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Automobile : Chrysler steht vor Bewährungsprobe

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Der amerikanische Automobilhersteller Chrysler muß sich um seinen Verbleib im Daimler-Chrysler-Konzern im Moment wohl keine Sorgen machen. Beobachtern zufolge steht die Verbindung Daimlers zum Sorgenkind Chrysler nicht grundsätzlich in Frage.

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          Der amerikanische Automobilhersteller Chrysler muß sich um seinen Verbleib im Daimler-Chrysler-Konzern im Moment wohl keine Sorgen machen. Die Entscheidung der Stuttgarter, dem angeschlagenen japanischen Autobauer Mitsubishi weitere Finanzhilfen zu verweigern, hat zwar das Konzept der Welt-AG aus den Angeln gehoben. Beobachtern zufolge steht die Verbindung zu dem anderen Sorgenkind Chrysler aber derzeit nicht grundsätzlich in Frage.

          Wie zu hören ist, hat die Mitsubishi-Entscheidung auch in der Chrysler-Zentrale nahe Detroit kaum Unruhe ausgelöst. Gleichwohl steht Chrysler vor seiner bisher vielleicht größten Bewährungsprobe: Nach der schwachen Entwicklung der vergangenen Jahre haben die Amerikaner eine Wende versprochen und hierzu eine noch nie dagewesene Produktoffensive gestartet. Mit den neuen Modellen ist Chrysler zum Erfolg verdammt: Sollte sich das Unternehmen hier allzu viele Flops leisten, dürfte das Schicksal von Chrysler wieder in Frage stehen.

          Vorsicht, Aufbruchstimmung!

          Die von Chrysler verbreitete Aufbruchstimmung ist allerdings mit Vorsicht zu beurteilen. Schließlich hatte das Unternehmen in den vergangenen Jahren schon mehrmals eine Wende zum Besseren versprochen und danach die Erwartungen enttäuscht. So wurde für das vergangene Jahr bei Chrysler ein Betriebsergebnis von 2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Am Ende des Jahres wies Chrysler aber einen Verlust von 506 Millionen Euro aus. Dabei schien Chrysler zuvor schon auf dem Wege der Erholung zu sein: Im Jahr 2002 gab es einen Betriebsgewinn von 609 Millionen Euro, nachdem das Unternehmen für 2001 einen Rekordverlust von 5,3 Milliarden Euro ausgewiesen hatte.

          Seit der Übernahme durch Daimler-Benz im Jahr 1998 hat Chrysler in Amerika kontinuierlich Marktanteile verloren. Zum Zeitpunkt der Transaktion lag der Anteil noch bei mehr als 16 Prozent, im vergangenen Jahr waren es nur noch 12,5 Prozent. Darüber hinaus kam das Ergebnis durch die immer härteren Rabattschlachten in Amerika unter Druck. Das Unternehmen hatte zuwenig attraktive Neuheiten, mit denen es sich dem Preiswettbewerb hätte entziehen können.

          Hoffnungen ruhen auf Limousine 300

          Für das laufende Jahr sind nun insgesamt neun neue Modelle geplant, in den kommenden beiden Jahre sollen sechzehn weitere Produkte eingeführt werden. Einer der größten Hoffnungsträger für dieses Jahr ist das neue Limousinen-Modell 300, das seit März verkauft wird. Nach Informationen aus der Branche stößt das Auto bislang auf gute Resonanz.

          Unabhängig von den neuen Modellen zeigt die Entwicklung in jüngster Zeit wieder nach oben, was ein weiteres Argument dagegen wäre, Chrysler zur Disposition zu stellen. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen hat Chrysler im ersten Quartal dieses Jahres den Operating Profit gegenüber dem Vorjahr von 187 auf 366 Millionen Dollar gesteigert. Für das Gesamtjahr verspricht Chrysler trotz eines weiter verschärften Preiskampfes in Amerika ein "erheblich positives Ergebnis". Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar, umgerechnet in Euro ergab sich ein Minus von 5 Prozent. Das Unternehmen hat nun zwei Quartale in Folge seine Verkaufszahlen gesteigert.

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