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Autobauer im Aufwind : BMW rechnet mit höheren Verkaufszahlen

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In der Auto-Sparte erwartet BMW nun eine Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von mehr als fünf Prozent im Gesamtjahr Bild: AP

Gestern Kurzarbeit, heute Arbeitszeitverlängerung: Der Autobauer BMW hat sich schneller als erwartet von dem Krisenjahr 2009 erholt. Das Unternehmen hob nun die Prognosen für dieses Jahr an - und die Autoaktien steigen.

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          BMW traut sich mehr zu: Der Münchener Autokonzern hat an diesem Dienstag seine Zurückhaltung abgelegt und seine Absatz- und Gewinnprognosen für dieses Jahr erhöht. 2010 rechnet BMW nun damit, mehr als 1,4 Millionen Autos zu verkaufen - etwa 10 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. „Die verbesserten Rahmenbedingungen auf den internationalen Automobilmärkten führen dazu, dass die BMW Group gegenüber den bisherigen Planungen im zweiten Quartal sowie im Gesamtjahr 2010 eine deutlich bessere Geschäftsentwicklung erwartet“, teilte das Unternehmen mit.

          Auch die Konkurrenten Audi und Daimler profizieren von einer unerwartet raschen Belebung auf den internationalen Automärkten. Im Juni hatten alle drei Hersteller deutliche Absatzzuwächse eingefahren. BMW verhandelt derzeit schon mit dem Betriebsrat, um die Arbeitszeiten in den deutschen Werken auszudehnen und die Bestellungen rasch abzuarbeiten. „Eine steigende Nachfrage in China führt auch dazu, dass die Werke in Deutschland und den USA gut ausgelastet sind.“

          BMW punktet mit seinen teuren Wagen bei der wohlhabenden Klientel

          2009 hatte BMW noch große Teile der Belegschaft in Kurzarbeit schicken müssen, weil die Werke nicht ausgelastet waren. Der Luxusautobauer konnte im vergangenen Jahr anders als viele Kleinwagenhersteller kaum von der Abwrackprämie profitieren. Während diese Konkurrenten aber nun unter Absatzschwund leiden, punktet BMW mit seinen teuren Wagen bei der wohlhabenden Klientel. „Neben der Erholung der weltweiten Automobilmärkte wirkt sich hier auch die hohe Nachfrage nach neuen Modellen wie dem BMW 5er und dem BMW X1 positiv auf die Geschäftsentwicklung aus“, teilt das Unternehmen mit.

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          Insgesamt war der Absatz 2009 um 11 Prozent auf 1,06 Millionen Autos gesunken. Der Heimatmarkt Deutschland ist allerdings immer noch nicht in Fahrt gekommen: Im Gegensatz zum Auslandsgeschäft ging der Absatz bei BMW in Deutschland im ersten Halbjahr leicht um ein Prozent zurück. Im ersten Halbjahr steigerte BMW gar seine Verkaufszahlen um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

          Trotzdessen bleibt BMW eine konkrete Gewinnprognose schuldig

          In der Auto-Sparte erwartet BMW nun eine Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von mehr als fünf Prozent im Gesamtjahr. Zuvor war BMW bei dieser Kennziffer von einem niedrigen einstelligen Prozentbereich ausgegangen. An der Börse sorgte die Nachricht für einen Freudensprung: Die Aktie kletterte unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen um mehr als sechs Prozent auf 41,35 Euro und setzte sich damit an die Spitze des Deutschen Aktienindex.

          Trotz des neuerlichen Optimismus blieb BMW seinen Aktionären weiter eine konkrete Gewinnprognose schuldig. „Auf Basis der deutlich verbesserten Geschäftsperspektiven erwartet die BMW Group gegenüber der bisherigen Prognose eine noch stärkere Verbesserung des Konzernergebnisses vor Steuern im Vergleich zum Vorjahr“, heißt es lediglich. Dies dürfte nicht nur angesichts der niedrigen Vergleichswerte aus dem Krisenjahr leicht fallen, sondern auch, weil bereits im Auftaktquartal das Ergebnis vor Steuern rund 100 Millionen Euro höher war als im ganzen Jahr 2009.

          Nicht nur BMW-Aktien, auch Papiere der Konkurrenten ziehen an

          Die BMW-Aktie führte mit einem Plus von gut sechs Prozent die Gewinnerliste des Dax an. Auch die Titel der Konkurrenten von Daimler und Volkswagen legten deutlich zu. „Das ist ein sehr starkes Zeichen. Die Prognose für die operative Marge 2010 ist besonders signifikant und weist darauf hin, dass in dem Sektor die Normalität schneller zurückkehrt als erwartet“, sagte Marc-Rene Tonn von MM Warburg. „Das positive Marktumfeld ist ein Grund. Aber die Nachfrage nach Oberklasse-Wagen ist stärker als erhofft und Währungseffekte helfen auch.“

          „Die meisten Leute hätten mit so einer Entwicklung erst im nächsten Jahr gerechnet. Ich glaube, wir können eine ähnliche Nachricht von Daimler sehr bald erwarten“, sagte Georg Stürzer von UniCredit. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte erst vor gut einer Woche gesagt, 2010 könnte zum erfolgreichsten Jahr für die Automobilindustrie werden. Analyst Alexsej Wunrau von der BHF-Bank zufolge hat die Branche noch goldene Zeiten vor sich. „Ich kann keine Anzeichen sehen, dass sich der Aufwärtstrend der Luxuswagenhersteller in Europa oder den USA abschwächt“, sagte er. „Die Prognoseerhöhung durch BMW zeigt, dass es sich bei der Entwicklung in der Autoindustrie um einen langfristigen Trend handelt.“

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