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Autoindustrie in Baden-Württemberg : Herrscher kommen und gehen

Auch Branchen, die scheinbar wenig mit Ökologie am Hut haben, sehen unter der grün-roten Führung neue Chancen. „Die Telekommunikationsindustrie betreffend sehen wir aufgrund der neuen politischen Konstellation keinesfalls negative Einflüsse, weder auf Seiten unserer Kunden, noch bei unseren eigenen Investitionen“, erklärt beispielsweise Alf Henryk Wulf, Deutschland-Chef von Alcatel-Lucent. Im Gegenteil, sagt er: Der Umbau der Energieversorgung werde die Nachfrage ankurbeln: „Unsere neuen Geschäftsfelder rund um das Energieinformationsnetz, Smart Metering und Smart Grid werden davon eher profitieren, da der Umbau der Energienetze mehr Fahrt aufnimmt.“

Bürokratieabbau und Förderangebote

Brigitte Vöster-Alber, geschäftsführende Gesellschafterin von Geze, einem Spezialisten für Tür- und Fenstertechnik mit gut 2000 Mitarbeitern, ist zwar noch skeptisch, was die neue Regierung wirklich umsetzen wird, warnt aber vor negativer Erwartungshaltung: „Uns allen tut eine stärkere Beachtung der Umwelt gut, schließlich wollen wir diese sauber an unsere Kinder weitergeben.“ Vöster-Alber hofft auf konkrete Hilfen beim Bemühen um ökologisches Handeln, etwa Entbürokratisierung oder eine kostengünstigere Zertifizierung der zunehmend wichtigen „green label“. Der in dieser Woche vorgestellte Koalitionsvertrag schürt diese Hoffnung. Er stellt Bürokratieabbau und Förderangebote für den Mittelstand in Aussicht.

Selbst die Konzerne können auf Hilfe hoffen, zumindest auf wichtige Symbole. Die Landesregierung werde mit gutem Beispiel vorangehen und eine Flotte von Elektro-Fahrzeugen beschaffen, stellte der künftige Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid, SPD, in Aussicht. Das dürfte für Daimler weit entzückender sein als die Tatsache, dass bisher der baden-württembergische Ministerpräsident mit der Mercedes-Benz S-Klasse 600 Guard das luxuriöste Gefährt aller deutschen Landesfürsten fuhr. Denn wo eine Elektroflotte angeschafft wird, liegt die Frage nach der notwendigen Infrastruktur auf der Hand. Man werde die Diskussion um Subventionen der Elektromobilität „begleiten“, kündigte Schmid an. Auch die Aussicht darauf dürfte ein Grund dafür sein, warum die Chefs von Daimler, Porsche, Bosch & Co. auch kleine grüne Provokationen geduldig aushalten.

Ungeachtet möglicher Subventionen aber ist die Autoindustrie längst auf einen neuen Kurs geschwenkt, nicht aus politischen Erwägungen, sondern weil die Ölreserven endlich sind und der Lebenszyklus des Verbrennungsmotors sich dem Ende entgegen neigt. „Sicher, sauber, sparsam“ lautete zwar schon der Werbeslogan von Bosch, als diese Marke noch für Zündkerzen stand, doch die drei Worte sind noch immer die Maxime aller Forschung im Hause Bosch. Bei Daimler schlägt man ebenfalls den Bogen zwischen Tradition und Moderne. „Wir müssen das Auto neu erfinden“, fasst Daimler-Chef Dieter Zetsche die Herausforderung in Worte, das Geschäftsmodell der vergangenen 125 Jahre erfolgreich fortzusetzen. „Was wäre Daimlers und Benz Rat für die Zukunft?“, fragte Zetsche im Januar bei der 125-Jahr-Feier und antwortete: „Ich glaube, er wäre glasklar: „Macht grüne Autos noch faszinierender – und faszinierende noch grüner.“

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