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Autokrise in Amerika : Ford fährt ohne Staatshilfe

Auf sich gestellt: Autobauer Ford Bild:

Wirtschaftsminister zu Guttenberg will sich in Amerika ein Bild über die Lage der Autoindustrie machen. Er sollte sich neben GM auch Ford ansehen: Bisher kommt dieser Autokonzern ohne Staatshilfe aus.

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          Karl-Theodor zu Guttenberg ist mit seinen 37 Jahren zwar der jüngste Wirtschaftsminister aller Zeiten, doch ein politisches Greenhorn ist er deshalb nicht. Wäre er das, würde er auf seiner ersten Auslandsreise als Minister in Amerika Anfang nächster Woche nicht nur mit Investmentbankern in New York und Regierungsmitgliedern und Weltbankpräsidenten in Washington sprechen, sondern auch einen Abstecher in krisengeschüttelte Detroit unternehmen. Dort ist der Stammsitz von General Motors, mithin der Brandherd, dessen Flammen bis nach Deutschland schlagen, nach Bochum, Rüsselsheim und Eisenach und nicht nur dort Zehntausende Arbeitsplätze bedrohen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Eine Woche nach seiner Vereidigung, als er noch damit befasst war, das Ministerium kennenzulernen, konnte Guttenberg beobachten, was geschieht, wenn ein deutscher Spitzenpolitiker versucht, in Detroit deutsche Arbeitsplätze zu sichern: nichts. Der Regierungschef von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers (CDU), bekam von GM-Chef Rick Wagoner eine Tasse Kaffee, viel mehr nicht.

          Die Krise ist Guttenbergs Karrierechance

          Opel hat das Zeug, das wichtigste Thema in der kurzen verbliebenen Regierungszeit dieser Legislaturperiode des Freiherrn zu Guttenberg zu werden. Die Krise ist Guttenbergs Karrierechance. Und seine Lernkurve ist steil. Deshalb geht er nicht nach Detroit. Guttenberg bestellt die GM-Bosse nach Washington.

          Sex sells? In Amerika glauben Kunden nicht mehr an alte Versprechen

          Dort trifft er am Montagabend, am Rande seiner zweieinhalbtägigen Reise, GM-Chef Wagoner und dessen Finanzchef Fritz Hendersson. Das ist auch praktisch, weil Guttenberg nicht schon am Freitag nach Brüssel zum Opel-Krisentreffen reisen musste. Von dem Termin, den EU-Industriekommissar Günter Verheugen mit der GM-Spitzen angesetzt hatte, hatte der CSU-Shootingstar von Anfang wenig gehalten. Zu groß ist seine Sorge vor Vorfestlegungen, ehe GM und Opel ein Konzept haben. Nach Brüssel schickte er seinen Staatssekretär.

          Guttenberg hatte schon zweimal Gelegenheit, sich darüber wundern, wie oberflächlich das wohl mit heißer Nadel gestrickte Rettungskonzept ausgefallen ist. Wenige Antworten, viele Fragen: Wie kann Opel von GM abgekoppelt werden? Wie wird sichergestellt, dass staatliche Gelder nicht in Amerika versickern? Gibt es private Investoren? Hat Opel eine Bank, die das Konzept finanziell unterstützt? Wem gehören die Opel-Patente? Wie wären die Auswirkungen einer Hilfsaktion auf die Konkurrenz? Wäre Opel, auch im europäischen Verbund, eigentlich wirtschaftlich überlebensfähig? Oder würden staatliche Bürgschaften, Kredite das Sterben einer lange vernachlässigten Marke nur verlängern? Schon wächst in der Union der Druck, die Kriterien für Staatshilfen so zu verschärfen, dass Opel kaum eine Chance hätte, welche zu bekommen.

          Aus der Ruhe bringen lässt der Franke sich bislang nicht. Auch nicht durch das Crescendo aus Hilferufen der Belegschaften und Rettungsversprechen der politischen Konkurrenz: „Wir werden uns nicht allein mit Drohszenarien und ohne Antworten unter Druck setzen lassen.“

          Mit Klarheit und Ernsthaftigkeit

          Mit ähnlicher Klarheit und Ernsthaftigkeit wird Guttenberg das wohl auch dem amerikanischen Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag sagen, der in den nächsten Wochen über weitere staatliche Milliardenhilfen für den Opel-Mutterkonzern GM entscheiden muss. Die Amerikaner wollen bis Ende März über frisches Geld für GM befinden. Ohne Klarheit darüber, was in Amerika geschieht, will Berlin keinen Cent geben.

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