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Autokrise : GM will vier Marken loswerden

GM-Chef Fritz Henderson beim Verkünden der neuen Pläne in Detroit Bild: AFP

Der amerikanische Autohersteller hat einen neuen Sanierungsplan vorgelegt: Der Konzern bittet um eine Teilverstaatlichung und will sich von vier Marken trennen. Hummer, Saturn und Saab sollen verkauft werden, für die Traditionsmarke Pontiac ist Schluss.

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          Der amerikanische Autokonzern General Motors Corp. (GM) greift im Kampf gegen ein Insolvenzverfahren zu weiteren drastischen Mitteln: Eine geplante Umwandlung von Schulden in Eigenkapital könnte dazu führen, dass die amerikanische Regierung eine 50-Prozent-Beteiligung an GM bekommt. Zudem kündigte das Unternehmen noch tiefere Einschnitte als bisher an, darunter den Abbau von bis zu 8000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Nach dem Sanierungsplan wird GM zudem die traditionsreiche Marke Pontiac spätestens 2010 einstellen. Die Marken Hummer, Saturn und Saab sollen bis Ende dieses Jahres entweder verkauft oder ebenfalls eingestellt werden. Das Ende von Pontiac dürfte auch das Aus für den Opel GT bedeuten, der auf Basis eines Pontiac-Roadsters in den USA produziert wird. GM konzentriert sich in Nordamerika künftig auf vier statt acht Marken: Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC. Trotz der Vorschläge bleibt es fraglich, ob ein Insolvenzverfahren vermeidbar ist.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          General Motors hat nicht viel Zeit: Der amerikanische Präsident Barack Obama hat dem Unternehmen eine Frist bis zum 1. Juni gesetzt, um einen aggressiveren Sanierungsplan zu entwickeln. Falls dies nicht gelingt, droht die Insolenz. Mit dem am Montag vorgelegten Plan hofft Vorstandsvorsitzender Fritz Henderson, ein Insolvenzverfahren noch abzuwenden. Ein wichtiger Teil des Plans ist es, die Anleihegläubiger zur Umwandlung von Schulden in Aktien von GM zu bewegen. Der Autokonzern steht bei diesen Gläubigern mit 27 Milliarden Dollar in der Schuld.

          Er bietet ihnen nun 225 eigene Stammaktien je 1000 Dollar Schulden an. Der Aktienkurs von General Motors notierte am Montag um 2,05 Dollar. Nach dem Umtausch würden die Gläubiger eine Beteiligung von 10 Prozent an General Motors halten. Diese Schuldenumwandlung ist für den Konzern überlebenswichtig: Sollten nicht genügend Gläubiger das Angebot annehmen, erwartet das Unternehmen selbst, einen Insolvenzantrag stellen zu müssen.

          GM-Chef Fritz Henderson beim Verkünden der neuen Pläne in Detroit

          General Motors hofft auf weitere Finanzspritzen

          Zudem würden auch die Regierung und die Gewerkschaften zu Großaktionären. Von der Regierung hat GM Notkredite von 15,4 Milliarden Dollar Dollar bekommen, bei der Gewerkschaft UAW hat der Konzern Verpflichtungen für Sozialleistungen in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar. Nach Angaben vom Montag würde General Motors die Hälfte seiner Schulden beim Staat in Aktien umwandeln, die Regierung würde danach eine Beteiligung von mindestens 50 Prozent halten, die Gewerkschaft die Hälfte ihrer Ansprüche gegen einen Anteil von 39 Prozent eintauschen. All diese Angebote würden dazu führen, dass die bisherigen Stammaktionäre nur noch einen Anteil von einem Prozent hätten.

          General Motors teilte außerdem am Montag mit, mehr Staatshilfe zu benötigen. Das Unternehmen hofft auf weitere Finanzspritzen von 11,6 Milliarden Dollar. Damit würde sich die Gesamtsumme auf 27 Milliarden Dollar erhöhen. Bisher hatte General Motors 22,5 Milliarden Dollar gefordert, dabei aber schon gesagt, dass im schlimmsten Fall bis zu 30 Milliarden Dollar nötig sein könnten.

          Mit seinem neuen Plan will das Unternehmen die Zahl seiner Mitarbeiter in der amerikanischen Produktion von derzeit 61.000 auf 38.000 im Jahr 2011 reduzieren. Im letzten Sanierungsplan im Februar war noch von einer Reduzierung auf 46.000 Mitarbeiter die Rede.

          Henderson nennt keine Namen von Opel-Interessenten

          Mit Blick auf die deutsche Tochtergesellschaft Opel hielt sich Vorstandsvorsitzender Fritz Henderson in einer Pressekonferenz bedeckt. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der italienische Autohersteller Fiat und der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna Interesse an einem Einstieg bei Opel geäußert haben. Henderson sagte, es gebe mehrere Interessenten, aber er wolle keine Namen nennen. Er erwarte, dass sich die Gespräche in den Mai hineinziehen.

          Der Betriebsratschef des Opel-Werks in Bochum, Rainer Einenkel, forderte unterdessen, Fiat müsse ein „ernsthaftes Konzept“ vorlegen, aus dem hervorgehe, wie die Opel-Werke im Verbund mit dem italienischen Autobauer erhalten werden könnten. Ein solches Konzept könne dann bewertet und durchgerechnet werden. Fiat müsse klar machen, wie mit den bestehenden Überschneidungen im Produktportfolio beider Hersteller umgegangen werden solle, sagte Einenkel der Nachrichtenagentur AP.

          Opelbetriebsratschef plädiert für Magna

          Einenkel warb nochmals für eine Beteiligung des kanadischen Autozulieferers Magna an Opel. Beide Unternehmen seien in ihren Produkten keine Konkurrenten und würden bereits an einem österreichischen Standort zusammenarbeiten: „Wir haben dort sehr gute Erfahrungen gemacht.“

          Magna habe als Zulieferer zudem einen ausgezeichneten Ruf: „Es gibt viele Gemeinsamkeiten, auf die man aufbauen kann.“ Auch Magna müsse allerdings erst einmal ein Konzept vorlegen. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach mit dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer über einen möglichen Einstieg bei Opel. Es habe eine Reihe von Telefonaten gegeben, sagte Steinmeiers Sprecher Jens Plötner in Berlin. Der Außenminister habe einen „durchaus positiven Eindruck von diesem Unternehmen“ und dessen Engagement gewonnen. Über den Inhalt der Gespräche sei Stillschweigen vereinbart worden.

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