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Autoindustrie : Helmut Panke Favorit für die Nachfolge Gottschalks

Steht bei den VDA-Mitgliedern hoch im Kurs: der frühere BMW-Chef Helmut Panke Bild: AFP

Weil Gottschalk am Samstag überraschend zurückgetreten war, will der Verband der Autoindustrie kurzfristig einen neuen Präsidenten wählen. Wie die F.A.Z. aus dem Kreis der VDA-Mitglieder erfahren hat, gilt der frühere BMW-Chef Helmut Panke als Favorit.

          Der frühere BMW-Chef Helmut Panke ist Favorit für die Nachfolge von Bernd Gottschalk als Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA). Das hat die F.A.Z. aus dem Kreis der VDA-Mitglieder erfahren. Über die Nachfolge wollen die drei Vizepräsidenten des VDA „kurzfristig entscheiden“, möglichst noch in dieser Woche.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          VDA-Vizepräsidenten sind Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler-Chrysler, Bernard Krone, Geschäftsführer des Nutzfahrzeug- und Landmaschinenherstellers Krone sowie Helmut Kostal, Geschäftsführer des Automobilzulieferers Leopold Kostal GmbH. Für alle drei sei der 60 Jahre alte Panke die Idealbesetzung, hieß es am Sonntag.

          Angeblich lasche Haltung in der Klimaschutzdebatte

          Der Posten muss neu besetzt werden, weil Gottschalk am Samstag überraschend zurückgetreten war. Erst im Oktober war der Dreiundsechzigjährige für zwei weitere Jahre wiedergewählt worden. Zuletzt sollen aber mehrere Vorstände der deutschen Autoindustrie unzufrieden mit der Lobbyarbeit ihres Verbandspräsidenten gewesen sein.

          Trat am Samstag überraschend zurück: Bernd Gottschalk

          Große Verärgerung über die angeblich zu lasche Haltung Gottschalks in der Klimaschutzdebatte wird besonders dem neuen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn nachgesagt. Aber auch andere Branchenvertreter reagierten verwundert auf die Tatsache, dass die deutsche Autoindustrie seit Wochen beim Thema Kohlendioxidemissionen in der Defensive war.

          Wie schon bei der Diskussion um Feinstaub und Partikelfilter vor zwei Jahren habe Gottschalk erst zu spät reagiert und dann unzureichend über die Leistungen der deutschen Autohersteller zur Abgasreduktion aufgeklärt. Gottschalk wies in einer Mitteilung vom Samstag nur darauf hin, sein Rücktritt habe nichts mit Vorwürfen gegen seine Amtsführung zu tun: „Ich habe mir keine Versäumnisse in der CO2/Hybrid-Debatte vorzuwerfen.“ Einen Rücktrittsgrund nannte er in der nur drei Sätze langen Stellungnahme nicht.

          Kurzschlussreaktion

          Beobachter des VDA sprechen von einer Kurzschlussreaktion. „Dass wir in dieser Situation ohne Verbandspräsidenten dastehen, ist doch ein Irrsinn“, sagte ein VDA-Mitglied dieser Zeitung.

          Nach dem EU-Gipfel zum Klimaschutz hatte Umweltkommissar Stavros Dimas am Wochenende die deutsche Autoindustrie abermals attackiert und ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gefordert. Der VDA lehnte das am Sonntag ab: Deutschland habe seit 1999 mit 15 Millionen Tonnen CO2 (9 Prozent) so viel eingespart wie kein anderes Land in Europa.

          In der Klimadiskussion hat Gottschalk schon seit Wochen Gegenwind bekommen. Sogar Bundespräsident Horst Köhler hatte der deutschen Autoindustrie vorgeworfen, beim Klimaschutz geschlafen zu haben. Doch Gottschalk soll noch am Freitag dem Bundespräsidenten in einem Schreiben geantwortet und sich entschieden gegen dessen Äußerung verwahrt haben.

          „Dem VDA-Präsidenten glaubt ja keiner

          Am Tag vor seinem Rücktritt hatte Gottschalk in Berlin noch an einer VDA-Sitzung des Vorstandskreises Nutzfahrzeuge unter Vorsitz von Daimler-Chrysler-Vorstand Andreas Renschler teilgenommen, war dann aber vorzeitig aufgebrochen. In einer Diskussionsrunde soll Gottschalk vorige Woche dagegen heftig mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) aneinandergeraten sein.

          Nach der Unterredung fühlte er sich von „den Gegnern der Straße“ regelrecht angeklagt und „in übelster Weise“ angegangen, berichtete ein Insider. Und auf dem Genfer Autosalon machte Gottschalk bei einer Abendveranstaltung von BMW seinem Ärger Luft.

          „Dem VDA-Präsidenten glaubt ja keiner“, sagte er in Anspielung auf die Klimaschutzdiskussion, in der Gottschalk stets die Überlegenheit der deutschen Diesel-Technologie gegenüber dem japanischen Hybrid-Antrieb gepriesen hatte. Beobachter werten das im Rückblick als Zeichen der Resignation.

          Heftige Attacken von Wiedeking

          Vor seiner Wiederwahl im Oktober 2006 musste sich Gottschalk bereits heftiger Attacken erwehren. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wollte ihn nicht länger an der Verbandsspitze sehen. Wiedeking wurde Interesse am Posten des VDA-Vizepräsidenten nachgesagt, der nach den Statuten aber nur einem Volumenhersteller zusteht. Auch nach der Statutenänderung blieb Wiedeking der Sitz verwehrt.

          Gottschalk, promovierter Volkswirt und früherer Daimler-Manager, stand seit 1996 an der Spitze des VDA. Der Verband vertritt die Interessen von mehr als 500 Unternehmen der Auto- und Zulieferindustrie mit rund 750.000 Beschäftigten.

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