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Autokrise : Härterer Sanierungskurs soll General Motors retten

Autos verkaufen sich denkbar schlecht in diesen Zeiten - die drei großen Hersteller in Amerika versuchen alles, um staatliche Hilfen zu bekommen Bild: AFP

Mit Kostensenkungen und dem Verkauf von Konzernmarken will GM dem amerikanischen Kongress Milliardenhilfen abringen. Ford und Chrysler arbeiten ebenfalls an Sparplänen. Ford erwägt jetzt gar den Verkauf seiner Sparte Volvo.

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          Mit einem gut 80 Seiten starken Strategiepapier will das Direktorium von General Motors (GM) die amerikanische Politik dazu bringen, dem angeschlagenen Autokonzern Finanzhilfen in Milliardenhöhe zu gewähren. Im Kern geht es um neuerliche Kostensenkungen, den Verkauf von Konzernmarken und womöglich auch um die zeitliche Verschiebung eines Betrags von 7 Milliarden Dollar in einen Gesundheitsfonds für GM-Mitarbeiter. Ein GM-Sprecher wollte den Inhalt des Sparprogramms nicht bestätigen. Er sagte der F.A.Z. lediglich: „Es ist in der letzten Zeit mit Hochdruck an den Plänen für die Zukunft von GM gearbeitet worden.“

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Auch die Wettbewerber Ford und Chrysler bestätigten, entsprechende Pläne ausgearbeitet zu haben, wie sie die eingeforderte Staatshilfen über insgesamt 25 Milliarden Dollar verwenden wollen. Ford erwägt gar, den Verkauf seiner Sparte Volvo. Der Vorstandsvorsitzende Alan Mulally sagte am Montag, vor dem Hintergrund der „beispiellosen Herausforderungen“ für Ford sowie die gesamten Automobilindustrie werde Ford alle Optionen für Volvo prüfen.

          Sollte Ford Volvo verkaufen, wäre dies nicht die erste Desinvestition der jüngeren Vergangenheit. Zuletzt hatte Ford Jaguar sowie Land Rover veräußert und sich von einem Großteil der Beteiligung an dem japanischen Konkurrenten Mazda getrennt.

          Ultimatum bis zum Dienstag

          GM, Ford und Chrysler müssen dem Kongress an diesem Dienstag ihre Pläne präsentieren. Ein entsprechendes Ultimatum hatten die Parlamentarier den drei Konzernchefs nach dem vorläufigen Scheitern der Hilfspläne für die amerikanische Autoindustrie in der vorvergangenen Woche gestellt. Allein GM-Chef Rick Wagoner verlangt 12 Milliarden Dollar, um einen Konkurs des noch immer größten Autoherstellers der Welt zu vermeiden.

          Gerüchten zufolge versucht Wagoner sogar, die Anleihegläubiger von GM dazu zu bringen, ihre Wertpapiere in Aktien zu tauschen. Damit könnte ein Antrag auf Gläubigerschutz im letzten Moment verhindert werden, hieß es. Müsste GM dagegen Insolvenz anmelden, dürften auch die Tage von Wagoner an der GM-Spitze gezählt sein. GM soll darüber hinaus den Verkauf seiner amerikanischen Marken Saturn und Pontiac sowie seiner schwedischen Marke Saab prüfen. Zwar scheint es fraglich, dass der Konzern derzeit Käufer mit entsprechender Finanzierungskraft findet. Aber insbesondere eine Abspaltung oder Aufgabe von Saturn und Saab könnte unweigerlich Folgen für die deutsche Schwestermarke Opel haben: Alle Mittelklassemodelle, die GM weltweit verkauft, werden im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum geplant, und mehrere Modelle von Opel, Saturn und Saab teilen sich identische Plattformen.

          Ohnedies fürchtet Opel um zugesagtes Geld aus der Konzernzentrale und hat deshalb bekanntlich die Bundesregierung um eine Milliardenbürgschaft gebeten. Den neuerlichen Sparkurs von GM lehnt der Opel-Betriebsrat ab. Am Montag weigerte sich die Belegschaft des Bochumer Opel-Werkes in einer Belegschaftsversammlung, einer Nullrunde zur Senkung der Arbeitskosten zuzustimmen. Der Präsident von GM Europe, Carl-Peter Forster, hatte in der vergangenen Woche eine Minderung der Arbeitskosten um zehn Prozent verlangt. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz fordert stattdessen, dass zunächst ein zukunftsfähiger Geschäftsplan vorgelegt werden müsse, bevor über weitere Kosteneinsparungen verhandelt werden könne.

          Unterdessen haben GM und Ford für ihre defizitären schwedischen Tochtergesellschaften Saab und Volvo die schwedische Regierung um Staatshilfe gebeten. In den vergangenen Tagen waren Volvo-Chef Stephen Odell und Saab-Geschäftsführer Jan-Ake Jonsson getrennt voneinander bei schwedischen Politikern vorstellig geworden.

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