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Autobauer in der Krise : Mercedes und BMW sprechen über Kooperation

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Heute ist die Welt eine andere, ohne dass dem Daimler-Chef viel vorzuwerfen wäre: Die Refinanzierung ist ein Problem der gesamten Industrie, die Staaten überbieten sich mit Rettungsaktionen für Autohersteller. Daimler wie BMW prüfen, ob sie für ihre Autobanken staatliche Hilfe beantragen. Das erhöht den Druck in München wie in Stuttgart. Und wenn Daimler mit jemandem zusammenarbeitet, so hat Zetsche stets durchblicken lassen, dann am liebsten mit BMW: „Die Wahrscheinlichkeit ist größer als bei anderen Herstellern, dass man bei den Kosten aufgrund der sehr ähnlichen Aktivitäten etwas erreichen kann“, lautet sein Argument. „Die Gefahr, sich gegenseitig weh zu tun, ist hier relativ gering.“

Fensterheber und Klimaanlagen vom gleichen Zulieferer

Schon vor Weihnachten waren die ersten Verträge zwischen BMW und Daimler unterschriftsreif. Sie wurden nicht unterzeichnet, um die angestrebte Kooperation im Paket als einen großen Wurf zu besiegeln. Geprüft wird vieles an Gemeinsamkeiten: Die Finanztöchter könnten sich verbünden. Der Einkauf könnte zusammengelegt werden. Kein Autofahrer stört sich daran, wenn Fensterheber, Gurtrollen oder Klimaanlagen von dem gleichen Zulieferer stammen. Mehrere hundert Millionen Euro ließen sich so einsparen. Selbst Motoren oder zumindest beträchtliche Teile davon könnten gemeinsam entwickelt werden. Heute schon liefert Peugeot den Antrieb für den Mini – auch das tut niemandem weh, gefährdet das Markenimage nicht, spart aber immens.

So verdient Porsche mit seinem Geländewagen Cayenne auch deswegen gutes Geld, weil der Sportwagenhersteller die Kosten für die Entwicklung mit dem VW Touareg und dem Audi Q7 teilt. Und da geht es um keine Kleckerbeträge, sondern um Milliarden. Gerade Audi, der Emporkömmling aus Ingolstadt, luchst BMW wie Daimler Kundschaft ab. Auch deshalb, weil Audi im Verbund mit dem Mutterkonzern andere Möglichkeiten hat, von geringeren Entwicklungskosten bis zur Einkaufsmacht. Der VW-Konzern stellt sechs Millionen Autos im Jahr her. Mercedes und BMW kommen zusammen nicht mal auf die Hälfte. Und sie tun viel Arbeit unnötig doppelt, etwa als sie die Direkteinspritzung parallel entwickelt haben. „Da hätte man zusammen eindeutig effizienter arbeiten können“, sagt Dieter Zetsche.

Sparpakete allein werden wohl nicht genügen

Als Beispiel für ihren guten Willen nennen die beiden Vorstände die Hybridtechnik, wo sie seit längerem kooperieren. „Wenn sich die allgemeine wirtschaftliche Lage nicht rasch aufhellt, sehen wir 2010 gemeinsame Plattformen von BMW und Mercedes“, prophezeit deshalb ein Manager der Konkurrenz. „Die Entwicklungskosten fressen beide auf.“

Sparpakete allein werden nicht genügen, der Krise Herr zu werden, auch wenn Daimler-Chef Zetsche am Dienstag so manche Grausamkeit verkünden wird. So sollen nicht mehr alle Lehrlinge übernommen werden, was die IG Metall erbost. Auch die Gewinnbeteiligung wird sinken (was schon deshalb logisch ist, weil auch der Gewinn gefallen ist). Die Lohnerhöhung, die zum 1. Mai ansteht, würde Daimler – wie laut Tarifvertrag möglich – am liebsten später zahlen. Und über kurz oder lang wird sich auch ein Stellenabbau nicht vermeiden lassen, falls die Fabriken nicht schnell wieder mehr Arbeit haben.

Kurzarbeit lindert die Personalkosten kaum, trotz der Zuschüsse der Bundesanstalt für 18 Monate. Noch verweist man bei Daimler auf den Standortpakt, der Kündigungen bis zum Jahr 2011 ausschließt. Wie jeder Vertrag enthält jedoch auch dieser Ausstiegsklauseln für den Ernstfall. Und wann, wenn nicht jetzt, ist dieser eingetreten, in der härtesten Rezession seit Jahrzehnten? In der Krise, die offenbar zum Bündnis mit dem Erzrivalen zwingt.

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