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Afghanistan : Erzmilliardär will mit den Taliban verhandeln

Andrew Forrest Bild: Imago

Der australische Gründer Andrew Forrest gräbt nach Erz und macht Klimapolitik. Die bietet er auch den Taliban an – sofern diese einige Bedingungen erfüllen.

          2 Min.

          Einem Streit weicht dieser Mann nicht aus. Das braucht er auch nicht. Denn er ist mächtig, einflussreich und zupackend. Am Montag zeigte er das wieder: Andrew Forrest erklärte seinen Aktionären, er scheue keinesfalls davor zurück, mit den Taliban zusammenzuarbeiten. Damit gebührt ihm nun wohl der Ruhm, als erster Vorstandschef der Welt öffentlich anzukündigen, den neuen Machthabern Afghanistans die Hand zu reichen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Allerdings knüpft der Gründer und Vorstandschef des Eisenerzkonzerns Fortescue Metals Group (FMG) sein Angebot natürlich an Bedingungen. „Wir würden mit jedermann ernsthaft zusammenarbeiten, einschließlich der Taliban, wenn sie gleiche Bildungschancen für Mädchen und Jungen garantieren“, sagte Forrest bei der Bilanzvorlage von FMG. „Sie müssten alle Formen der Sklaverei abschaffen, auch die sogenannte ‚Zwangsheirat‘.“

          Diese Forderungen entsprechen in etwa jenen der Stiftung Minderoo Foundation, die er und seine Familie mit Milliarden von Dollar und sehr viel Einsatz betreiben. Unter anderem gibt sie jährlich den weltweit beachteten Sklaverei-Index heraus. Was er von den Taliban fordere, seien global anerkannte Werte, betonte der FMG-Vormann: „Aus diesem Grund haben führende Vertreter des sunnitischen und des schiitischen Islams, des katholischen und des anglikanischen Christentums, des Hinduismus, Buddhismus, Judentums und orthodoxe Religionsführer am Weltsklaverei-Tag, dem 2. Dezember 2014, im Vatikan persönlich die ‚Gemeinsame Erklärung der Religionsführer gegen moderne Sklaverei‘ unterzeichnet.“

          Bodenschätze in Afghanistan

          Noch besser bekannt ist Forrest dafür, Milliarden von Dollar aus der Erde zu heben. FMG wies am Montag einmal mehr Rekordwerte aus. Dank eines Überschusses von 10,3 Milliarden Dollar nach Steuern für das vergangene Geschäftsjahr (30. Juni) erhält die Forrest-Familie nun weitere 2,39 Milliarden Dollar.

          Der überschäumende Preis für Eisenerz und die höhere Produktivität trieben den Gewinn um 117 Prozent. Der Umsatz stieg um 74 Prozent auf 22,3 Milliarden Dollar. 3,58 Dollar erhalten die Anteilseigner je FMG-Aktie. Weitere Rekorde sollen fallen. Und mit dem Versprechen, Klimaneutralität bis 2030 zu erreichen, verfolgt der viertgrößte Erzriese Australiens das ehrgeizigste Umweltprogramm der Branche.

          Geld hat der Mann aus Perth damit mehr, als er jemals wird ausgeben können. Ideen auch. Deshalb gründete Forrest, der erst in fortgeschrittenem Alter in Ozeanographie promovierte, jüngst Fortescue Future Industries (FFI). Dazu gehört in diesen Tagen so viel Voraussicht, wie Forrest sie Anfang der Neunzigerjahre bewies, als der damals gerade 30-jährige Börsenmakler die Nickelmine Anaconda öffnete. Fast drei Jahrzehnte später hat sein FFI-Team am Tiefpunkt von Corona rund 50 Länder besucht, um auszuloten, welche Chancen es für Energie aus Wasser, Sonne oder Wind gibt (F.A.Z. vom 1. Dezember 2020). Und wo es sich deshalb lohne zu investieren.

          Auf absehbare Zeit wolle er mit einer unglaublichen Leistung von 235 Gigawatt erneuerbarer Energie rund um die Erde den Ölriesen Chevron übertreffen, verkündete „Dr. Forrest“. Im September hatte er mit der nun aus dem Amt gejagten Regierung in Kabul schon Absichtserklärungen über Investitionen in Wasserkraft und Erdwärme geschlossen. Natürlich weiß Forrest, dass Bodenschätze im Wert von mehr als einer Billion Dollar unter der Erde Afghanistans vermutet werden. Nun liegt der Ball im Feld der Taliban.

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