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Autokrise : Obama: Chrysler geht Allianz mit Fiat ein

  • Aktualisiert am

Chrysler hofft auf Fiat Bild: AFP

Der taumelnde Autobauer Chrysler hat Insolvenz angemeldet. Der Konzern beantragt in New York Gläubigerschutz und kündigte an, eine Allianz mit dem italienischen Autohersteller Fiat einzugehen. Das gab Präsident Barack Obama in Washington bekannt.

          Der marode Autobauer Chrysler muss zur Sanierung in die Insolvenz und schmiedet eine Allianz mit dem italienischen Fiat-Konzern. Fiat soll zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und später auf 35 Prozent aufstocken. Die Italiener sollen die von Chrysler dringend benötigte Spritspar-Technologie und Kleinwagen-Modelle einbringen. Geld wollen sie zunächst nicht auf den Tisch legen. Chrysler stellt während seines beantragten Insolvenzverfahrens weitgehend die Produktion ein. Bereits ab Montag sollen in den meisten Werken die Bänder stillstehen, kündigte das Unternehmen am Donnerstag in einer Mitteilung an. Die Fertigung solle erst dann wieder normal anlaufen, wenn die Insolvenz zur Rettung abgeschlossen sei. Durch ein beschleunigtes Verfahren will Chrysler die Insolvenz bereits nach 30 bis 60 Tagen wieder verlassen.

          Ziel sei, dass der drittgrößte amerikanische Autohersteller schnell gestärkt aus dem Verfahren hervorgeht, betonte Präsident Barack Obama am Donnerstag. Er sagte aber auch: Einen „Strom von Subventionen“, einen „endlosen Strom von Steuer-Dollars“ solle es nicht geben: „Ich will keine Autofirmen betreiben, ich will keine Banken betreiben“, erklärte der Präsident.

          Beispiellose Zäsur - Obama beruhigt die Öffentlichkeit

          Eine Insolvenz des Kleinsten unter den „Großen Drei“ der amerikanischen Autobranche ist eine beispiellose Zäsur. Obama bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Der Schritt sei „kein Zeichen von Schwäche“. Chrysler werde aus dem Verfahren gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Die Garantie auf Chrysler-Fahrzeuge sei von der Regierung abgesichert, betonte der Präsident. Der Autofinanzierer GMAC werde Kredite für Chrysler-Käufer geben. Man plane weitere Maßnahmen wie eine Art Abwrackprämie und ein Programm zum Einkauf von amerikanischen Fahrzeugen für Behördenflotten.

          „Ich will keine Autofirmen betreiben, ich will keine Banken betreiben”

          Die Chrysler-Insolvenz war bereits seit Tagen erwartet worden. Bei einem Verfahren nach Kapitel elf, bei dem das Unternehmen sich unter dem sogenannten Gläubigerschutz sanieren kann, müssen die Geldgeber vorerst ihre Forderungen auf Eis legen. Gläubiger oder auch Händler könnten dem Weißen Haus allerdings noch einen Strich durch die Rechnung ziehen und ein schnelles Insolvenzverfahren mit ihren Ansprüchen blockieren.

          Rund 6,9 Milliarden Dollar Schulden

          Das 1925 gegründete Unternehmen, das Autos der Marken Chrysler, Dodge und Jeep herstellt, hatte bereits die vergangenen Monate nur dank Milliardenkrediten aus Washington überlebt und wollte weitere Hilfen haben. Das Weiße Haus stellte jedoch als Bedingung für weitere sechs Milliarden Dollar ein Ultimatum: Bis Ende April musste ein Partner gefunden werden und die Gläubiger zu einem Teilverzicht auf ihre Forderungen bewegt.

          Chrysler schuldet Gläubigern rund 6,9 Milliarden Dollar. Die Regierung wollte die Verbindlichkeiten laut amerikanischen Medienberichten zuletzt auf maximal 2,25 Milliarden Dollar drücken. Obama griff scharf „eine kleine Gruppe von Investoren“ an, die eine Lösung ohne Insolvenzverfahren verhindert hätten. Sie hatten einen weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche abgelehnt.

          Daimler verzichtet auf Rückzahlungen von Darlehen

          Neben der Gefahr, dass beteiligte Parteien das Insolvenzverfahren in die Länge ziehen, hatte sich die amerikanische Autobranche auch aus einem anderen Grund stets dagegen gesträubt. Die Konzerne befürchten, dass die Menschen bei insolventen Autoherstellern angesichts der unsicheren Zukunft keine Autos kaufen. Eine Insolvenz bedeute gleich das Ende, hatte zum Beispiel der frühere Chef des großen Chrysler-Konkurrenten General Motors, Rick Wagoner, mehrfach gewarnt. Mit solchen Alarmtönen hatten GM und Chrysler seit vergangenem Herbst bereits Milliardenhilfen aus Washington herausgepresst.

          Die frühere Chrysler-Mutter Daimler betonte, sie habe mit der endgültigen Trennung von dem amerikanischen Unternehmen einen Beitrag zu seiner Restrukturierung geleistet. Teil der mit Mehrheitseigner Cerberus getroffenen Vereinbarung ist, dass die Stuttgarter auf die Rückzahlung der Chrysler gewährten Darlehen, die im Jahresabschluss 2008 bereits vollständig abgeschrieben wurden, verzichten. Außerdem werden die Schwaben bis 2011 in drei jährlichen Tranchen 600 Millionen Dollar Pensionszahlungen zur Absicherung der Mitarbeiter des früheren gemeinsamen Unternehmens leisten. Hinzu könnten Garantien von rund 200 Millionen Dollar kommen. Diese werden fällig, wenn Chrysler die Pensionspläne beendet. Daimler hatte am Montag nach einem monatelangem Streit bekanntgeben, auch seinen Chrysler- Restanteil von 19,9 Prozent an Cerberus abzugeben (siehe Daimler trennt sich endgültig von Chrysler).

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