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Autokartell : Autobauer sollen auch bei Benzinmotoren gekungelt haben

Im Chemnitzer VW-Motorenwerk arbeitet Andreas Selbmann am 10.12.2008 an der Montagelinie für 1,4 Liter-TSI-Benzinmotoren. Bild: dpa

Offenbar gibt es einen neuen Kartellvorwurf gegen BMW, Daimler und VW. Nicht nur beim Diesel sollen sich die Branchenriesen abgesprochen haben.

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          Seit einem Jahr ermittelt die Europäische Kommission gegen die deutschen Autohersteller Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen. Der Verdacht der Kartellwächter: Die fünf Unternehmen sollen sich zwei Jahrzehnte lang zu Lasten der Verbraucher in technischen Fragen abgesprochen haben. Im Zentrum der Ermittlungen stand bisher die Abgasreinigung von Dieselmotoren. Laut einem Bericht haben die europäischen Kartellwächter nun aber auch Benzinmotoren in den Blick genommen.

          In Arbeitskreisen sollen demnach verantwortliche Manager besprochen haben, Partikelfilter für Benzinmotoren zu verhindern. Innerhalb der Abgasreinigungssysteme der Autos nehmen solche Filter Feinstaubpartikel heraus, damit diese nicht über den Auspuff in die Luft gelangen. „Der Einsatz eines Partikelfilters soll beim Ottomotor unbedingt vermieden werden“, zitiert das Magazin „Spiegel“ aus Protokollen eines „Arbeitskreises Antrieb“. Zudem sollen die Unternehmen beschlossen haben, sich per Lobbyarbeit gemeinsam gegen eine europäische Partikelfilterpflicht in Brüssel einzusetzen. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte am Freitag auf einer Veranstaltung in Stuttgart, der im Bericht angesprochene „Arbeitskreis Antrieb“ existiere „in dieser Form heute nicht“.

          Die betroffenen Unternehmen reagierten zurückhaltend auf die neuen Vorwürfe. Die Europäische Kommission prüfe derzeit mögliche Kartellverstöße, es sei aber offen, ob die Kommission auch ein formelles Verfahren einleiten werde, teilte ein Daimler-Sprecher mit. Darüber hinaus werde man sich nicht äußern. Ein BMW-Sprecher wollte die Vorwürfe mit Verweis auf das laufende Verfahren ebenfalls nicht kommentieren.

          Feinstaubbelastung hat deutlich abgenommen

          Was das Thema Feinstaubausstoß von Benzinmotoren betrifft, hieß es von BMW am Freitag, das Unternehmen sei lange der Meinung gewesen, die Feinstaubpartikel „innermotorisch“ in den Griff bekommen zu können. Damit hätte sich der Einsatz von Partikelfiltern erübrigt. Ende des vorvergangenen Jahres seien dann jedoch die Grenzwerte für den Feinstaubausstoß innerhalb des neuen europäischen Abgastestverfahren RDE bekanntgegeben worden, mit dem inzwischen das Emissionsverhalten von Autos auf der Straße gemessen werden. Um die Grenzwerte auch in Extremsituationen einhalten zu können, habe BMW danach entschieden, auch Partikelfilter einzubauen. Alle aktuell produzierten Fahrzeuge des Münchner Unternehmens verfügen dem Sprecher zufolge über solche Filter. Der Daimler-Sprecher teilte mit, der Stuttgarter Hersteller habe bis Mitte dieses Jahres „nahezu alle Benziner mit einem Ottopartikelfilter“ ausgestattet.

          Feinstaub gilt als gesundheitsschädlich. Laut Umweltbundesamt können die Partikel in Atemwege und Blutbahn gelangen. Das kann zu Atemwegs- und Gefäßerkrankungen führen. Dem Umweltbundesamt zufolge hat die Feinstaubbelastung in Deutschland seit dem Jahr 1990 deutlich abgenommen. An Orten mit viel Verkehr werden die Grenzwerte noch überschritten, es sei aber wegen zusätzlicher Maßnahmen gegen Feinstaub mit einem Rückgang zu rechnen. Das zeigt auch die baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart. Im Jahr 2017 wurden an der Messstation Neckartor an 45 Tagen die Grenzwerte überschritten, 2016 waren es noch 63 Tage. Erlaubt sind 35 Überschreitungstage.

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