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Automarkt : Deutsche Hersteller legen zu

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Volkswagen steigerte die weltweiten Auslieferungen um 10,6 Prozent auf 6,8 Millionen Fahrzeuge Bild: dapd

Trotz der Krise in Europa vermelden die deutschen Autobauer Rekordzahlen. Vor allem Verkäufe im Ausland helfen dabei. Derweil bekommen Toyota und Honda die Folgen des Inselstreits zwischen Japan und China deutlich zu spüren.

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          Die deutschen Autobauer steuern weiter unbeeindruckt durch die drohende Absatzkrise. Von Audi bis Daimler verzeichneten die Hersteller im September durchweg Absatzzuwächse. Am stärksten fiel das Plus beim Münchner Konzern BMW aus, der von seiner Stammmarke im vergangenen Monat gut 14 Prozent mehr Fahrzeuge verkaufte als noch vor Jahresfrist. Den geringsten Zuwachs verbuchte Mercedes, die lediglich zwei Prozent mehr Autos auslieferten.

          Vor allem die Märkte in Asien und den Vereinigten Staaten stützen das Geschäft der prestigeträchtigen Branche. Das Absatzwachstum von Volkswagen von rund zehn Prozent stützte sich vor allem auf den Fernen Osten, wo die Wolfsburger für ihre Kernmarke gut 17 Prozent mehr Käufer fanden. Für die Tochter Audi, traditionell stark in China, ist die Region noch wichtiger.

          Für BMW und Audi präsentierte sich sogar der Heimatmarkt recht robust. Die beiden Anbieter steigerten ihre Absatzzahlen, während Volkswagen stagnierte und die Verkäufe von Daimler mit einem Rückgang von acht Prozent regelrecht einbrachen. Trotz jüngster Zuwächse in Gesamteuropa machen sich die Hersteller Sorgen um die Branchenkonjunktur. Vor allem in Südeuropa sei das Geschäft nach wie vor schwierig, heißt es einhellig.

          Mit dem Jahresende dürften es auf dem Kontinent voraussichtlich mit den rosigen Zeiten vorbei sein. Volkswagen hat bereits seine Absatzplanung zusammengestrichen und die Produktion gedrosselt, auch die Tochter Audi hat bereits Bänder über mehrere Tage stillstehen lassen. Daimler will mit einem Sparprogramm gegensteuern. Angesichts umkämpfter Marktanteile liefern sich die Anbieter in Europa bereits seit längerem eine harte Rabattschlacht. Die Erholung wird nach einhelliger Meinung der Branche noch Jahre auf sich warten lassen. „Wir erwarten in absehbarer Zeit in Europa keine fundamentale Verbesserung“, hatte der Vertriebschef von Volkswagen, Christian Klingler, zum Auftakt des Pariser Autosalons Ende September erklärt.

          Weltweit verkaufte BMW im vergangenen Monat 177.716 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce

          Wie Europas größter Autobauer rechnen auch die Konzerntochter Audi und der Konkurrent BMW mit ein bis zwei Jahren Stagnation im Markt. Bremsen wollen sie sich davon aber nicht lassen. Fast alle deutschen Pkw-Bauer profitieren davon, dass ihre teuren Fahrzeuge in China oder den Vereinigten Staaten nach wie vor gefragt sind, während die auf Europa konzentrierten Hersteller von billigeren Autos wie Opel, Fiat oder Peugeuot schwer leiden. Weitere Werksschließungen werden wahrscheinlicher.

          Seit fast einem Jahr geht es auf dem europäischen Pkw-Markt bergab und die Talfahrt hat sich im Sommer noch beschleunigt. Vor allem in den schuldengeplagten Staaten im Süden sorgen Arbeitslosigkeit und düstere Zukunftsperspektiven dafür, dass sich die Menschen keine neuen Autos mehr leisten. So wenige Neuwagen wie derzeit wurden in Europa zuletzt vor rund 20 Jahren verkauft. Um fünf bis zehn Prozent werde der Markt in diesem Jahr schrumpfen, sagte Audi-Chef Rupert Stadler.

          Unbewohnt: Inselgruppe Senkaku

          Japans Autobauer bekommen derweil die Folgen des Inselstreits zwischen Japan und China zu spüren. Wie die China-Niederlassungen von Toyota und Honda am Dienstag laut japanischen Medienberichten bekanntgaben, brach der Absatz im September um jeweils fast die Hälfte ein. Angesichts der antijapanischen Stimmung in China verkaufte Branchenprimus Toyota im vergangenen Monat 44.100 Autos und damit 48,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Bei Honda sank der Absatz demnach um 40,5 Prozent auf 33.931 Autos.

          Die Beziehungen zwischen den beiden asiatischen Wirtschaftsmächten ist wegen eines wieder aufgebrochenen Streits um unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. In China war es deswegen zu antijapanischen Massenprotesten und Aufrufen zum Boykott japanischer Waren gekommen. Bezogen auf die ersten neun Monate erzielte Toyota in China jedoch immer noch ein Absatzplus von 4,6 Prozent auf 640.000 Autos. Konkurrent Honda legte um 9,5 Prozent auf 469.993 Autos zu, hieß es.

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