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Aus für VW-Luxusauto : Der letzte Phaeton

Aus für den Phaeton: VWs Ausflug in die Luxusklasse endet - zumindest vorerst. Bild: dapd

Der Ausflug von Volkswagen in die Luxusklasse geht nach 15 Jahren in Dresden zu Ende - zumindest vorerst: In Dresden rollt an diesem Freitag der letzte VW Phaeton vom Band.

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          Leise und mit einer Portion Wehmut ist am Freitag in der Gläsernen Manufaktur in Dresden ein Stück VW-Geschichte zu Ende gegangen. Schon in den letzten Monaten lief das Fließband dort nur noch selten. Jetzt rollte in dem 2001 eröffneten Prestigeprojekt von Volkswagen der – vorerst – letzte Phaeton vom Band. Die Mitarbeiter versammelten sich zu einem Foto mit dem letzten von ihnen gefertigten Fahrzeug – einem schwarzen Phaeton 4Motion 4,2l mit stolzen 335 PS. Käufer ist ein Chinese.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ohnehin waren es die zahlungskräftigen Kunden aus Fernost, die dem Oberklasseauto von Volkswagen am längsten die Treue gehalten haben. Ohne die Verkäufe in Fernost wäre das Ende wohl noch schneller gekommen, heißt es in Konzernkreisen. Die Zahlen sprechen für sich: 2011 rollten noch 11.166 Phaetons aus der Manufaktur, die mit ihrer edlen Ausstattung nie den Anschein einer Fabrikhalle erweckte. 2014 seien es dann gerade mal rund 4000 der Luxuslimousinen gewesen, heißt es.

          Mit der Abgasaffäre kam das Aus

          Das Aus für den Phaeton und damit für den kurzen Ausflug des Volkswagens in die Oberklasse mit Luxus, edlem Holz für Armaturenbretter und viel Handarbeit am Auto kam mit der VW-Abgasaffäre. Der neue Konzernchef Matthias Müller zog die Reißleine, als er in Folge des Skandals um betrügerische Motorensoftware bei Dieselautos des Konzerns die für VW lange nicht mehr gewohnte neue Parole „Sparen auf Sicht“ ankündigte. Da galt der Phaeton vielen im Unternehmen schon lange als Enttäuschung. Es war keine Überraschung, dass er als erster gestrichen wurde.

          Ein Erfolg war der Phaeton, wenn überhaupt, in Asien.
          Ein Erfolg war der Phaeton, wenn überhaupt, in Asien. : Bild: Abdruck fuer Pressezwecke honora

          Obwohl: Den knapp 500 Mitarbeitern bleibt die Hoffnung, dass das Luxusauto eines Tages als E-Phaeton, als Elektroauto für die Oberschicht, wieder auferstehen könnte. Kurz vor Ende der Produktion nährte die Wolfsburger VW-Zentrale diese Hoffnung und zeigte sich optimistisch. „Der Phaeton ist und bleibt ein wesentliches Projekt für Volkswagen“, hieß es. „Er ist für die Positionierung der Marke Volkswagen und für die Demonstration unserer technologischen Fähigkeiten unerlässlich.“

          Die Gläserne Manufaktur wird für 10 Tage schließen, dann soll sie wiedereröffnen
          Die Gläserne Manufaktur wird für 10 Tage schließen, dann soll sie wiedereröffnen : Bild: dpa

          Das in Teilen noch handgefertigte Edelauto war eines der Lieblingsprojekte des früheren Vorstands- und Aufsichtsratschef von VW, Ferdinand Piech. Unter seiner Leitung entschied der Konzern, den Phaeton ganz bewusst unter der Marke Volkswagen laufen zu lassen. Zwar positionierte sich der Konzern bereits mit dem Audi A8 schon erfolgreich gegen die Flaggschiffe der deutschen Wettbewerber BMW und Mercedes Benz. Doch Piech wollte auch die Kernmarke VW als Marke zeigen, die Premiumprodukte bauen kann.

          Bei knapp 90.000 Euro lag im letzten Modelljahr 2016 der Startpreis des Fahrzeugs. Nach oben ließ die Extraliste auch beim Phaeton viel Luft, zum Beispiel mit dem „erweiterten Holzpaket“ für 1950 Euro einschließlich einer „Holzleiste in den Türarmlehnen durchgehend von vorn bis hinten“. Die von Piech erhoffte Premiummarge hat das Auto dem Unternehmen nie beschert, auch weil für viele Kunden „Volkswagen“ und Luxus nur schwer zusammenpassten. Insgesamt rund 84000 Phaeton wurden insgesamt in der Dresdner Automanufaktur gebaut.

          Gläserne Manufaktur wird für zehn Tage geschlossen

          Vom Wochenende an wird die Gläserne Manufaktur erst einmal für zehn Tage geschlossen. Am 8. April soll sie dann als neues Schaufenster Volkswagens für Elektromobilität und Digitalisierung wieder ihre Tore öffnen. Besucher könnten dort vorerst, „auf spielerische, interaktive und informative Art die Zukunft der Mobilität hautnah erleben“, sagte ein Sprecher. Auch Fahrzeuge werden in Dresden weiter ausgeliefert. An der Neuausrichtung der Fabrik würden Konzern- und Markenvorstand wie Gesamtbetriebsrat bereits arbeiten.

          Die Zahlen sprechen für sich: 2014 wurden gerade mal rund 4000 der Luxuslimousinen verkauft.
          Die Zahlen sprechen für sich: 2014 wurden gerade mal rund 4000 der Luxuslimousinen verkauft. : Bild: Frank Röth

          „Die Belegschaft und dieser einzigartige Standort haben es verdient, dass in Dresden bald wieder Fahrzeuge in höchster Qualität vor den Augen der Kunden und der Besucher montiert werden“, sagte Dresdens VW-Betriebsratschef Thomas Aehlig zum Abschied des Phaetons. Rund 100 Mitarbeiter werden weiter in der Gläsernen Manufaktur beschäftigt. Die anderen 400 werden vorübergehend in anderen Fabriken, vornehmlich bei VW in Zwickau, eingesetzt.

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