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Autoindustrie : Daimler-Vorstand warnt vor mehr Öko-Auflagen

  • -Aktualisiert am

Wolfgang Bernhard Bild: Michael Kretzer

Der Daimler-Lastwagen-Vorstand Wolfgang Bernhard mahnt an, vor lauter Öko-Auflagen die Wirtschaftlichkeit nicht zu vergessen. „Wie teuer dürfen Autos werden, bis sie niemand mehr kauft“, fragt er in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard fordert von der neuen Bundesregierung erhöhten Einsatz für Europa: „Wenn eine Partei wie die AfD, die vor allem Anti-Europa-Politik enthält, nur knapp den Sprung in den Bundestag verpasst, ist das ein Weckruf“, sagt Bernhard der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Europa muss sich auf die grundlegenden Ideen zurück besinnen. Das muss und kann nur von den Mitgliedstaaten ausgehen. Meine große Bitte an die künftige Bundesregierung ist es, die Herausforderungen zu erkennen, die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und dafür zu sorgen, dass  die Ökonomie im Zielkonflikt mit der Ökologie nicht unter die Räder gerät.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bernhard wendet sich gegen einen europäischen Superstaat und kritisiert scharf die EU-Kommission, die sich seiner Meinung zu sehr mit sich selbst beschäftigt: „Dabei entstehen immer wieder interne Widersprüche. Da sagt der eine Kommissar: Wir müssen Verbrauch und CO2 reduzieren, der andere will die Geräusche im Verkehr verringern, was aber heißt: höherer Verbrauch.“ Beide Ziele widersprächen sich in den Konsequenzen. Es sei wünschenswert, dass sich Brüssel zuerst intern einigt, „bevor wir mit völlig gegensätzlichen Gesetzesvorschlägen konfrontiert werden“. Was fehlt, sei ein großer Wurf für die großen Herausforderungen, sagte der Chef der Daimler-Trucksparte.

          Daneben warnte Bernhard vor immer strikteren Öko-Auflagen aus Brüssel: „Die Autoindustrie hat die Emissionen in den letzten Jahren erheblich reduziert. Jetzt wird es immer teurer, das nächste halbe Prozent rauszuholen: Wie teuer aber dürfen Autos werden, bis sie niemand mehr kauft?“ Bernhard glaubt nicht, dass ein ökologisches Bewusstsein, den Verbraucher überzeugt, mehr Geld für Autos auszugeben: „Für die Mehrzahl der Autokäufer zählt der Geldbeutel“. Das würden Themen wie Hybrid und Elektromobilität zeigen: „Der Hype ist verflogen, die Absatzzahlen noch gering.“

          Daimlers Lkw-Sparte fährt Sonderschichten

          Zugleich berichtete Bernhard über eine ausgebuchte LKW-Sparte des Automobilherstellers. Er dämpfte aber die Erwartungen für 2014. „Für 2013 ist die Produktion  für Europa belegt, wir fahren bis Ende des Jahres Sonderschichten“, sagte er: „Wie sich die Märkte 2014 entwickeln, bleibt abzuwarten.“

          An der anvisierten Umsatzrendite von acht Prozent werde nicht gerüttelt, sagte Bernhard, ohne einen Termin dafür zu nennen: „Wir halten an dem Ziel fest und haben klar kommuniziert, unter welchen Marktbedingungen wir es erreichen wollen.“

          In der aktuellen weltwirtschaftlichen Lage seien diese Voraussetzungen nicht gegeben. „Unsere Kunden steigen notfalls konsequent auf die Bremse, stehen aber auch schnell wieder auf dem Gas, wenn sich die Lage aufhellt.“

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