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Autokrise : Die schwierige Investorensuche der Schaefflers

Maria-Elisabeth Schaeffler Bild: AP

Die Eigentümer der hochverschuldeten Schaeffler Gruppe sind bereit, sich zur Finanzierung des Conti-Kaufs von Vermögensteilen zu trennen. Die Suche nach Geldgebern wird außerdem erweitert, keine „sinnvolle Option“ wird mehr ausgeschlossen. Denn das Finden von Investoren gestaltet sich äußerst schwierig.

          Die Eigentümer der hochverschuldeten Schaeffler Gruppe sind bereit, sich zur Finanzierung des erworbenen Automobilzulieferers Continental AG von Teilen des Vermögens zu trennen. Investoren finden Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, beide persönlich haftende Gesellschafter der Schaeffler KG, allerdings derzeit nicht. Die Suche nach Geldgebern scheinen beide daher zu erweitern. „Sie schließen keine sinnvolle Option aus“, ergänzte ein Unternehmenssprecher eine am Sonntag veröffentlichte Stellungnahme der Familie auf Nachfrage.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Bisher vermittelte das Unternehmen aus Herzogenaurach den Eindruck, einen Investor für die von Schaeffler und Conti zusammengeführte Automotive-Sparte zu gewinnen. Nun geht es offenbar um mehr. Denn in der Mitteilung von Sonntag wehren sich die Eigentümer energisch gegen ein mögliches Ansinnen, die Gruppe aufzuteilen: „Wir werden alles daransetzen, eine sinnlose, von kurzfristigen Interessen getriebene Zerschlagung zu verhindern.“

          Mit der Erklärung reagieren die Inhaber auf die Debatte um Staatshilfen für das fränkische Unternehmen. Es hat für 10 Milliarden Euro den dreimal größeren Autozulieferer aus Hannover erworben. Schaeffler ist mit 10 Milliarden Euro bei den Banken verschuldet, verfügt nach dem letzten Kenntnisstand im Sommer 2008 aber nur über 4,4 Milliarden Euro Eigenkapital. Zwischen 4 und 5 Milliarden Euro würden an neuen Mitteln benötigt, wird spekuliert.

          „Halten nicht einfach nur die Hand auf“

          „Selbstverständlich halten wir nicht einfach nur die Hand auf“, betonen die Gesellschafter, die auch mit ihrem privaten Vermögen haften. „Die Familie Schaeffler ist bereit, sich von einem Teil dieses Vermögens zu trennen und mit dem Erlös die Verschuldung der Schaeffler Gruppe zurückzuführen.“ Aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes und der belastenden öffentlichen Diskussion sei es bislang trotz einer aktiven Suche nicht gelungen, Investoren zu finden.

          Die Begriffe „Investoren“ und „Vermögen“ sind noch nicht konkretisiert. Doch scheint nun denkbar, dass auch Investoren eine Beteiligung an der gesamten Gruppe eingeräumt werden könnte. Genauso könnten mehr Unternehmensteile veräußert und der Erlös für den Abbau der Schulden verwendet werden, wie es bislang nur mit dem angekündigten Verkauf der Conti-Gummi-Sparte (Reifen, Conti Tech) beabsichtigt ist.

          „Wir werden uns im Rahmen der Konzepte äußern, die wir in den nächsten Wochen der Bundesregierung vorlegen werden“, ergänzte der Sprecher am Sonntag. Derzeit erarbeitet die Gruppe einen Rettungsplan und bezieht ihre sechs Gläubigerbanken ein.

          „Massive Schwierigkeiten“

          Noch Mitte vergangener Woche betonte ein anderer Unternehmensvertreter, dass es bei der Investorensuche um den Verkauf von rund 40 Prozent der Continental-Aktien gehe, die Schaeffler im Zuge des Abfindungsangebots über die vertraglich vereinbarten 49,9 Prozent hinaus angedient wurden. Das würde angesichts des Kursverfalls der Conti-Aktie aktuell nur noch knapp 1 Milliarde Euro einbringen. Ebenso wird mit der neuen Formulierung eine vor zwei Wochen getroffene Aussage aufgeweicht, einen Investor für die Automotive-Sparte zu suchen, nicht aber für die Schaeffler Gruppe.

          Die Familie sprach von „massiven Schwierigkeiten“, die die globale Wirtschaftskrise und die nicht funktionierenden Finanz- und Kreditmärkte bereiteten. Eine Investorensuche könne spätestens nach der Erholung der wirtschaftlichen Lage erfolgreich gelingen. „Es geht bei unseren Gesprächen mit der Politik um eine zeitlich begrenzte Überbrückung in einer besonderen Ausnahmesituation für ein Unternehmen, das im Kern gesund ist.“ In diesem Rahmen solle es nicht zu einer Belastung des Steuerzahlers kommen.

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