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Auto-Technik : Navigationssysteme: Ende des Goldrauschs?

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Deutschland, wo die Hamburger Navigon den Niederländern auf den Fersen ist, gilt als der am härtesten umkämpfte Markt in Europa. Die Käufer achteten auf Preis und Qualität. Zudem unterscheide sich der Markt wegen der Vertriebsstrukturen und des stärkeren Angebots preiswerter Geräte über Discounter wie Aldi oder Lidl. Goddijn erwartet zwar, daß im nächsten Jahr die Preise nicht mehr so stark unter Druck geraten wie 2006. Grundsätzlich bleibe die Tendenz aber nach unten gerichtet, wobei die Qualität besser werde. Tom Tom will in diesem Jahr 3,5 bis 3,9 Millionen Geräte nach 1,7 Millionen Stück im vergangenen Jahr absetzen. „Das ist mehr, als die gesamte Automobilindustrie an festinstallierten Geräten zusammen verkauft.“ Der Umsatz soll von 720 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro, das Bruttoergebnis mindestens auf 440 Millionen Euro (plus 42 Prozent) steigen.

Hohe Zuwächse in den Vereinigten Staaten erwartet

Besorgt über eine nachlassende Dynamik ist Goddijn nicht. „Aber wir beobachten sehr genau, was im Markt passiert.“ Denn es würden neue Marktteilnehmer mit starken Markennamen auftreten. Entsprechend langfristig muß Goddijn seine Abwehrstrategie auslegen. Auf der Produktseite gebe es noch erhebliches Verbesserungspotential. Mit Hochdruck arbeitet Tom Tom daran, die Inhalte zu erweitern oder effizienter zu machen, wenn es etwa um aktuelle Verkehrsinformationen geht. Es wird an einem besseren und flexiblen Routing gearbeitet, das sich während einer Fahrt an geänderte Situationen anpaßt.

Darüber hinaus sucht das Unternehmen neue Absatzgebiete. So wird der amerikanische Markt, wo Tom Tom heute schon einziger europäischer Anbieter und mit 27 Prozent Marktanteil Nummer zwei hinter Garmin ist, stärker ins Auge gefaßt. Da der Markt in den Vereinigten Staaten zwei Jahre hinter der Entwicklung in Europa hinterherhinke, erwartet Goddijn erst mittelfristig hohe Zuwachsraten. „2007 wird das Wachstum noch durch Europa bestimmt.“ Danach würden die Vereinigten Staaten aber schon ihre Spuren hinterlassen. Näher liegen da die ost- und südosteuropäischen Länder. In Polen und Ungarn ist Tom Tom schon präsent, nun wird der Auftritt in Tschechien, der Slowakei, Türkei und Griechenland vorbereitet.

Kontinuierliche Umsätze durch Serviceleistungen

Und es werden neue Geschäftsfelder aufgebaut. Tom Tom Automotive sucht die Zusammenarbeit mit Autoherstellern. In Kooperation etwa mit Seat, Toyota oder Citroën bietet es mobile Navigationsgeräte für kleinere Autos an, die sich im Preis noch deutlich von festinstallierten Systemen in den hochwertigen Modellen unterscheiden. Mit diesem Geschäftsfeld soll ein Massenmarkt für Autos der Golf-Klasse abwärts erschlossen werden. Mittlerweile hätten auch die Autohersteller erkannt, daß es sich hier um einen Milliardenmarkt handele. Bei jährlich 15 Millionen Neuwagen in Westeuropa und einer Penetrationsrate von 10 Prozent kommt so ein Volumen in siebenstelliger Höhe zusammen.

Mit Tom Tom Work dringen die Niederländer in den Bereich der Dienstleistungen und des Flottenmanagements vor, insbesondere für kleine Unternehmen wie Handwerksbetriebe oder Kurierdienste. Angeboten werden Servicepakete für die Flottensteuerung einschließlich Navigation. Dieses Feld soll stark ausgebaut werden. Damit stößt das Unternehmen in ein Geschäftsfeld vor, das - im Gegensatz zu Einmalerlösen aus dem Geräteverkauf - mit Serviceeinnahmen kontinuierlich Umsätze generiert.

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