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Autoabsatz eingebrochen : VW-Optionen beflügeln Porsche-Gewinn

  • Aktualisiert am

Der Cayenne mit Dieselmotor ist der neue Hoffnungsträger bei Porsche Bild: AP

Der Sportwagenbauer Porsche hat im ersten Halbjahr 2008/09 dank Geschäften mit VW-Aktienoptionen mehr als doppelt so viel Gewinn wie Umsatz erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Steuern vervierfachte sich auf 7,34 Milliarden Euro - fast 7 Milliarden stammen aus den Finanzgeschäften mit VW-Aktien.

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          Der Sportwagenbauer Porsche hat im ersten Halbjahr 2008/09 dank Geschäften mit VW-Aktienoptionen mehr als doppelt so viel Gewinn wie Umsatz erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Steuern vervierfachte sich von August bis Januar auf 7,34 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Im Vorjahreszeitraum lag das Ergebnis bei 1,66 Milliarden Euro.

          Allein die Finanzgeschäfte mit Volkswagen-Aktien, mit deren Hilfe Porsche seine Beteiligung auf mehr als 75 von derzeit 51 Prozent ausbauen will, brachten 6,84 (0,85) Milliarden Euro ein. Mit dem Verkauf von Sport- und Geländewagen verdiente Porsche dagegen weniger. Die Aktie gab um 5,7 Prozent auf 34,91 Euro nach.

          Autoabsatz um mehr als ein Viertel eingebrochen

          Der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten um zwölf Prozent auf 3,04 Milliarden Euro, weil der Autoabsatz um 27 Prozent auf 34.266 Fahrzeuge einbrach. Vor allem der Boxster und der Cayman verkauften sich vor dem Modellwechsel im Februar schlecht. Von der Diesel-Version des Geländewagens Cayenne, der ebenfalls seit Februar im Handel ist, verspricht sich Porsche viel. „Der Cayenne Diesel läuft gut“, sagte ein Sprecher. Statt an 19 Tagen sollten die Bänder deshalb bis zur Sommerpause nur an 13 Tagen stillstehen.

          Auch beim operativen Gewinn musste Porsche Einbußen hinnehmen. Ohne die Optionsgeschäfte und den Gewinnanteil von Volkswagen hätte der Gewinn bei gut 300 Millionen Euro gelegen, sagte der Sprecher. Ein Jahr zuvor war es noch rund eine halbe Milliarde.

          Kein fester Zeitplan

          Die Gewinne aus den Optionsgeschäften fielen deutlich höher aus als Experten erwartet hatten. Die cash-gesettelten Optionen, die Porsche bei einer Aufstockung seiner VW-Anteile einen festen Preis sichern, sind allerdings ein zweischneidiges Schwert. „Die 6,8 Milliarden haben wir nicht automatisch in der Tasche“, warnte der Sprecher. Wenn der Kurs der VW-Aktie, die am Dienstag 234 Euro kostete, sinkt, fallen auch die Optionen im Wert. Ein steigender Kurs würde aber den Kauf von Aktien verhindern, weil Porsche dann später hohe Abschreibungen auf den Anteilsbesitz fürchten muss. Porsche halte sich „alle Optionen offen“, heißt es im Halbjahresbericht. Auf einen Zeitplan wollte sich Porsche nicht mehr festlegen.

          Mit dem überraschenden Bekenntnis, sich mehr als 70 Prozent an VW zu einem festen Kurs gesichert zu haben, hatte Porsche im Herbst Kurskapriolen der VW-Aktie ausgelöst, die den gesamten deutschen Aktienmarkt durcheinanderbrachten. Spekulanten, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten sich bei einem massiv verknappten Angebot um jeden Preis eindecken, was den Kurs der VW-Aktie zeitweise auf mehr als 1000 Euro getrieben hatte. Die Finanzaufsicht BaFin sprach Porsche am Dienstag aber vom Vorwurf der Marktmanipulation frei.

          Um die Übernahme von VW zu finanzieren, hat Porsche vor kurzem einen Kredit über zehn Milliarden Euro erneuert - allerdings zu höheren Zinsen als bisher. Bereits Ende Januar lag die Nettoverschuldung bei neun Milliarden Euro, binnen eines halben Jahres kamen damit nach Unternehmensangaben rund sechs Milliarden hinzu, die in VW-Aktien investiert wurden. Analysten äußerten sich besorgt. Das setze Fragezeichen hinter die gesamte Übernahme-Story, mahnte Michael Punzet von der DZ Bank.

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