https://www.faz.net/-gqe-vytc

Automobile : General Motors schreibt 39 Milliarden Dollar ab

Potentielle Steuervergünstigungen aus früheren Verlusten sorgen für die Abschreibung Bild: AP

General Motors muss 39 Milliarden Dollar abschreiben. Das teilte der Konzern vor Veröffentlichung aktueller Geschäftszahlen mit. Nun droht der höchste Jahresverlust der GM-Geschichte. Dem Konkurrenten Toyota geht es dagegen blendend.

          2 Min.

          Der größte amerikanische Autohersteller General Motors Corp. (GM) hat trotz seines Sanierungskurses überraschend einen Rekordverlust von fast 39 Milliarden Dollar im dritten Quartal ausgewiesen. Grund dafür ist eine gigantische Sonderbelastung in Zusammenhang mit amerikanischen Bilanzierungsvorschriften. Erwartete Steuervergünstigungen aus früheren Verlusten in den Vereinigten Staaten, Kanada und Deutschland könnten nicht in vollem Umfang genutzt werden, hieß es.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Aufgrund der Bilanzierungsvorschriften muss GM in diesem Quartal eine Wertberichtigung von 38,6 Milliarden Dollar bilden, die sogenannte latente Steuerforderungen aus früheren Verlustjahren auslöscht. Dies ist eine Besonderheit der Bilanzierung nach den GAAP-Regeln: Wenn ein Unternehmen wie GM in den vergangenen Jahren Verluste gemacht hat, muss es keine Steuern zahlen, aber latente Steuerforderungen buchen, die dann in den kommenden Jahren mit einem erwarteten Gewinn verrechnet werden können. Wenn ein Unternehmen diese Forderungen abschreibt, bedeutet das, dass der Konzern nicht mehr damit rechnet, die Verluste aus den Vorjahren mit Gewinn verrechnen zu können.

          „Das signalisiert, dass das Unternehmen mit einer schwachen Geschäftsentwicklung rechnet“, sagt Birgit Kretschmer, Steuermanagerin bei der Steuerberatung Brix & Partners in New York. Der Finanzchef von GM, Fritz Henderson, betonte, die Abschreibungen würden sich nicht auf die Liquidität auswirken. Der Konzern musste die Abschreibung überraschend vornehmen, weil sich die akkumulierten Quartalsgewinne über einen Zeitraum von drei Jahren verschlechtert hatten. "Wirtschaftlich existieren die Steuervorteile noch. Wir können sie nutzen, wenn wir Gewinn machen", so Henderson.

          Schlechte Nachrichten, enttäuschte Erwartungen

          „Es hat keinerlei Auswirkungen auf das Geschäft“

          Der GM-Vorstandsvorsitzende Richard Wagoner räumte allerdings ein, dass die Abschreibung nicht einfach zu erklären ist. „Ich glaube, man braucht einen Doktortitel in Wirtschaftsprüfung, um es zu verstehen“, sagte Wagoner in einem Radiointerview. „Es hat keinerlei Auswirkungen auf das Geschäft. Ich empfehle den Leuten, nicht überzureagieren“, sagte Wagoner. Aufgrund der Wertberichtigung verbuchte der Autohersteller insgesamt einen Nettoverlust von 38,96 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte GM einen Verlust von 147 Millionen Dollar ausgewiesen.

          Auch ohne die Berücksichtigung von Sonderfaktoren wies GM einen Nettoverlust von 1,6 Milliarden Dollar aus. Das war rund achtmal so viel, wie Analysten im Durchschnitt erwarten hatten. Der Aktienkurs von GM reagierte im frühen Handel an der New Yorker Börse mit einem Verlust von knapp 4 Prozent.

          GM machte im schwierigen amerikanischen Automarkt weiter Verluste. Im operativen Geschäft fuhr der Konzern in Amerika einen Verlust von 247 Millionen Dollar ein. Der Konzern hat auf dem Heimatmarkt mit scharfer Konkurrenz japanischer Hersteller und steigenden Benzinpreisen zu kämpfen. Auch in Europa machte GM Verluste, im weltweiten Automobilgeschäft wies der Konzern allerdings einen leichten Gewinn von 122 Millionen Dollar aufgrund seiner Stärke in den Regionen Asien und Lateinamerika aus.

          Weitere Themen

          Airbus zahlt Milliarden wegen Korruption

          Einigung erzielt : Airbus zahlt Milliarden wegen Korruption

          Der Flugzeughersteller verständigt sich mit den Behörden in mehreren Ländern. Gut drei Milliarden Dollar könnten fällig werden. Doch das wäre nur ein Teil des Preises.

          Topmeldungen

          Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

          Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
          Ein Kuss sagt mehr als 1000 Worte: Die britische Prinzessin Eugenie bei ihrer Hochzeit im Oktober 2018 mit Ehemann Jack Brooksbank.

          Ein wahres Feuerwerk : Was im Gehirn passiert, wenn wir uns küssen

          Wenn sich Lippen berühren, bricht im Gehirn ein Feuerwerk aus. Nervenzellen und Synapsen befinden sich im Ausnahmezustand. Mit Hilfe moderner Technik können Wissenschaftler die Leidenschaft nun abbilden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.