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Auto Show : Piëch in Detroit

Das Duo Winterkorn und Piëch Bild: AP

Die VW-Spitze schreitet zu dritt über die Automesse in Detroit: Zu Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn gesellte sich Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh. Durchaus freundschaftlich.

          Ferdinand Piëch ist wieder auf einer Automesse. Mittendrin statt nur dabei. Und sein erster Rundgang auf der Detroit Auto Show führt den mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden von Volkswagen direkt auf den Stand von Toyota. Die erfolgreichen Japaner sieht er als Maßstab, mit ihnen muss es Volkswagen (VW) aufnehmen, deshalb geht er schnurstracks dorthin. Der Milliardär und Miteigentümer von Porsche wirkt gut erholt, das Alter von 69 Jahren ist dem drahtigen Mann in dem dunkelblauen Anzug nicht anzusehen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Begleitet wird Piëch von seinem neuen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn - und von Bernd Osterloh, dem VW-Betriebsratsvorsitzenden, eigentlich kein Mann der Kapitalseite. Die drei ungleichen Weggefährten treffen sich am VW-Stand direkt neben den vor allem in Amerika sehr beliebten Jettas und plaudern miteinander wie alte Freunde. Winterkorn nimmt den knapp 20 Jahre jüngeren Osterloh beinahe väterlich in den Arm und Porsche-Enkel Piëch lächelt. Zu dritt marschieren sie los, Piëch geht voraus, vorbei am Stand von Scion, vorbei an Subaru, und auch für die drei Ferrari und die danebenstehenden Hostessen haben sie kaum einen Blick übrig.

          Die inneren Werte

          Ihr Objekt der Begierde steht bei Toyota, eine silbergraue Lexus-Limousine vom Typ GS 450. Die drei bewundern weniger das biedere Äußere, sondern die inneren Werte des Lexus: Unter der Haube arbeitet unauffällig ein Hybridmotor, eine Kreuzung von Benzin- und Elektroantrieb, die das Feinste japanischer Ingenieurskunst darstellt. Dafür können sich die Technikenthusiasten Winterkorn und Piëch begeistern, aber offenkundig auch Gewerkschafter Osterloh.

          Objekt der Begierde: Silbergrauer Lexus

          Die drei geben ein merkwürdig anmutendes Bild der Geschlossenheit, fast inniger Vertrautheit ab. Und irgendwie erinnert das alles an die längst vergangen geglaubten Zeiten, als bei VW Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat miteinander kungelten, an die VW-Affäre mit Bordellbesuchen und Lustreisen, über die Osterlohs Vorgänger Klaus Volkert und auch Piëchs enger Vertrauter und VW-Personalvorstand Peter Hartz zu Fall kamen.

          Pläne für eine neue Konzernstruktur

          Automessen sind eigentlich kein Anlass für Betriebsräte, um den Konzern gemeinsam mit Vorstand und Aufsichtsrat zu präsentieren. Osterloh stört das nicht. Er soll im Dezember sogar gemeinsam mit Piëch an Testfahrten mit VW-Erprobungsfahrzeugen in Namibia teilgenommen haben, ist in Detroit zu hören. Später spricht sich Osterloh gegenüber Journalisten auf der Messe ganz offen für den Verbleib von Piëch an der Spitze des Kontrollgremiums aus. „Die Arbeitnehmerbank würde einem solchen Vorschlag geschlossen zustimmen“, sagt er. In der Vergangenheit war die Frage der Piëch-Nachfolge und der Verbleib des früheren VW-Chefs im Aufsichtsrat ein strittiges Thema gewesen, weil viele dem Porsche-Miteigentümer eine nicht hinnehmbare Interessenkollision nach dem Einstieg des Sportwagenherstellers bei VW unterstellten. Nach dem Machtwechsel, den Piëch mit der Ablösung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder und der Inthronisierung von Martin Winterkorn vollzogen hat, ist alles anders.

          Osterloh gehört auch dem Präsidium des VW-Aufsichtsrates an, das sich an diesem Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung trifft. Dort will Winterkorn seine Pläne für eine neue Konzernstruktur vorstellen. Die hat es in sich: Winterkorn will stärker zentralisieren und eigenständige Ressorts für Entwicklung und Produktion wieder im Konzernvorstand ansiedeln. Hinter diesem Plan steckt kein anderer als Ferdinand Piëch selbst. Ohnehin scheint jedes Detail, diesen Eindruck erwecken die drei Messerundgänger in Detroit, eh schon abgestimmt zu sein, harmonisch und für alle Beteiligten zum Vorteil.

          Keine offiziellen Statements

          Offizielle Statements der drei sieht die Tagesordnung nicht vor. Dafür redet Rupert Stadler, Winterkorns Nachfolger an der Spitze von Audi. Stadler war früher Büroleiter von Piëch in Wolfsburg. Jetzt steht Stadler auf der Bühne und enthüllt den sportlichen Geländewagen Q7 mit Dieselmotor. Piëch sitzt zufrieden in der ersten Reihe und klatscht Beifall, als Stadler Platz macht für den Sänger Seal.

          Gegenüber Journalisten spricht Stadler später über den 13. Auslieferungsrekord von Audi in Folge und sagt, dass es unter ihm keinen Richtungswechsel geben werde, weil er als Finanzvorstand schon bisher eng mit Winterkorn zusammengearbeitet habe. Zur neuen Konzernstruktur schweigt der sonst so redselige Stadler aber, sagt nichts über die Zukunftspläne für die krisengeschüttelte Marke Seat, für die er eigentlich auch zuständig ist, weil sie zu der von ihm zu verantwortenden Markengruppe gehört. Aber auch das wird in Winterkorns Struktur bald anders sein.

          Kein Platz für Bernhard

          Für einen anderen ist kein Platz in diesem System: Der Vorstand der VW-Markengruppe, Wolfgang Bernhard, wird wohl Ende Januar aus dem Konzern ausscheiden. Nach Winterkorns Plänen wäre Bernhard in der geänderten Führungsstruktur nur noch für die Werke des Konzerns zuständig, nicht aber für Entwicklung und Vertrieb. Nun halten sich in Detroit hartnäckig Gerüchte, der frühere Chrysler-Vize könnte nach Amerika zurückkehren. Einer, der das wissen müsste, ist Dieter Zetsche, der Chef von Daimler-Chrysler. Und der beantwortet in Detroit die konkrete Frage eines Journalisten, für welche Position Bernhard vorgesehen sei, mit einer launigen Gegenfrage: „Wann hören Sie auf, Ihre Frau zu prügeln?“

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