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Autokrise : Jetzt droht die erste Pleite

Die Autoindustrie steckt tief in der Krise Bild: dpa

Die Finanzkrise hat womöglich das erste Opfer in der Autozulieferindustrie gefordert. Die Gimotive-Gruppe in Niedersachsen steht nach eigenen Angaben vor der Insolvenz. Die Gespräche mit den Banken seien gescheitert. Nun sind 2200 Arbeitsplätze bedroht.

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          Die Finanzkrise hat womöglich das erste Opfer in der Autozulieferindustrie gefordert. Die Gimotive-Gruppe mit Sitz in Adelheidsdorf bei Celle steht nach eigenen Angaben vor der Insolvenz, nachdem Gespräche mit den finanzierenden Banken gescheitert sind. „Unsere Geschäftsführung verhandelt nun mit mehreren Kunden über Stützungsmöglichkeiten“, sagte eine Unternehmenssprecherin dieser Zeitung. „Sonst müssen wir Insolvenz beim Landgericht Lüneburg anmelden.“ Betroffen wären 2200 Arbeitsplätze, 1300 davon in Deutschland.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die Gimotive-Gruppe, zu der die Stankiewicz GmbH gehört, entwickelt und produziert seit 1953 Schallisolationen und Akustiksysteme für die Autoindustrie. Ihre größten Kunden sind BMW, Daimler und General Motors. Die Gimotive-Geschäftsführer Gerhard Ruf und Ulrich Zimmermann hatten in der vorigen Woche ihre Kunden angeschrieben und sie auf die angespannte Lage aufmerksam gemacht.

          Die Kredite sind am 15. November fällig

          In einem Schreiben an Daimler, das der F.A.Z. vorliegt, schildern die Geschäftsführer ihren erfolglosen Versuch, „die finanzierenden Banken – Helaba, IKB, Saar LB, Nord LB und LBBW – dazu zu bewegen, das Unternehmen mit neuem Kapital auszustatten, um die operative Restrukturierung voranzutreiben und die Entwicklungsaufträge für Neuaufträge aufwenden zu können“. Die Banken hätten jedoch „jegliche weitere Unterstützung verweigert“ und die Kredite zum 15. November fällig gestellt. Nähere Informationen von Bankenseite waren nicht zu erhalten. „Zu möglichen individuellen Kundenbeziehungen geben wir keinen Kommentar“, sagte etwa ein Sprecher der IKB.

          Seit einiger Zeit waren Insolvenzen in der Autozulieferindustrie befürchtet worden. Immer wieder hatten Hersteller davor gewarnt, die Lieferantenkette könnte reißen, nachdem Zulieferer ihre Kunden um finanzielle Unterstützung gebeten hatten. Erst kürzlich warnte der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche vor den Folgen einer Kreditklemme: „Die EZB hat zwar die Leitzinsen gesenkt, aber die Geschäftsbanken leiten den Liquiditätsfluss nicht weiter.“

          Im Fall der niedersächsischen Gimotive GmbH scheint genau dies nun der Fall zu sein. Für Matthias Wissmann, den Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie (VDA), steht die Gimotive-Gruppe exemplarisch für das Verhältnis der Autozulieferer und dem Kreditgewerbe. „Jetzt muss sich zeigen, ob die Banken bereit sind, gemeinsam mit den Unternehmen der produzierenden Wirtschaft an der Überwindung der Krise zu arbeiten“, sagte Wissmann der F.A.Z. Denn der von der Bundesregierung aufgespannte Rettungsschirm diene nicht nur zur Unterstützung der Banken, sondern vor allem dazu, die gesamte Wirtschaft zu unterstützen.

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