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Supermarkt in Not : Jetzt beginnt der Ausverkauf von Kaiser’s Tengelmann

Für jede einzelne Filiale von Kaiser’s Tengelmann soll geboten werden können. Bild: dpa

Die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann ist in Not. Die Übernahme durch Edeka hängt vor Gericht. Und jeder weist dem anderen die Schuld zu.

          Tengelmann-Gesellschafter Karl-Erivan Haub will in dieser Woche damit beginnen, die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann in Einzelteilen zu verwerten. Er selbst sieht dadurch 8000 Stellen gefährdet, vor allem in den 105 Filialen in Nordrhein-Westfalen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Haub bekräftigte am Wochenende aber, er sei „bis zur letzten Minute offen“ für eine einvernehmliche Lösung, die Kaiser’s Tengelmann als Ganzes erhalte. Das Zeitfenster schließe sich erst, wenn die erste Filiale verkauft sei; das werde einige Wochen dauern.

          Eine Art Vorkaufsrecht für die Filialen will Haub dem Vernehmen nach dem Supermarktbetreiber Edeka zugestehen, der Tengelmann vollständig übernehmen wollte. Das kartellrechtlich problematische Geschäft hängt jedoch nach Beschwerden von Rewe, Norma und Markant vor Gericht. Wegen der wachsenden Verluste sucht Haub nach einem Ausweg.

          „Herr Haub führt sich auf wie ein Sonnenkönig“

          Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte nach dem Scheitern der Rettungsgespräche zwischen Tengelmann, Edeka sowie Rewe vor dem Wochenende die Hoffnung geäußert, dass doch noch eine Einigung und „die Rettung von 16.000 Arbeitsplätzen gelingen“ könnten. Dies sei auch die Hoffnung von Kanzlerin Angela Merkel.

          Gabriel erwähnte die Möglichkeit einer Schlichtung, sagte aber nicht, ob er persönlich als Schlichter zur Verfügung stünde. Dies schlug Rewe-Chef Alain Caparros vor. Caparros gibt die Schuld für das drohende Ende der Tengelmann-Märkte deren Eigentümer. „Wenn Herr Haub aufhört, sich als Sonnenkönig aufzuführen, gibt es keine Verlierer“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zum Interview mit Rewe-Chef Caparros geht es hier entlang.

          Die angekündigte Zerschlagung der Supermarktkette sei bloß ein „Drohszenario“. Es drohe kein zweiter Fall Schlecker mit dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen, fügte er an und erneuerte sein Angebot, Kaiser’s-Tengelmann-Märkte in großer Zahl zu übernehmen.

          Erst habe Haub das Geschäft mit den Filialen verbockt, dann den Verkauf an Edeka in den Sand gesetzt, und nun müsse er, der Rewe-Chef, als Buhmann herhalten: „Was da abläuft, ist eine Schweinerei“, sagte Caparros und sprach vom „Testosteronkrieg der Häuptlinge“.

          Haub machte derweil Caparros dafür verantwortlich, dass bislang kein Kompromiss der Konkurrenten Rewe, Edeka, Norma und Markant zustande gekommen sei. „Herr Caparros hat von Anfang an alles unternommen, um den Deal zu zerstören“, sagte er der „WAZ“.

          Rewe hatte von Beginn an für Kaiser’s Tengelmann geboten; den Zuschlag aber erhielt Edeka. Daraufhin wehrte sich der Rewe-Chef mit rechtlichen Mitteln - und fand die Unterstützung des Kartellamts und der Monopolkommission. Deren Mitglieder Jürgen Kühling und Achim Wambach halten derweil auch die aktuellen „Rettungsgespräche“ aus wettbewerbspolitischer Sicht für „hochproblematisch, führten sie doch wesentliche Wettbewerber an einen gemeinsamen Verhandlungstisch“ - und schlimmstenfalls zu einem „Abkauf von Wettbewerb.“

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