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Auto-Ehe vor dem Aus : Daimler will restlichen Chrysler-Anteil abgeben

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Daimler-Chrysler soll endgültig Geschichte werden: Daimler trennt sich von seiner Restbeteiligung Bild: AP

Jetzt soll endgültig ein Schlussstrich unter das Kapitel Chrysler: Der Autohersteller Daimler will seine Restbeteiligung von 19,9 Prozent an den Finanzinvestor Cerberus verkaufen. Gespräche mit Cerberus hat Daimler inzwischen bestätigt.

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          Der Stuttgarter Autohersteller Daimler will offenbar endgültig einen Schlussstrich unter das Kapitel Chrysler ziehen und seine Restbeteiligung von 19,9 Prozent verkaufen. Daimler bestätigte, mit dem Finanzinvestor Cerberus Capital Management über den Restanteil an Chrysler zu sprechen. Cerberus hatte im vergangenen Jahr schon 80,1 Prozent der ehemaligen Daimler-Tochter Chrysler gekauft.

          Ein Sprecher der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Cerberus sagte, dass im Falle einer Transaktion alle Branchenpartnerschaften zwischen Chrysler und Daimler bestehen bleiben würden. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ vorab aus der am Freitag erscheinenden Ausgabe unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, Daimler und Cerberus verhandelten nur noch über Details. Der Verkauf werde möglicherweise schon in wenigen Wochen perfekt sein.

          Leasing-Gesellschaft aus alten Zeiten

          Anders als beim Verkauf der ersten 80,1 Prozent soll Daimler dieses Mal wohl nicht draufzahlen, berichtete das Magazin weiter. Mit dem Abschluss sollen auch gegenseitige Leistungen des vergangenen Jahres abgerechnet werden. Eine Rolle spiele dabei auch eine Leasing-Gesellschaft aus Daimler-Chrysler-Zeiten, zu der noch eine Entscheidung der kanadischen Steuerbehörden ausstehe. Daimler fordere unter anderem noch Geld dafür, dass der Konzern Chrysler beim Vertrieb in Europa weiter unterstützt habe. Ein Kredit von 1,5 Milliarden Dollar, den Daimler-Chrysler gewährt hatte, soll von der Transaktion nicht berührt werden.

          Die Risiken aus der Restbeteiligung sollen nach Einschätzung von Finanzanalysten den Kurs der Daimler-Aktie belastet haben. Ende Juni 2008 hatte Daimler die Chrysler-Beteiligung noch mit 171 Millionen Euro in den Büchern stehen; Ende 2007 waren es noch 916 Millionen Euro gewesen.

          Vision eines Auto-Weltkonzerns beendet

          Der Stuttgarter Automobilhersteller wird mit dem vollständigen Verkauf der Chrysler Group endgültig die vom früheren Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp verfolgte Vision eines Automobilweltkonzerns beenden. Kurz nach dem Zusammengehen rutschte der drittgrößte amerikanische Hersteller in die roten Zahlen und wurde saniert. 2007 wies Chrysler einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar aus.

          Chrysler leidet, wie Ford und General Motors, unter den sinkenden Verkäufen in Nordamerika. Chrysler hat bereits Werke geschlossen und die Belegschaft gekürzt. Wiederholt kursierten am Markt Gerüchte, Cerberus könnte einen Teil von Chrysler verkaufen. Anfang des Monats sagte Chrysler-President Jim Press, Cerberus sei langfristig in das Unternehmen investiert. Chrysler hatte kürzlich seinen Händlern gesagt, dass der Absatz in den ersten acht Monaten diesen Jahres um 24 Prozent eingebrochen sei.

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