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Automatisiertes Fahren : Continental baut ein Roboterauto

  • -Aktualisiert am

Noch gefragt: Testfahrer auf der Conti-Prüfstrecke in Wietze-Jeversen in Niedersachsen Bild: dpa

Der Autozulieferer arbeitet mit dem Telekommunikationskonzern Cisco zusammen an sicherer Datenübertragung für das vernetzte, selbstfahrende Auto der Zukunft.

          Der Autozulieferer Continental AG will bis zum Jahr 2016 automatisiertes Fahren ein Stück weit Realität werden lassen. Der jüngste Schritt auf dieses Ziel zu ist eine neue Kooperation mit dem amerikanischen Telekommunikationskonzern Cisco. Zusammen mit dem Unternehmen aus San José in Kalifornien hat Continental ein vernetztes Demonstrationsfahrzeug entwickelt und auf einer Branchenkonferenz in Michigan gezeigt. Das soll nur der Auftakt für eine vertiefte Zusammenarbeit sein, bei der es um Datenkomprimierung, Datensicherheit und die großen Computerserver geht, die künftig vernetzte Autos beim Fahren unterstützen.

          Eine konkrete Anwendung könnte die Warnung des Fahrers vor einem Stauende hinter der nächsten Autobahnkurve sein, das die Kameras und Sensoren des Fahrzeugs allein nicht wahrnehmen könnten. Möglich wäre dann eine sanfte Abbremsung statt der unerwarteten Vollbremsung. Das gemeinsame Demonstrationsfahrzeug der beiden Konzerne ist ausgerüstet mit sicherer und nahtloser Netzwerktechnologie.

          Bekannt ist Cisco für seine Netzwerkgeräte und Netzwerkweichen

          Es handelt sich um ein gemeinsames Entwicklungsprojekt, dessen Ergebnis auch ein marktreifes Produkt werden könnte. Auch ein Gemeinschaftsunternehmen ist künftig nicht grundsätzlich ausgeschlossen. „Cisco ist Experte darin, zuverlässig und ohne Unterbrechung der Verbindung zwischen verschiedenen Mobilfunk-Netzwerken hin- und herzuschalten“, sagt ein Continental-Sprecher.

          Das System könne die Bedürfnisse der Fahrzeuginsassen gegebenenfalls automatisch und ohne Zeitverzögerung in eine Rangfolge bringen: Der Film, den ein Kind auf der Rückbank gerade anschaut, wird unterbrochen, wenn das weniger übertragungsstarke 3G-Netz für den Empfang akut notwendiger Verkehrsdaten über einen Stau benötigt wird.

          Auch die Identifizierung eines Fahrzeugs und die Verifizierung der gesendeten Daten ist eine Spezialität der Amerikaner.

          „Cisco bringt in die Kooperation Kompetenzen ein, die bei Conti nicht vorhanden sind wie etwa Routing zwischen Netzwerken, Softwaresicherheit zur Abwehr vor Cyberangriffen, aber auch ganz allgemeine Netzwerke zur Verbesserung der Kommunikation und Mobilitätsoptimierung“, ordnet Stefan Bauknecht, Autofachmann der Fondsgesellschaft DWS, die Partnerschaft ein. Bekannt ist Cisco bei Technikern vor allem für seine Netzwerkgeräte (Router), die Netzwerkpakete zwischen mehreren Rechnernetzen weiterleiten können, sowie für seine Netzwerkweichen (Switches).

          Dem Kunden sei es einen Aufpreis wert

          „Bei Continental glauben wir, dass das Internet nicht nur ins Auto kommt, sondern dass das Auto Teil des Internets wird“, sagt der Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart. Der Konzern plant als Nächstes nach dem schon marktreifen Stauassistenten für den zähflüssigen Verkehr die Entwicklung eines Assistenzsystems, das auch im Verkehr bei höherer Geschwindigkeit auf der Autobahn zum Einsatz kommt. Degenhart sagte auf der Automesse in Detroit, dass Continental im Jahr 2013 gut 100 Millionen Euro in die Technik investiert. Rund 1.300 Ingenieure arbeiten im Konzern an Projekten rund um das fahrerlose Auto.

          Degenhart zeigte sich überzeugt, dass solche Fahrassistenzsysteme den Kunden einen Aufpreis wert sein werden. Er berief sich auf Umfragen in den Vereinigten Staaten, wonach Verbraucher bis zu 3.000 Dollar für diese Zusatzfunktion zahlen würden. Er hält es für realistisch, dass Continental die Technik zu einem Preis zur Verfügung stellen kann, der diese Größenordnung erlaubt.

          „Von der lästigen Aufgabe des Fahrens befreien“

          „Automatisiertes Fahren wird Menschen von der lästigen Aufgabe des Fahrens befreien“, sagte Degenhart. Jeder Mensch auf der Welt braucht heute nach Angaben von Continental im Schnitt 50 Minuten am Tag oder 300 Stunden im Jahr für seinen Weg von und zum Arbeitsplatz. Diese Zeit könnte produktiver genutzt werden, wenn das Auto von selbst fahre. Zudem würde Autofahren sicherer. „Mit fahrerlosen Systemen könnte die Zahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr deutlich gesenkt werden.“

          Automatisierte Autos seien außerdem umweltfreundlicher, weil sie „vernünftiger“ führen, also zum Beispiel beim Losfahren nicht übermäßig beschleunigten. Autos können auch heute schon ein Stück weit selbständig Aufgaben übernehmen und zum Beispiel ohne Hilfe des Fahrers einparken und bremsen. Automatisches Fahren ist indessen nach heutigen Gesetzen nur bis zu einer Geschwindigkeit von 10 Kilometern in der Stunde erlaubt.

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