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Vor seiner Festnahme : Automanager Ghosn plante Fusion von Nissan und Renault

  • Aktualisiert am

Carlos Ghosn im Oktober 2018 auf der Pariser Autoshow Bild: Reuters

Der in eine Finanzaffäre verstrickte Automanager Carlos Ghosn arbeitete vor seiner Festnahme offenbar intensiv an einem Zusammenschluss von Renault und Nissan. Jetzt soll er zehn Tage in Haft bleiben.

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          Der am Montag wegen Veruntreuung von Firmengeldern festgenommene Automanager Carlos Ghosn plante laut einem Medienbericht vor seiner Inhaftierung die Fusion der Autohersteller Renault und Nissan. Wie die „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf Insider berichtet, rechneten einige Mitglieder des Nissan-Aufsichtsrats noch in den kommenden Monaten mit einem Vorstoß für einen Zusammenschluss – und suchten nach Möglichkeiten diesen zu verhindern. 

          Schon seit fast 20 Jahren sind Nissan und Renault durch gegenseitige Beteiligungen eng miteinander verbunden. Dem Bericht zufolge arbeitete Ghosn, der die Allianz aus Renault, Nissan und auch Mitsubishi bis zu seiner Festnahme führte, an einem gänzlichen Zusammenschluss, um die Partnerschaft „unwiderruflich“ zu machen. Am Montag verkündete Nissan jedoch, sich nach monatelangen internen Untersuchungen von Ghosn trennen zu wollen – der 64-Jährige habe Investoren bezüglich seines Gehalts in die Irre geführt und Firmengeld für private Zwecke genutzt. Seines Postens bei Nissan soll er am Donnerstag enthoben werden.

          Schon am Dienstagabend hat der französische Autokonzern Renault seine Spitze vorläufig neu strukturiert. Die operativen Geschäfte werden künftig von Thierry Bolloré gesteuert, wie das französische Unternehmen mitteilte. Bolloré war bisher als Vize-Generaldirektor nach Ghosn die Nummer zwei im Konzern. Ghosn bleibt als Vorsitzender vorerst im Unternehmen, Bolloré wird künftig dieselben Befugnisse wie er haben.

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          Ghosn gilt als Architekt der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi, die den weltgrößten Autoherstellern Volkswagen und Toyota den Rang ablaufen will. Auch war er einer der treibenden Kräfte hinter den Fusionsplänen, die laut Insidern auf heftigen Widerstand im Nissan-Aufsichtsrat stießen. Renault hält 43 Prozent an Nissan, was dem Autokonzern ungewöhnlich viel Kontrolle gibt, unter anderem das Recht, obere Führungskräfte zu ernennen. Nissans 15-Prozent-Beteiligung an Renault ermöglicht dem japanischen Konzern keinerlei Wahlrecht oder Kontrolle über seinen französischen Partner.

          „Der Nissan-Aufsichtsrat hat immer gesagt, dass er hart gegen eine Umstrukturierung kämpfen werde, die den zweitrangigen Status zementieren würde“, zitiert die FT einen Insider. Nissan sehe Renault auch als den schwächeren der beiden Partner an und wolle dem Autokonzern keinen Zugang zu seinen Mitteln ermöglichen, die sich zum Halbjahr 2018 auf fast 11 Milliarden Dollar beliefen, fügte die Quelle hinzu.

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          Nach der Festnahme von Ghosn gibt es nun Befürchtungen, das Bündnis aus Nissan, Renault und Mitsubishi könnte zerbrechen, wenn der Manager nicht mehr die Fäden in der Hand hält. Japan bekräftigte jedoch das Bekenntnis zu der Allianz. Ein Regierungssprecher sagte, es sei wichtig, weiter für ein stabiles Bündnis zu sorgen. Zuvor hatte sich bereits der französische Finanzminister Bruno Le Maire für einen Erhalt der Kooperation starkgemacht. Die französische Regierung pocht als 15-prozentiger Renault-Eigner auf eine schnelle Ablösung von Ghosn. Mitsubishi meldete jedoch schon Zweifel an der Allianz an.

          Einem Bericht zufolge behält ein japanisches Gericht Ghosn zehn Tage in Haft. Auch Nissan-Direktor Greg Kelly müsse für diese Zeit ins Gefängnis, berichtete die Nachrichtenagentur „Kyodo“ am Mittwoch.

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