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Getürmter Autoboss : Internationaler Haftbefehl gegen Ghosn

  • Aktualisiert am

Wie gelang Carlos Ghosn die Flucht? Bild: AFP

Von Japan über Istanbul in den Libanon: Die Flucht des Carlos Ghosn wird eines Tages sicher Stoff für einen Kinofilm bieten. Für seine Unterstützer wird es nun ernst – und es gibt erste Details, wie die Flucht organisiert wurde.

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          Die überraschende Flucht des früheren Autobosses Carlos Ghosn aus Japan in den Libanon ist offenbar monatelang geplant worden. Mehrere Teams von privaten Sicherheitskräften hätten seit Oktober an dem Fluchtplan gearbeitet, berichtet die britische Zeitung „Financial Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

          Zudem berichtet das Blatt, dass der Libanon kürzlich seine diplomatischen Bemühungen erneuert habe, Ghosn zu sich ausreisen zu lassen. Die libanesischen Behörden hatten vor rund einem Jahr schon die Bitte nach einer Rückkehr Ghosns geäußert. Wie es nun heißt, erneuerten sie diese Bitte aber nochmals am 20. Dezember bei einem Besuch des japanischen Außenministers Keisuke Suzuki in Beirut. Dass sich entsprechend höchste Regierungsebenen im Libanon für Ghosns Rückkehr einsetzten, erneuere die Frage, inwiefern Regierungsstellen in seine Flucht involviert waren, schreibt die „FT“.

          Ghosn: Manipuliertes Justizsystem

          Ghosn wird nun per internationalem Haftbefehl gesucht. Aus libanesischen Justizkreisen hieß es am Donnerstag, die internationale Polizeibehörde Interpol habe ein entsprechendes Gesuch im Auftrag der japanischen Regierung an die Generalstaatsanwaltschaft in Beirut geschickt. Der ehemalige Manager soll in der kommenden Woche im Libanon zu den Vorwürfen befragt werden. Danach werde entschieden, ob japanische Ermittler an den Ermittlungen beteiligt würden.

          In der Türkei sind indes sieben mutmaßliche Helfer Ghosns festgenommen worden. Darunter seien vier Piloten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Sie würden verdächtigt, Ghosn bei der Flucht mit einem Privatjet von Japan über Istanbul in den Libanon geholfen zu haben.

          Sie sollen dabei den alten Atatürk-Flughafen vom Istanbul benutzt haben – dieser ist seit der Eröffnung des neuen Großflughafens der Bosporus-Stadt im Frühjahr für die Öffentlichkeit geschlossen. Ghosn war unerlaubt aus Japan ausgereist und am Sonntagabend mit einem Privatjet auf dem Internationalen Flughafen in Beirut gelandet.

          Ermittler in Tokio haben am Donnerstag Ghosns dortiges Haus durchsucht. Das meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Donnerstag. Wie ihm die Flucht in sein Heimatland gelang, blieb weiter unklar. Der 65-Jährige will sich erst in der kommenden Woche äußern. Er sei „nicht länger eine Geisel des manipulierten japanischen Justizsystems“, hatte er in einer ersten Stellungnahme betont.

          Ghosn besitzt die französische, brasilianische und libanesische Staatsangehörigkeit sowie ein Luxusanwesen in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Sicher fühlen könnte sich der ehemalige Manager in Frankreich. „Wenn Herr Ghosn nach Frankreich käme, würden wir Herrn Ghosn nicht ausliefern, denn Frankreich liefert niemals seine eigenen Staatsangehörigen aus“, sagte die Staatssekretärin im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium, Agnès Pannier-Runacher, am Donnerstag dem Sender BFMTV. Aus Regierungskreisen in Beirut hieß es, Ghosn sei mit einem gültigen neuen französischen Pass in den Libanon eingereist.

          Der frühere Konzernchef von Renault war am 19. November 2018 in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er auf Kaution aus der Untersuchungshaft in Japan entlassen – unter strengen Auflagen, um zu verhindern, dass er flieht oder Beweismaterial vertuscht. Unter anderem wurde ihm verboten, das Land zu verlassen.

          Aus dem Außenministerium in Tokio hieß es, Japans Regierung sei nun auf Hilfe der libanesischen Behörden angewiesen, da kein Auslieferungsabkommen mit dem Mittelmeerstaat bestehe. Ghosn soll laut Staatsanwaltschaft auch private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Er gilt als Architekt des internationalen Autobündnisses zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi.

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