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Automarkt : Japans Hersteller leiden in China

Erstmals seit acht Monaten ist der Kraftfahrzeugverkauf in China wieder gesunken Bild: dapd

Der Kraftfahrzeugverkauf in China sinkt. Vor allem japanische Anbieter leiden. Denn der Boykott wegen des Inselstreits zwischen beiden Ländern wirkt sich spürbar aus. Deutsche Marken indes wachsen schneller als der Markt.

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          Der Kraftfahrzeugverkauf in China, dem größten Neuwagenmarkt der Welt, ist im September erstmals seit acht Monaten wieder gesunken. Während die amerikanischen und deutschen Hersteller weiter stattlich wuchsen und auch die chinesischen Anbieter profitieren konnten, schrumpfte der Absatz der japanischen Konkurrenz. Ihre Fahrzeuge werden von vielen Chinesen boykottiert, weil sich die Regierungen in Peking und Tokio um die Zugehörigkeit einer rohstoffreichen Inselgruppe im Ostchinesischen Meer streiten.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Der Verkauf aller Fahrzeugarten habe sich im September im Vorjahresvergleich um 1,8 Prozent auf 1,62 Millionen Einheiten verringert, teilte der Automobilverband CAAM mit. Bei Personenwagen betrug der Rückgang 0,3 Prozent auf 1,3 Millionen Fahrzeuge. Hier hatten Analysten einen Anstieg um 2 Prozent erwartet. „Im September entwickelten sich Produktion und Absatz nicht gut“, urteilte der Verband. Das habe an dem Inselstreit und am schwachen Verkauf von Nutzfahrzeugen gelegen.

          In den ersten neun Monaten zusammengenommen stieg der Pkw-Absatz immerhin um 6,9 Prozent auf 11,3 Millionen Einheiten. Als große Verlierer stehen die japanischen Hersteller da. Deren Verkäufe fielen nach CAAM-Angaben im September um 41 Prozent. Zulegen konnten hingegen andere Ausländer, am meisten die Amerikaner (plus 15 Prozent), gefolgt von den Deutschen (plus 14 Prozent). Die einheimischen chinesischen Marken konnten 7,5 Prozent hinzugewinnen, machen aber trotzdem nur 41 Prozent des Markts aus.

          Als letzter der großen deutschen Hersteller legte am Montag die Volkswagen-Gruppe ihre Zahlen vor. Demzufolge wuchs der Konzern-Absatz aller Marken in der Volksrepublik einschließlich Hongkongs in den ersten neun Monaten um 18,3 Prozent auf fast 2 Millionen Autos. Die Marke VW legte um 17,2 Prozent auf 1,52 Millionen zu, Audi um 31 Prozent auf 297.000 Fahrzeuge. Bei Skoda betrug der Anstieg 6,8 Prozent auf 182.000 Einheiten. Er sei sehr zufrieden mit der Entwicklung, sagte der neue VW-Landeschef Jochem Heizmann: „Das unterstreicht die zentrale Bedeutung des chinesischen Marktes für unsere Strategie, 2018 der erfolgreichste Autohersteller der Welt zu werden.“

          „Alle japanischen Marken haben im September Marktanteile verloren“
          „Alle japanischen Marken haben im September Marktanteile verloren“ : Bild: AFP

          Auch die anderen deutschen Konzerne schlugen sich besser als der Markt. Mercedes-Benz mit seinen Marken Mercedes, Smart, AMG und Maybach setzte in China (ohne Hongkong) bis einschließlich September 153.000 Autos ab, das war ein Plus von 9 Prozent. BMW und Mini legten in derselben Region sogar um fast 34 Prozent auf 237.000 Fahrzeuge zu. Der Porsche-Verkauf kletterte um knapp 25 Prozent auf 24.000 Einheiten.

          „Alle japanischen Marken haben im September Marktanteile verloren, diese Nachfrage ging an ihre wichtigsten Wettbewerber über: VW, Hyundai und chinesische Marken“, urteilte Kate Zhu, Autoanalystin von Morgan Stanley in Hongkong. Der größte Nutznießer sei der private chinesische Anbieter Great Wall mit einem Anstieg um 77 Prozent gewesen. Beim ebenfalls privaten chinesischen Unternehmen Geely, das Volvo gekauft hat, betrug der Zuwachs 39 Prozent. Dahinter folgte das Gemeinschaftsunternehmen von VW und seinem staatlichen Partner FAW (plus 33 Prozent). Ford konnte mit dem Partner Chang’an um 34 Prozent zulegen.

          Unbewohnt: Inselgruppe Senkaku
          Unbewohnt: Inselgruppe Senkaku : Bild: dapd

          In der Verbindung mit Toyota hat FAW andererseits auch gelitten. Hier sanken Zhu zufolge die Verkäufe um 44 Prozent. Die Gruppen Guangzhou Automobile (GAC) und Dongfeng mussten mit ihren japanischen Partnern ebenfalls herbe Rückschläge einstecken. Am schlimmsten traf es Honda-GAC, denen im September mehr als die Hälfte des Absatzes wegbrach. Zhu wies darauf hin, dass ohne den Sondereffekt des Boykotts der Autoverkauf in China im September um 15 Prozent gestiegen sei.

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