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Amerikas Autobauer im Kongress : Sie brauchen immer mehr, sie würden alles tun

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Gespannt in Washington: GM-Chef Wagoner, UAW-Gewerkschaftschef Gettelfinger, Ford-Chef Mulally und Chrysler-Chef Nardelli (v.l.n.r.) Bild: AP

Vor zwei Wochen hatten die krisengeschüttelten Autobauer den amerikanischen Kongress um Unterstützung in Höhe von 25 Milliarden Dollar gebeten und waren abgeblitzt. Inzwischen sind 34 Milliarden daraus geworden, und nach Expertenmeinung könnten die drei Branchenriesen sogar bis zu 125 Milliarden Dollar benötigen. Die Ausschussmitglieder bleiben skeptisch, obwohl GM und Chrysler sogar ihre Fusion angeboten haben.

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          Mit einschneidenden Sanierungsprogrammen im Gepäck haben die krisengeschüttelten amerikanischen Autobauer abermals versucht, den Kongress von neuen Milliardenhilfen zu überzeugen (siehe auch: Vereinigte Staaten: Vorliegender Auto-Plan nicht mehrheitsfähig). Die Chefs der Opel-Mutter General Motors sowie von Ford und Chrysler versprachen am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des Senats, für Staatsdarlehen in Höhe von insgesamt 34 Milliarden Dollar Kosteneinsparungen und die verstärkte Entwicklung kleinerer umweltfreundlicher Autos.

          Ausschussmitglieder reagierten jedoch weiter skeptisch. „Ich bin dagegen, die drei großen Autohersteller freizukaufen“, sagte der führende Republikaner in dem Gremium, Richard Shelby. „Die Autofirmen müssen demonstrieren, dass sie zu Reformen entschlossen sind“, sagte der demokratische Ausschussvorsitzende Chris Dodd. „Gutes Geld darf nicht schlechtem hinterhergeworfen werden.“ Untätigkeit der Politik bedeute jedoch, mit der Wirtschaft „russisches Roulette“ zu spielen.

          „Wir wollen schlank und profitabel werden“

          GM-Chef Rick Wagoner räumte ein, sein Unternehmen habe „Fehler“ begangen. General Motors habe nicht rasch genug in spritsparende Modelle investiert. Als Schlüsselelemente des Sanierungsplans nannte Wagoner unter anderem verstärkte Investitionen in umweltfreundliche Modelle wie den Chevy Volt, eine Verringerung von Marken, Modellen und Verkaufsfilialen sowie mit Blick auf die Arbeitskosten „volle Wettbewerbsfähigkeit“ mit ausländischen Konkurrenten bis 2012. Dieser Plan „positioniert GM für den langfristigen Erfolg“, sagte er. Das Darlehen solle bis zum Jahr 2012 zurückgezahlt werden.

          Chrysler-Chef Robert Nardelli kündigte ebenfalls umweltfreundliche Modelle und Kosteneinsparungen an. „Chryslers langfristiger Produktplan ist robust, realistisch und grün“, sagte er. Werde der Staatskredit gewährt, solle er ebenfalls von 2012 an zurückgezahlt werden. Der Vorstandsvorsitzende von Ford, Alan Mulally, will über die nächsten sieben Jahre 14 Milliarden Dollar investieren, um den Benzinverbrauch der Ford-Flotte zu senken. Zudem sei die Schließung von mehreren Fabriken und andere Kostensenkungen geplant „Wir wollen schlank und profitabel werden“, betone Mulally.

          800 Kilometer nach Washington in Hybrid-Autos

          Zuvor war bekanntgeworden, dass die Krise schlimmer ist als bislang bekannt. Statt wie bislang 25 Milliarden Dollar fordern die drei Unternehmen nun 34 Milliarden Dollar an neuen Krediten. Ungeachtet der am Dienstag vorgelegten Sanierungsprogramme gilt es allerdings weiter als fraglich, ob der Kongress die Milliardenhilfe schnell gewährt. In der Führung der Demokraten gebe es „wachsende Besorgnis“, dass sie keine ausreichende Mehrheiten für die Verabschiedung eines Rettungspakets bereits in der nächsten Woche finden, berichtete die „New York Times“ am Donnerstag.

          Die Arbeitnehmer zeigten sich unterdessen zu Zugeständnissen bereit. Die Vereinbarungen mit den Unternehmen sollten überprüft und geändert werden, sagte der Chef der Autobauer-Gewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, am Mittwoch. Dazu zähle, Arbeitsplatzgarantien zu lockern und Zahlungen an einen Gesundheitsfonds zu verschieben. Die Vorstandsvorsitzenden wollen zudem für ein symbolisches Jahresgehalt von einem Dollar arbeiten. Als weitere Geste fuhren Ford-Chef Alan Mulally, GM-Vorstandsvorsitzender Rick Wagoner und Chrysler-Chef Robert Nardelli die mehr als 800 Kilometer von Detroit nach Washington in Hybrid-Autos.

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