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Autohersteller in der Krise : Audi beschwört den Neustart

Der Neue: Bram Schot übernimmt am 1. Januar offiziell den Vorstandsvorsitz von Audi. Das Foto zeigt Schot mit einem Audi E-Tron in Richmond (Vereinigte Staaten). Bild: Bloomberg

Die Dieselkrise schlägt beim Autohersteller Audi voll durch: Der Absatz schwächelt und die Mitarbeiter müssen in die verlängerten Weihnachtsferien. Auf den neuen Vorstandschef wartet viel Arbeit.

          4 Min.

          Selten haben die Audianer auf das kommende Jahr mit so viel Spannung geblickt wie dieses Mal. Das hat nur am Rande mit den akuten Themen der Automobilbranche zu tun, den strengen Kohlendioxid-Vorgaben der EU, dem Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China oder dem drohenden No-Deal-Brexit. Den Jahreswechsel erlebt die einst so stolze Tochtergesellschaft des Volkswagen-Konzerns vielmehr mit allerhand hausgemachten Schwierigkeiten – und einem neuen Vorstandsvorsitzenden.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die Stimmung auf der jüngsten Betriebsversammlung Mitte Dezember, auf der Bram Schot als frisch ernannter Audi-Chef zu den gut 8000 Beschäftigten sprach, wurde von Teilnehmern als „etwas gereizt“ beschrieben, weil es in den Audi-Fabriken nicht so läuft wie gewohnt. Immerhin traf Schot den richtigen Ton, hielt eine gute Rede, verbreitete ein wenig Aufbruchstimmung. „Wir müssen die Dinge gemeinsam ändern – jetzt“, sagte der 57 Jahre alte Holländer und beschwor den Mannschaftsgeist: „Mit diesem Team schaffen wir es zurück nach oben.“ Vom Gesamtbetriebsratsvorsitzenden gab es anschließend Lob. „In seiner Interimszeit hat er bereits gezeigt, dass er unserem geforderten und eingeleiteten Neustart viel Schwung verleihen kann“, sagte Peter Mosch über Schot, der im Sommer das schwierige Erbe des wegen der Dieselaffäre zwischenzeitlich inhaftierten Amtsvorgängers Rupert Stadler angetreten hat – erst nur kommissarisch, zum 1. Januar 2019 dann ganz regulär.

          Schot, zuvor Vertriebsvorstand von Audi, steht unter Beobachtung der eigenen Belegschaft einerseits und der Muttergesellschaft in Wolfsburg andererseits. Dort hatte Konzernchef Herbert Diess mit seinem früheren BMW-Kollegen Markus Duesmann eigentlich einen anderen Audi-Chef im Auge gehabt, doch BMW verweigerte dem wechselwilligen Einkaufsvorstand die vorzeitige Freigabe. Und eine Interimlösung ohne absehbares Ende schien nicht tragbar.

          „Die Marke braucht ein neues Image“

          Jetzt muss also Schot die Dinge in Ingolstadt wieder in Ordnung bringen. Eine Aufgabe, der Branchenfachleute hohen Respekt entgegenbringen. „Audi ist der Diesel-Lieferant schlechthin im VW-Konzern. Die Selbstbeschäftigung mit ,Dieselgate‘ hat das gesamte Unternehmen gelähmt, der Rückstand auf BMW und Daimler ist riesig“, sagt Stefan Randak von der Managementberatung Atreus. „Der Wandel, der unter Bram Schot jetzt ansteht, muss tiefgreifend sein, und zwar technologisch wie kulturell.“

          Was Amtsvorgänger Stadler hinterlässt, sind eine Menge Versäumnisse und Probleme, die über die manipulierten Dieselmotoren hinausgehen. „Die Marke braucht ein neues Image. ,Vorsprung durch Technik‘, das nimmt Audi niemand mehr ab“, sagt Automobilfachmann Randak mit Blick auf den gängigen Werbespruch. Das Ansehen von Audi hat gelitten, seit die Marke mit den vier Ringen als Keimzelle für die Entwicklung jener Betrugssoftware zur Verschleierung von Diesel-Abgasen enttarnt worden ist, die in mehr als 11 Millionen Autos des VW-Konzerns eingesetzt wurde. Für die Manipulationen musste Audi im Oktober ein Bußgeld von 800 Millionen Euro zahlen.

          Weil der Vorstand die Umstellung auf das neue Abgasmessverfahren WLTP unterschätzte und zu wenig Prüfstände frei sind, hinkt Audi mit den Zulassungen seiner neuen Fahrzeuge mit legaler Software deutlich hinterher. Noch im Oktober etwa konnten interessierte Käufer nur aus einem Drittel der insgesamt rund 100 Motor-Getriebevarianten wählen. Die Folge: Im November schrumpfte der Absatz um 17 Prozent auf 132.650 Fahrzeuge, in Europa nahmen die Auslieferungen gar um ein Drittel ab.

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