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Autokonzerne in der Krise : Absatzkrise zwingt zu Allianzen

  • -Aktualisiert am

Auch Renault, hier eine Fabrik in Moskau, kooperiert bereits mit anderen Herstellern wie Nissan Bild: AFP

Der Absatzeinbruch zwingt die Autobauer zu ungewöhnlichen Schritten: Opel könnte demnächst zum Teil den deutschen Bundesländern gehören. Und bei Mercedes und BMW planen die Manager weitreichende Zusammenarbeit. Sie sind kein Einzelfall: Eine neue Kooperationswelle rollt auf die Branche zu.

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          Alle großen Autohersteller müssen derzeit zwei Aufgaben bewältigen: den Wechsel der Antriebstechnik vom Verbrennungs- zum Elektromotor – und die Anpassung der Kapazitäten an die schnell sinkende Nachfrage. Von einem einzelnen Hersteller allein lässt sich dies nicht mehr stemmen. Deshalb rücken die Unternehmen, vor allem die kleineren, enger zusammen.

          „Autos werden technisch laufend komplexer“, sagt Eric Heymann, Autofachmann der Deutschen Bank. Das sei der wichtigste Grund für vermehrte Kooperationen. Darüber hinaus könnten die Hersteller nur durch Zusammenarbeit in allen Märkten der Welt und in allen Modellsegmenten vertreten sein. Wer in der Entwicklung neuer Technologien kooperiere, könne die Kosten dafür auf eine größere Stückzahl von Autos verteilen.

          Einen wachsenden Teil der Wertschöpfung übernehmen Zulieferer

          Das birgt aber auch Gefahren. Einen wachsenden Teil der Wertschöpfung übernehmen ohnehin schon die Zulieferer, während den Herstellern hauptsächlich Marketing und Vertrieb bleiben. „Die technologische Eigenständigkeit der Hersteller wird eigentlich nur noch in der Motorentechnik vollständig gewahrt“, sagt Heymann. Würde auch in diesem Bereich noch aus dem Zwang zur Kostensenkung kooperiert, dann drohe eine Verwässerung der Marke. Dennoch ist in der Branche eine Welle neuer Kooperationen zu beobachten. Renault und Nissan hatten es unter Konzernchef Carlos Ghosn vorgemacht, als die Krise der Branche noch gar nicht ausgebrochen war: Die beiden Konzerne sind nicht nur wechselseitig an einander beteiligt. Sie kooperieren auch eng mit einzelnen Modellen, nutzen teilweise die gleichen Grundgerüste für komplette Autos und haben ihren Einkauf gebündelt. Mittlerweile dient dieses Modell als Vorbild für Autohersteller in aller Welt.

          Selbst der exklusive Sportwagenhersteller Porsche arbeitet notgedrungen mit der um ein Vielfaches größeren Tochtergesellschaft Volkswagen (VW) in einzelnen Modellen und Antrieben zusammen. Eine der jüngsten internationalen Kooperationen in der Branche meldete vergangene Woche VW: Die Wolfsburger arbeiten mit dem japanischen Toshiba-Konzern für die Entwicklung von Elektroantrieben und der dazugehörigen Elektronik für die geplanten VW-Kleinwagen zusammen. Geplant ist auch die gemeinsame Entwicklung von Batteriesystemen für die Elektroautos.

          Auch die Amerikaner schauen nicht tatenlos zu

          Auch die Amerikaner schauen beim weltweiten Schmieden von Bündnissen nicht untätig zu: Der finanziell um das Überleben kämpfende Chrysler-Konzern baut für VW einen Mini-Van. Außerdem verkaufte der Chrysler-Mehrheitseigentümer Cerberus jüngst 35 Prozent der Anteile an Fiat. Die Italiener bezahlen für den Einstieg, indem sie den Amerikanern Zugang zu ihrem Fachwissen für den Bau von Kleinwagen eröffnen. „Während Chrysler weitgehend auf Plattformen, Module und Technologie von Fiat zugreifen kann und Eigenentwicklungen gerade im Segment kleiner Fahrzeuge spart, könte Fiat über die reine Beteiligung hinaus vom Chrysler-Vertriebsnetz profitieren“, galubt Frank Schwope, Analyst bei der Nord/LB. Dies gelte besonders für die bisher nicht in Amerika vertretenen Marken Fiat und Alfa Romeo.

          Überhaupt scheint Fiat-Chef Sergio Marchionne ein Meister der internationalen Kooperation: In der Produktion und im Vertrieb arbeitet er bereits mit Tata Motors zusammen und plant weitere gemeinsame Projekte mit dem indischen Konzern. Mit dem amerikanischen Hersteller Ford entwickelte und baut Fiat die Kleinwagen Ford Ka und Fiat 500; die Produktion des Ford Ka erfolgt durch Fiat in Polen. Und mit BMW sprechen die Italiener über eine Zusammenarbeit zwischen den Marken Mini und Alfa Romeo.

          Daimler und BMW, Toyota und Peugeot

          Auch Daimler und BMW wollen nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ihre Kooperation in der Entwicklung eines kombinierten Antriebs aus Verbrennungs- und Elektromotor künftig auch auf den Einkauf von Autoteilen wie etwa Klimaanlagen ausdehnen (siehe dazu auch: Mercedes und BMW sprechen über Kooperation). Verhandelt wird über die Zusammenarbeit bei Motoren und speziellen Autos.

          Darüber hinaus spricht BMW mit der Europa-Einheit des amerikanischen General-Motors-Konzern über den Verkauf von BMW-Motoren. Zudem lassen sich die Bayern den Motor für ihren Mini vom französischen Hersteller PSA Peugeot Citroen liefern. Die Franzosen wiederum bauen gemeinsam mit Japans Toyota-Konzern die Modelle Toyota Aygo, Peugeot 107 und Citroen C1. Sogar die Autozulieferer werden vermehrt einbezogen: So will Ford will gemeinsam mit dem branchenweit viertgrößten Zulieferer Magna einen Elektro-Kleinwagen entwickeln und ab 2011 anbieten. Dies wurde kürzlich auf der Automesse in Detroit angekündigt. Weitere Überraschungen dürfte es im März im Autosalon in Genf geben.

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