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Autoindustrie : Der Diesel - Aufstieg und Fall einer deutschen Erfindung

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Die erste Ölkrise 1973 veränderte schlagartig die Randbedingungen für den Dieselmotor. Alle Autofirmen gingen auf die Suche nach spritsparenden Motoren. Der Diesel hatte nun vor allem in Europa Konjunktur, aber auch in den Vereinigten Staaten setzte die Regierung von Präsident Carter einige Jahre auf den Diesel. Diese kurze Dieselblüte in Amerika endete bereits 1981 mit der Präsidentschaft Ronald Reagans.

Die für neue Technologien im Vergleich zu den deutschen Unternehmen grundsätzlich aufgeschlosseneren französischen Autohersteller hatten schon in den späten 1960er Jahren erste Diesel-Pkw im Sortiment. Nun aber startete der Diesel durch. 1976 stellte Volkswagen den ersten Golf Diesel mit 50 PS vor. 1980 verkauften die deutschen Hersteller schon 465.000 Dieselautos, bis 2008 stieg die Zahl auf über 2,6 Millionen Stück im Jahr. 2006 wurde in Europa erstmals mehr als die Hälfte aller Neuwagen mit Dieselmotoren ausgerüstet.

Der geringere CO2-Ausstoß und der Schutz des Klimas spielten als Verkaufsargument anfangs noch keine Rolle, sondern der geringere Verbrauch von Öl. Doch die Diskussion um den Klimawandel verstärkte später diese Tendenz und Beliebtheit des Dieselmotors. Schon seit 1973 entschied die Bundesregierung, den Dieselmotor durch eine geringere Mineralölsteuer (heute: Energiesteuer) gegenüber dem Benzinmotor zu fördern. Die Energiesteuer ist eine feste Abgabe auf jeden verkauften Liter; bei Benzin derzeit 78 Cent einschließlich Mehrwertsteuer, bei Diesel dagegen nur 56 Cent. In den Vereinigten Staaten gibt es dagegen bis heute keine steuerlichen Unterschiede.

Amerika ist schon lange dagegen

Zeitgleich zu seinem Aufstieg zum Umweltmotor avancierte der Dieselmotor auch zum sportlichen Imageträger. Die Turboaufladung machte den Diesel spritziger, die vollkeramischen Glühkerzen verkürzten die Aufwärmphase, einst als „Rudolf-Diesel-Gedenkminute“ verspottet, auf deutlich weniger als eine Sekunde. Schon seit 1979 verkaufte der italienische Textilunternehmer Renzo Rossi Jeansmode unter dem Modelabel „Diesel“. Er nutzte den Begriff des „ultimativen Treibstoffs der Moderne“, um das Trucker- und Outdoor-Feeling in Jeansmode umzusetzen. Hersteller sportlicher Fahrzeuge stiegen auf den Diesel um. BMW bot 1983 den ersten Diesel, schließlich folgte 2008 sogar Porsche. BMW und Audi kommen inzwischen auf einen Dieselanteil von über zwei Drittel.

Gleichzeitig bewahrte sich der Diesel ein Image als „vernünftiges“ Fahrzeug. Deshalb erreichte der Dieselmotor insbesondere in Fahrzeugflotten des öffentlichen Dienstes und der Unternehmen fast ein Monopol.

Der Widerstand gegen den Diesel kam seit den 1980er Jahren vor allem aus den Vereinigten Staaten, einem Land, in dem der Dieselmotor nie mehr als 4 Prozent Marktanteil erreicht hat. Dort galt und gilt der Diesel nicht als Beitrag zum Umweltschutz, sondern zur Gefährdung der Gesundheit. Die Debatte zum Klimawandel spielte und spielt in Amerika eine deutlich geringere Rolle als in Europa, wie die vergleichende Dissertation zum Dieselmotor in Deutschland und den Vereinigten Staaten von Christopher Neumaier im Jahr 2010 eindrücklich aufgezeigt hat.

Die Smog-Probleme in den Metropolen, etwa in Los Angeles, hatten in den Vereinigten Staaten und insbesondere in Kalifornien schon in den 1960er Jahren große Debatten ausgelöst. 1967 war die Regierungskommission California Air Ressources Board (CARB) gegründet worden, die besonders strenge Grenzwerte für die Luftverschmutzung durchsetzte und die Autoindustrie seit 1990 („Clean Air Act“) zur Änderung ihrer Motorenpolitik zwang. 1987 führte die amerikanische Umweltbehörde Environmental Protection Agency mit der Einheit PM („Particulate Matter“) eine neue Methode für die Erfassung und Bewertung von Feinstaub ein.

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