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Autokrise : Daimler schließt Kündigungen nicht mehr aus

  • Aktualisiert am

Auch an Daimler geht die Autokrise nicht vorbei Bild: AP

Die Wirtschaftskrise trifft den Stuttgarter Autobauer Daimler massiv - und der reagiert nun mit milliardenschweren Einsparungen. Wenn die Dynamik nach unten anhalte, seien Entlassungen nicht mehr ausgeschlossen, sagte Personalvorstand Fleig. In den aktuellen Verhandlungen mit dem Betriebsrat sei dies jedoch noch kein Thema.

          Der Stuttgarter Autobauer Daimler plant wegen der anhaltenden Absatzkrise weitere Einschnitte beim Personal in Deutschland und erwägt langfristig auch Kündigungen. „Wenn die Krisendynamik anhält, ist so eine Maßnahme nicht mehr ausgeschlossen“, sagte Personalvorstand Günther Fleig am Mittwoch in Stuttgart. In den aktuellen Verhandlungen mit dem Betriebsrat sei dies aber noch kein Thema. Insgesamt beschäftigt Daimler in Deutschland rund 141.000 Mitarbeiter. Davon wurde für 68.000 bereits Kurzarbeit verhängt, weil wegen der sinkenden Nachfrage nach Pkw und Lkw auch weniger Fahrzeuge produziert werden.

          Nun will der Konzern aber auch jene Beschäftigten nicht mehr verschonen, die in Bereichen wie Verwaltung, Forschung und Entwicklung oder IT arbeiten, weil sonst die Kosten aus dem Ruder liefen. „Es ist klar, dass wir in dieser Situation einen substantiellen Beitrag aller Beteiligten brauchen“, sagte Fleig. Ein Ende der Krise sei nicht in Sicht. Für die Betroffenen soll nun die Wochenarbeitszeit um bis zu fünf Stunden gesenkt werden - mit entsprechenden Gehaltseinbußen.

          Zwei Milliarden Euro Einsparungen

          Außerdem solle es Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld geben. Die für Mai geplante Tariferhöhung von 2,1 Prozent müsse auf Dezember verschoben werden, ergänzte Fleig. Die für 2008 zugesagte Mitarbeiterbeteiligung wolle der Konzern nicht wie geplant im April auszahlen, sondern einbehalten, um die Liquidität zu sichern. Dies mache alleine 280 Millionen Euro aus. Denkbar sei, stattdessen ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm zu entwickeln.

          Zu letzterem Punkt signalisierte Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm Zustimmung. Ansonsten gelte, dass es gerecht zugehen müsse und auch die Führungskräfte ihren Beitrag zu leisten hätten. Er gehe offen in die Gespräche mit der Konzernführung. Oberstes Ziel bleibe aber trotz aller Sparbemühungen Beschäftigungssicherung.

          Am Morgen hatte der Konzern die Angestellten in außerordentlichen Betriebsversammlungen über die Pläne informiert. „Natürlich sind die Menschen beunruhigt, was auf sie zukommt“, fasste Klemm die Stimmung zusammen. Insgesamt will Daimler nach den Worten von Fleig seine Arbeitskosten dieses Jahr bei maximal zehn Milliarden Euro halten, damit müssten etwa zwei Milliarden eingespart werden - Kurzarbeit bereits eingerechnet.

          Pkw-Absatz seit Monaten auf Talfahrt

          Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte in der vergangenen Woche in Berlin auf einem IG- Metall-Kongress von einer „Jahrhundertkrise“ gesprochen, die nur gemeinsam gemeistert werden könne. In den deutschen Pkw-Werken sind derzeit mehr als 50.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Von Ostern an soll auch für den Nutzfahrzeugbereich nach und nach Kurzarbeit eingeführt werden, betroffen sind hier rund 18.000 Beschäftigte.

          Der Pkw-Absatz bei Daimler ist seit Monaten auf Talfahrt. Für das laufende Jahr hatte Zetsche bereits angekündigt, Absatz, Umsatz und Ergebnis würden rückläufig sein. Für das erste Quartal rechnet der Konzernlenker sogar mit roten Zahlen.

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