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Kommentar Auto-Industrie : Patient Deutsche Autobranche

  • -Aktualisiert am

BMW-Mitarbeiter arbeiten in der Produktion des Elektroautos i3: Die Erforschung von Elektrotechnologien wird Automobilhersteller künftig vor weitere Kosten stellen. Bild: dpa

Die deutsche Auto-Industrie schwächelt an hausgemachten Problemen: Leisten kann es sich die Branche nicht, chronisch krank zu werden – zu viele Menschen hängen von ihr ab.

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          Wie steht es um die deutsche Autobranche? Die Antwort auf diese Frage bestimmt über das Wohlergehen von Millionen Menschen. Derzeit hängen mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt vom wirtschaftlichen Erfolg der Autohersteller und ihrer Zulieferer ab. Das sind mehr als 4 Prozent aller hierzulande Erwerbstätigen. Doch umfasst diese Rechnung lediglich einen Teil der tatsächlich Abhängigen. Wer für BMW, Daimler, Volkswagen, Opel, Bosch oder Continental arbeitet, verdient das Geld oft nicht nur für sich allein. Die Arbeitnehmer in der Autobranche haben Partner, Kinder und Angehörige, die sie mit ihrem Einkommen versorgen. Sie zahlen Steuern, engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen und Gemeinden. Damit gilt eine einfache Rechnung: Kränkelt die Autobranche, treffen die Symptome die ganze Gesellschaft.

          Wie also geht es der deutschen Autobranche? In dem Wartezimmer einer Arztpraxis wäre die Autobranche jener Patient, der eigentlich noch ziemlich proper und gesund aussieht. Er ist wohlgenährt und wirkt voller Kraft. Doch räuspert und hustet er nun immer wieder, die Stirn ist warm, die Nase tropft. Den kleineren Teil der akuten Erkrankung hat der Patient nicht selbst verschuldet. Der kalte Wind der Handelskonflikte hat ihn zum Beispiel einigermaßen unerwartet getroffen. Den Rest der Erkrankung aber hat er sich zum Großteil selbst zuzuschreiben. Seit Jahren ist dem Patienten vorgebetet worden, dass er sich an Grenzen – beziehungsweise Grenzwerte – zu halten habe. Doch hat er sich genau darum herumlaviert, mitunter hat er sogar aktiv betrogen – andere vor allem, aber letztlich auch sich selbst. Jetzt folgt das Unvermeidliche: Die Rechnung für ihr Fehlverhalten bekommt die Branche genau zu einem Zeitpunkt präsentiert, in dem sie eigentlich alle Kraft sammeln müsste, um sich den anstehenden Herausforderungen zu stellen: dem kostspieligen Wandel zur Elektromobilität zum Beispiel oder dem vernetzten und automatisierten Fahren.

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