globale Strategie steht zur Disposition.

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          Bei dem Automobilhersteller Daimler-Chrysler ist es zu einem Machtkampf innerhalb der Führungsspitze gekommen, der den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp das Amt kosten könnte. Auf der Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat an diesem Donnerstag im Seagram's Building in New York werde es turbulent zugehen, erwarten Unternehmenskreise. Ob Beschlüsse fallen werden, ist unklar.

          Zumindest dürfte die Sitzung, die nach mitteleuropäischer Zeit um 16 Uhr beginnt, bis tief in die Nacht dauern. Anlaß für den im Vorstand ausgebrochenen Streit ist die künftige Strategie. Nachdem bei einer Sitzung vor einer Woche beschlossen wurde, sämtliche Finanzhilfen für Mitsubishi Motors einzustellen, steht die gesamte globale Strategie von Schrempp zur Disposition. Die Zahl ihrer Befürworter innerhalb des Vorstands ist offenbar mittlerweile in der Minderheit.

          Rücktritt angeboten

          Wie zu hören ist, hat der Vorstandsvorsitzende selbst bei der Sitzung in der vergangenen Woche seinen Rücktritt angeboten. Mit ihm hätten auch Eckard Cordes und Rüdiger Grube ihre Posten zur Disposition gestellt. Grube ist heute im Vorstand für die Strategie zuständig und gilt als einer der wichtigen Architekten der „Welt AG“. Cordes war Strategie-Vorstand in der Zeit, als Schrempp die Fusion mit Chrysler und die Beteiligung an Mitsubishi Motors einfädelte. Heute ist er für das Asiengeschäft verantwortlich sowie für die Nutzfahrzeugsparte. Diese hat er zwar wieder aus der Verlustzone herausgeführt, allerdings gibt es auch dort Probleme mit den asiatischen Partnern. Die Rücktrittsangebote von Schrempp, Cordes und Grube seien in der vergangenen Woche vom Aufsichtsrat zunächst zurückgewiesen und das Thema auf diese Woche vertagt worden, ist in Stuttgart zu hören.

          Während der Rückhalt im Vorstand schwindet, darf Schrempp im Aufsichtsrat noch mit einigen Fürsprechern rechnen. Dies gilt umso mehr, als der Aufsichtsrat bei einem Sturz Schrempps seinerseits Glaubwürdigkeitsprobleme hätte - denn noch am Abend der Hauptversammlung am 7. April wurde Schrempps Vertrag bis 2008 verlängert. Allen voran hält offenbar Aufsichtsratschef Hilmar Kopper, der frühere Deutsche-Bank-Chef, zu Schrempp. Dagegen sind kritische Töne insbesondere von den deutschen Vertretern der Kapitalseite vernehmlich geworden. Manfred Schneider, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bayer AG, der zu den Kritikern gezählt wird, kann jedoch an der Sitzung des Daimler-Chrysler-Aufsichtsrats nicht teilnehmen: am Freitagvormittag muß er die Bayer-Hauptversammlung leiten.

          Unmut gegen Schrempps Selbstherrlichkeit

          Die Arbeitnehmerseite hat sich in Gestalt des Betriebsratsvorsitzenden Erich Klemm zwar öffentlich noch vor Schrempp gestellt. Allerdings ist hier der Unmut gegen die Selbstherrlichkeit Schrempps gewachsen, der, wie es im Konzern heißt, in seinem Umfeld gegen fürstliche Belohnung zunehmend enge Freunde plaziert habe. Seine Ehefrau Lydia Schrempp, Assistentin im Vorstandsbüro, soll jährlich mehrere hunderttausend Euro verdienen - mehr als einige Führungskräfte auf der Ebene direkt unterhalb des Vorstands.

          Daß der Rückhalt für Schrempp geschwunden ist, war schon in der Telefonkonferenz zur Beendigung des Mitsubishi-Engagements am Freitag zu spüren. Auf die Frage, ob die Kehrtwende in der Asien-Strategie zu personellen Konsequenzen führen werde, antwortete Finanzvorstand Manfred Gentz knapp: Dies zu entscheiden sei Sache des Aufsichtsrats. Er äußerte sich nicht darüber, ob der Vorstand zu Schrempp steht.

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