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Automesse in Detroit : Der Autopilot

  • -Aktualisiert am

Google hat in Nevada die Lizenz erhalten, selbstfahrende Autos auf den Weg zu bringen. Bild: dpa

Ein Auto, das die Verkehrssituation jederzeit erfasst, vor Gefahren warnt und notfalls eigenständig reagiert - das hat es ja schon einmal gegeben, im Kinofilm. Nun soll es Wirklichkeit werden. Eine Vorausschau.

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          Ein Auto, das die Verkehrssituation jederzeit erfasst, vor Gefahren warnt und notfalls eigenständig reagiert - das hat es ja schon einmal gegeben, im Kinofilm „The Dark Knight Rises“. Darin kämpft Batman für Recht und Gesetz auf den Straßen von Gotham City - und wird dabei unterstützt von seinem mit zahlreichen Kameras und Sensoren ausgestatteten Batmobil. Inzwischen ist diese Fiktion fast schon Realität. Von dem vollständig selbstfahrenden Auto sind wir zwar noch einen großen Schritt entfernt. Aber die Branche arbeitet sich langsam in diese Richtung vor. Bis 2016 will der Autozulieferkonzern Continental einen Stau-Assistenten zur Marktreife bringen. Der elektronische Autopilot würde den Wagen im zähflüssigen Stop-and-go-Verkehr bis zu einer Geschwindigkeit von 20 oder 30 Stundenkilometern mit Hilfe von Kameras und Sensoren alleine fahren - also bremsen, Gas geben und lenken. Der Mensch am Steuer könnte stattdessen fernsehen, Zeitung lesen oder eine Mahlzeit zu sich nehmen.

          Allerdings müsste die Computertechnik dafür erst einmal gegen jeglichen unbefugten Eingriff durch Hacker abgesichert werden. Auch müsste der gesetzliche Rahmen geändert werden. Noch ist automatisches Fahren nur bis zu einer Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern erlaubt - etwa beim Einparken. Zudem würde der Fahrer, auch wenn er den Stau-Piloten per Knopfdruck einschaltet, die letzte Verantwortung für alles behalten, was sein Fahrzeug anrichtet. Die nächste weiterführende Anwendung für automatisches Fahren, die serienreif werden könnte, wäre ein Fahrerassistenzprogramm, das es ermöglicht, das Auto ohne Fahrer in ein Parkhaus zu schicken - und später per Smartphone wieder herauszurufen.

          Autopiloten vor allem für diejenigen, die keinen Führerschein machen

          Wenn sich die Vorstandschefs der großen Autokonzerne zur Detroit Motor Show treffen, wird das automatisierte Fahren heiß diskutiert werden. Denn es wird die gesamte Branche verändern. Schon jetzt vertrauen Autofahrer auf Fahrerassistenzsysteme. Neun von zehn Befragten befürworten den aktiven Eingriff der maschinellen Helfer in die Fahrzeuglenkung, etwa um Autos von Geisterfahrern zu stoppen. Jeder Zweite vertraut der Technik auch dann, wenn sie die Fahrzeuge vollständig selbständig steuert. In Nevada ist das, anders als in Deutschland, schon erlaubt, ebenso in Kalifornien, wo Google an einem „Driverless Car“ arbeitet. Der Internetkonzern will in fünf Jahren so weit sein, andere - wie etwa Audi - glauben, dass es länger dauert.

          Sobald es einmal so weit ist, wird der Wandel grundlegend ausfallen. Zunächst einmal könnte das automatisierte Auto die Branche vor der demnächst erwarteten Marktsättigung retten. Bald werden auch alle Chinesen, die es sich leisten können, einen Audi, BMW oder Mercedes fahren. Autos, die sich unter dem Blechkleid schon heute kaum noch unterscheiden, werden zur Massenware und als Statussymbol bedeutungslos. In dieser Situation kann das selbstfahrende Auto neuen Schwung bringen. Gerade für junge Stadtbewohner, die sich mehr für Smartphones als den am höchsten motorisierten Straßenflitzer interessieren, wäre das automatisierte Fahren ein gutes Verkaufsargument. Besonders für diejenigen, die gar keinen Führerschein mehr machen.

          Klingt wie Science Fiction, ist es aber nicht

          Auch Stadtplaner freuen sich: Fahren die Wagen aufgrund neuer Technik dicht an dicht hintereinander her ohne Unfälle zu verursachen, spart das Platz auf den Straßen und vermeidet Staus. Mehr noch: Die Autos könnten ihre Insassen am gewünschten Ziel absetzen und sich danach selbst an einem weiter entfernten Ort einen Parkplatz besorgen. Das klingt wie Science Fiction, ist es aber nicht. Schließlich parken Autos jetzt schon selbst ein oder führen Notbremsungen durch.

          Rund um den Globus werden heute in einem durchschnittlichen Monat etwa 108.000 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet. Die allermeisten dieser Unfälle resultieren aus menschlichem Versagen und könnten durch verstärkten Einsatz der Technik verhindert werden. Auch für die Konstruktion der Autos hätte das unmittelbar Folgen. Sie würden mit einer kleineren - oder ganz ohne - Knautschzone aus Stahl auskommen, könnten deshalb aus leichterem Material wie etwa Plastik hergestellt werden und würden so auch weniger verbrauchen.

          Verkehrspolizisten müssten umlernen

          Neue Modelle mit einem anderen Aussehen könnten häufiger auf den Markt kommen, ganz neue Wettbewerber in den Markt eindringen. Hersteller von Elektronik und Software gehörten zu den Gewinnern. Sie liefern Sensoren, Computer und Kameras für das automatisierte Fahren. Da die Insassen das Vehikel nicht mehr selbst lenken, wird auch die Nachfrage nach Unterhaltungssystemen steigen. Die Fahrer von Bussen, Taxis und Lastwagen müssten sich allerdings neue Jobs suchen. Auch Verkehrspolizisten müssten wohl umlernen, weil die Autos sich automatisch an Tempolimits halten und niemals zu schnell fahren würden.

          Nur eine Hürde kann die selbstfahrenden Autos noch aufhalten: Das sind die Kosten. Ein Neuwagen kostet schon heute für viele Menschen kaum erschwingliche 26.000 Euro. Zusätzliche Technik wird ihn nicht gerade billiger machen.

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