https://www.faz.net/-gqe-11ksx

Autoindustrie : Wunsch und Wirklichkeit in Detroit

GM-Mitarbeiter mit mutigem Optimismus: „Wir bleiben”, ist das Motto ihrer Plakate auf der Automesse in Detroit Bild: AFP

Die Autoindustrie will Aufbruchstimmung verbreiten, aber die Krise ist überall auf der Messe in Detroit zu spüren. Trotzdem gibt es Neuheiten, und gerade deutsche Wagen verkaufen sich gut. Elektroautos sind das beherrschende Thema.

          Die krisengeschüttelte amerikanische Autoindustrie versucht auf der Messe in Detroit mit aller Macht, Aufbruchstimmung zu verbreiten. Doch die rauhe Wirklichkeit lässt sich nicht verdrängen. Ein symbolträchtiges Beispiel: Zum Messestart am Sonntag spielen sich zwei sehr unterschiedliche Demonstrationen in Detroit ab.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auf dem Stand von General Motors haben sich Hunderte von Mitarbeitern und Pensionären zu einem inszenierten Spalierstehen eingefunden. Sie skandieren Sätze wie „We’re Number One“ und halten Schilder mit Aufschriften wie „Here to stay“ hoch. Als Chief Operating Officer Fritz Henderson durch das Spalier schreitet und die Menge begrüßt, wird er begeistert empfangen: „Fritz is the man! Let’s go, Fritz“, schreit Daryl Settles, ein Analyst des Konzerns. „Wir wollen zeigen, dass GM eine Zukunft hat“, erklärt Mitarbeiter Michael Macri den Auftrieb.

          Weitaus weniger freundliche Szenen

          Weitaus weniger freundliche Szenen sind dagegen nur wenige Stunden später vor dem Cobo-Messezentrum zu beobachten. Dutzende von Mitarbeitern der drei amerikanischen Autokonzerne sind gekommen und machen ihrem Ärger Luft: „No more concessions“ – „Keine weiteren Zugeständnisse“, lautet ihr wütender Schlachtruf. Gus Tell, ein pensionierter Lagerarbeiter von General Motors und Vertreter der Gewerkschaft UAW, hat wenig Gutes über die Führung der amerikanischen Autokonzerne zu sagen: „Das Verhältnis zwischen dem Management und den Mitarbeitern ist schlecht. Wir haben doch hier nichts zu melden.“

          Show in Detroit: Vorstellung des neuen Mini Coopers

          Dieser Kontrast ist symptomatisch für die ganze Veranstaltung: Die Autoindustrie bemüht sich in Detroit verzweifelt, in gutem Licht zu erscheinen. Angesichts der desolaten Lage des Marktes im Allgemeinen und der amerikanischen Autoindustrie im Speziellen ist das aber nur begrenzt möglich. Wie soll es auch anders sein zu einer Zeit, in der die beiden traditionsreichen amerikanischen Autokonzerne General Motors und Chrysler nur deswegen nicht insolvent sind, weil sie gerade eine milliardenschwere Finanzspritze vom Staat bekommen haben?

          Hersteller wie Nissan sind ganz weggeblieben

          Die Messe in Detroit ist keine glanzvolle Angelegenheit. Einige Hersteller wie Nissan sind diesmal weggeblieben und hinterlassen brache Flächen in der Halle. Andere beschränken sich an ihren Ständen und während der Pressekonferenzen auf die schlichtestmögliche Präsentation. So sind bei Chrysler all die aufwendigen Requisiten wie riesige Felsenlandschaften völlig verschwunden, die man aus der Vergangenheit kannte. Der Stand besteht aus kaum mehr als einem großen Teppichboden, auf dem Autos geparkt sind.

          Und doch wäre es falsch, von einer Branche im Lähmungszustand zu sprechen: Die Autohersteller haben ihre Innovationsfähigkeit nicht verloren, das zeigen sie in Detroit. Einen besonders starken Auftritt legen die deutschen Hersteller hin, aber selbst die vielgescholtenen amerikanischen Wettbewerber lassen mit einzelnen Neuheiten aufhorchen.

          Daimler nutzt Detroit zur Vorstellung seiner neuen E-Klasse. Die Stuttgarter hatten sogar den Mut, den neuen Supersportwagen SLR Stirling Moss zu enthüllen, als ob sie damit einen demonstrativen Kontrapunkt zur Wirtschaftskrise setzen wollten. Auch von anderen deutschen Herstellern sind sportliche Modelle zu sehen: BMW hat seinen neuen Roadster Z4 dabei, eine Nummer kleiner ist die kompakte Roadster-Studie Bluesport von Volkswagen, die auf der Messe viel Beifall findet. Audi präsentiert als Studie ein schnittiges viertüriges Coupé mit dem Namen Sportback, einen Vorläufer für den kommenden A7.

          Alternativen zum Verbrennungsmotor

          Weitere Themen

          Huawei will geliebt werden

          Geschäfte in Deutschland : Huawei will geliebt werden

          Viele haben Angst vor Huawei. Dabei schaffen die Chinesen ganz viele Arbeitsplätze – hat sich der Konzern von Wirtschaftsforschern des DIW berechnen lassen. Die Botschaft ist klar: Huawei will mehr Liebe von der Bundesregierung.

          Kampf gegen den Dampf Video-Seite öffnen

          San Francisco : Kampf gegen den Dampf

          Nicht nur das Rauchen, auch die Herstellung von E-Zigaretten wird in San Francisco verboten. Eine schwierige Situation für die Ortsansässigen wie Juul Labs, einer der größten Hersteller von E-Zigaretten.

          Topmeldungen

          Oh Schreck! Der Gesundheits-Check!

          FAZ Plus Artikel: Führerschein : Kommt der Gesundheits-Check?

          Seit 20 Jahren gilt die Lkw-Fahrerlaubnis nicht mehr auf ewig, und keiner hat sich beschwert. Und auch junge Fahrer schwerer Wohnmobile mit mehr als 3,5 Tonnen müssen jetzt regelmäßig zum Arzt. Wann droht das dem Autofahrer?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.