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ZF-Chef im Interview : „Nichts mehr für Verbrenner“

Wolf-Henning Scheider, CEO der ZF Friedrichshafen AG Bild: ZF Friedrichshafen AG

Die Entwicklung für konventionelle Fahrzeuge hat der Zulieferer ZF Friedrichshafen eingestellt. Warum der Weg zur Mobilitätswende noch steinig wird, erklärt Vorstandschef Wolf-Henning Scheider im Interview mit der F.A.Z.

          6 Min.

          Die Autobranche meldet Negativrekorde. War das Jahr 2020 für ZF Friedrichshafen auch so miserabel?

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Der Einbruch im ersten Halbjahr war sehr scharf. Wir haben alles auf den Prüfstand gestellt, um uns an das tiefe Marktniveau anzupassen – das hat gewirkt. Und die Erholung in China hat uns Rückenwind gegeben. So ist es uns gelungen, das Blatt zu wenden. Das operative Ergebnis ist positiv – aber unterm Strich wird trotzdem ein Minus stehen, im Wesentlichen aufgrund der Vorleistungen für Zukunftsaufgaben. Dabei geht es in erster Linie um den Technologiewandel, aber wir müssen auch die Produktion an das niedrigere Marktniveau anpassen. Wir gehen davon aus, dass der weltweite Autoabsatz in diesem Jahr immer noch 15 Prozent unter dem Rekordwert von 2018 liegen wird.

          Voriges Jahr haben Sie die Lage als „dramatisch“ beschrieben, es stand im Raum, dass ZF bis zu 15.000 Arbeitsplätze abbauen wird. Was ist seither passiert?

          Die Diskussion mit Gewerkschaften und Betriebsräten hat zu einem eigenen Tarifvertrag geführt, der bis zu 20 Prozent Arbeitszeitreduzierung und entsprechenden Lohnabschlag zulässt. Das bringt uns Flexibilität und Kostenvorteile, während wir die Mitarbeiter weitgehend an Bord behalten können. So können wir in Ruhe diskutieren, wie es mittel- und langfristig weitergeht. Gleichzeitig haben wir in Deutschland inzwischen knapp 2000 Stellen über Altersteilzeit- und Abfindungsangebote abgebaut. Im Ausland, wo es keine Kurzarbeit gibt, mussten wir als Ultima Ratio auch Personal entlassen. Unterm Strich hat ZF im vergangenen Jahr mehrere tausend Stellen abgebaut. Gleichzeitig haben wir in den Bereichen der Zukunftstechnologien aber neue Stellen geschaffen. Dieser Wandel wird weitergehen, denn der Markt bleibt schwach, während manche Technologien wegen der von Covid-19 ausgelösten Krise sogar schneller kommen.

          Vor drei Jahren hatten Sie angekündigt, dass ZF 12 Milliarden Euro ins elektrische Fahren und in Fahrerassistenzsysteme steckt. Was bleibt von solchen Investitionen nach einem Corona-Jahr?

          2020 war nicht nur das Jahr der herben Markteinbrüche und der harten Kosteneinsparungen, sondern auch das Jahr, in dem wir die jahrelangen Vorleistungen in wichtige Aufträge ummünzen konnten. Einen Teil der 12 Milliarden Euro haben wir in die Entwicklung eines Hochleistungszentralrechners gesteckt, es entstand die Pro-AI-Familie als intelligente Steuerung für komplette Fahrzeuge. Bisher war der Markt dafür nicht bereit, wir haben nur einige tausend Stück davon verkauft – aber das hat sich jetzt geändert. Für die Zentralrechner, die in den Autos der Zukunft die dezentrale Bordelektronik ablösen, werden wir einer der führenden Anbieter sein, das zeigen die Aufträge für Millionen von Fahrzeugen.

          Ein steiler Anstieg von Tausenden Geräten auf Millionen. Um welche Autos geht es denn?

          Die ersten Fahrzeuge mit diesem Hochleistungscomputer laufen in drei Jahren an. Über Kunden kann ich in so einer frühen Phase nicht sprechen, erst wenn die Produkte in Serie gegangen sind. Das ist in der E-Mobilität aktuell der Fall, weshalb ich offen darüber sprechen kann, dass ZF auch mit vermeintlich klassischen Produkten in Elektroautos viel zu deren Effizienz und Reichweite beitragen kann. Ein Beispiel ist ein ZF-Bremssystem, das durch die beste Energierückgewinnung im Markt die Reichweite um bis zu 15 Prozent vergrößert. Das kann zwischen 50 und 120 Kilometer mehr Reichweite bedeuten – und damit entscheidend sein für die Zufriedenheit mit dem Auto.

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