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Autokrise : Opel will nicht mit GM untergehen

Nicht nur Opel ist in Not Bild: dpa

Die Opel-Manager arbeiten derzeit daran, das Unternehmen aus dem maroden Mutterkonzern in Detroit herauszulösen. General Motors fehlen Milliarden Dollar. Das amerikanische Desaster bringt Opel in Bedrängnis - und am Ende die gesamte Autobranche.

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          Die Stunde der Krise bietet oft die Chance zur Profilierung. Politiker geben die Krisenmanager: In Berlin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Montag das Opel-Management um Carl-Peter Forster und Hans Demant vorgeladen, mit dabei auch der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz; letzterer muss anschließend zum Autokrisen-Gipfel bei Frank-Walter Steinmeier (SPD), der führende Betriebsräte von Daimler, Ford & Co. bestellt hat. Als erster Politiker war Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) schon am vergangenen Freitag in die Rolle des „Opel-Retters“ geschlüpft, als die Milliardenbürgschaft für die Tochtergesellschaft des existenzgefährdeten General-Motors-Konzerns bekannt wurde. Opel beschäftigt mehr als 25.000 Menschen, die meisten davon in Hessen. Und dort ist Wahlkampf.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          In Rüsselsheim hat längst der Überlebenskampf begonnen. Es geht nicht nur um Opel, sondern auch um die Zulieferer und Händler. Deshalb will sich Koch noch vor der Auflösung des Wiesbadener Landtags am Mittwoch eine Garantieermächtigung über rund 500 Millionen Euro holen. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers verspricht: „Wir lassen Opel nicht untergehen.“

          Aus Detroit fehlen zwei Milliarden Euro

          Im Mittelpunkt stehen Hilfen für Rüsselsheim. Denn am Opel-Stammsitz ist der Finanzbedarf größer als gedacht, weil sich die Lage beim Mutterkonzern in Detroit dramatisch verschärft hat. Angeblich fehlen Opel zwei Milliarden Euro, die aus Detroit nicht geflossen sind. Hinzukommen könnte ein weiterer Liquiditätsbedarf von einer Milliarde Euro im kommenden Jahr. Doch akute Liquiditätsschwierigkeiten dementiert Opel-Chef Demant: „Wir sind zahlungsfähig, und wir bleiben zahlungsfähig.“

          Klar ist, dass General Motors seiner deutschen Gesellschaft mehrere Milliarden für Entwicklungsleistungen schuldet und dass diese Gelder in mehreren Tranchen fließen sollen, die Opel bis 2012 in 20 neue Modelle investieren will. Die Staatsbürgschaft sei eine reine Vorsorge, sagt Demant. Und Opel-Betriebsrat Franz findet gegenüber dieser Zeitung einen bildlichen Vergleich: „Wir müssen Dämme bauen gegen den Tsunami, der hoffentlich nie kommt.“

          GM-Chef Wagoner schuld an der Misere

          Die drohende Katastrophe hat ihren Ursprung jenseits des Atlantiks. Und auch dort ist der politische Handlungsdruck enorm, weil eine Pleite von GM auf einen Schlag rund 600.000 Arbeitsplätze in der amerikanischen Autoindustrie gefährden würde. Am Dienstag will das Repräsentantenhaus in Washington über Hilfen für den GM-Konzern mit seinen 266.000 Mitarbeitern beraten. Demokratische Kongressabgeordnete wollen mit der Rückendeckung des kommenden Präsidenten Barack Obama zügig rund 25 Milliarden Dollar aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für die Finanzbranche an die Autokonzerne schicken.

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