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Ausgleich für Streiks : Die Lufthansa verschenkt wieder Bonusmeilen

Die Lufthansa verschenkt wegen der vielen Streiktage in diesem Jahr wieder Bonusmeilen - nicht ganz uneigennützig. Bild: dpa

Streiks von Piloten und Flugbegleitern haben die Nerven von Lufthansa-Passagieren strapaziert. Nun zeigt sich der Konzern spendabel – was allerdings nicht ganz uneigennützig ist. 

          Weihnachten ist die Zeit der Präsente. Doch der Anlass, warum die Deutsche Lufthansa ihren Vielfliegerkunden nun ein Geschenk macht, sind nicht die Festtage. Vielmehr will der Konzern sie dafür entschädigen, dass sie wegen der Streiks von Piloten und Flugbegleitern an zahlreichen Tagen nicht mit Lufthansa fliegen konnten. An 18 Streiktagen hatten in diesem Jahr 2015 entweder die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit oder die Flugbegleitervertretung UFO zum Ausstand aufgerufen. Nun schüttet Deutschlands größte Fluggesellschaft als Ausgleich ein Füllhorn mit Bonusmeilen aus.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die frohe Kunde übermittelte Jens Bischof, der Vertriebsvorstand der Lufthansa-Passagiergesellschaften, per E-Mail. Die Botschaft, die FAZ.NET vorliegt, soll an alle Teilnehmer des Bonusprogramms Miles&More gegangen sein, die sich durch zahlreiche Buchungen einen Status als „Frequent Traveller“ oder „Senator“ beziehungsweise die Mitgliedschaft im erlesensten Kundenkreis, dem HON Circle, erflogen haben.

          Bischof findet darin Worte der Entschuldigung. „Auch wenn alles dafür getan wird, die Auswirkungen für Sie so gering wie möglich zu halten, ist es nicht die Qualität und die Zuverlässigkeit, die Sie von uns erwarten dürfen“, schreibt er. Gleichzeitig bittet er um Verständnis, dass sich der Konzern gezwungen sehe, die noch laufenden „Tarifverhandlungen mit der nötigen Konsequenz zu führen“.

          Als Ausgleich sollen Frequent Traveller pauschal 3000 Statusmeilen gutgeschrieben bekommen, die sogenannten Senatoren bekommen 10.000 Statusmeilen, Mitglieder des HON-Circle gar 30.000 Statusmeilen. Schon im Jahr 2014 hatte der Konzern versucht, mit einem identischen Meilen-Präsent den Unmut der vom Streik Betroffenen zu lindern.

          Gleichwohl ist das Geschenk nicht uneigennützig: Lufthansa will verstimmte Stammkunden halten oder zurückgewinnen. Nicht wenige von ihnen fürchten eine für sie bittere Form der Degradierung, den Statusverlust. Denn wer weniger mit Lufthansa fliegt, sammelt weniger Meilen, die für einen Vielfliegerstatus nötig sind.

          Meilen kriegt auch, wer eigentlich mit der Lufthansa fliegen wollte

          Mit einem solchen Status sind Vorzüge wie ein schnellerer Check-In, die kostenfreie Mitnahme von Zusatzgepäck oder der Zutritt zu Lufthansa-Lounges an Flughäfen verknüpft. Geht der Status verloren, sind auch die Gratis-Extras weg. „Durch die vielen Ausfälle konnten Kunden nicht in gewohntem Maße mit uns fliegen. Wir wollen aber nicht, dass der Status der Kunden dadurch gefährdet ist“, erklärt eine Konzernsprecherin.  Prämien-Meilen, die gegen Einkaufsgutscheine, Zeitschriften-Abos und kostenfreie Hotelübernachtungen getauscht werden können, gehören folglich nicht zum vorweihnachtlichen Meilen-Regen.

          Neben der Pauschalregelung für Vielflieger sollen auch Gelegenheitskunden vom Meilen-Segen profitieren. Wer an Streiktagen zur Bahn oder zu einer anderen Fluggesellschaft wechseln musste, soll nachträglich Meilen von der Lufthansa bekommen können, wenn sie Belege für die Ursprungsbuchung einreichen. „Wenn wir sehen können, dass die Kunden eigentlich mit uns fliegen wollten, können sie sich Meilen gutschreiben lassen“, sagte die Sprecherin.

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