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August Markl : Ein Altgedienter soll den ADAC retten

  • Aktualisiert am

Der neu gewählte Präsident August Markl Bild: AFP

Mit 66 Jahren steht August Markl vor der vielleicht schwierigsten Aufgabe seines Lebens. Als Präsident soll er den ADAC aus der Krise führen. Kann die Erneuerung gelingen, wo er im Automobilklub doch tief verwurzelt ist?

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          Der ADAC? „Eine total verfilzte, kommerziell ausgerichtete Institution, die mit dem Deckmäntelchen des Vereins Geld verdient.“ Harte Worte zum Auftakt der außerordentlichen Hauptversammlung des ADAC. Ausgesprochen von einem Mann, der stinksauer ist und seine Mitgliedschaft im größten deutschen Autoclub nach mehr als drei Jahrzehnten gekündigt hat.

          Ein Film mit seiner Aussage führte am Samstag rund 200 Vertreter aus den Regionalverbänden schonungslos ins Thema ein - und sollte ihnen wohl noch einmal klar machen, wie viel für ihren einst so stolzen ADAC auf dem Spiel steht. Nach stundenlangen Vorträgen in der weihnachtlich geschmückten ADAC-Zentrale in München stimmten sie einer grundlegenden Strukturreform für den Verein mit seinen fast 19 Millionen Mitgliedern einstimmig zu. Der neue ADAC soll bescheidener, transparenter und demokratischer daherkommen als bisher.

          Der 66-jährige August Markl soll als frisch gewählter Präsident dafür sorgen, dass die Reform so schnell wie möglich umgesetzt wird. Der Münchner Arzt ist seit mehr als vier Jahrzehnten im ADAC und war zunächst kommissarisch an die Spitze gerückt. Nun verschiebt er seinen Ruhestand und die geplante Kreuzfahrt mit seiner Frau, um dem ADAC zur Genesung zu verhelfen. „Wenn man so lange in einem Verein tätig ist wie ich, ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung“, sagte er. Seine Kritiker muss er nun davon überzeugen, dass er trotz seiner tiefen Verwurzelung im ADAC eine Erneuerung zustande bringt. 28 der Delegierten stimmten in der geheimen Wahl gegen den Radiologen im Ruhestand.

          Der ADAC trennt Verein und Wirtschaftsaktivitäten

          Der dickste Brocken der Reform, die er angehen wird, ist eine Trennung der Wirtschaftsaktivitäten des ADAC vom Verein. Diese Geschäfte - wie Versicherungsangebote oder Reiseführer - sollen künftig in einer eigenen Aktiengesellschaft gebündelt werden, mit einem Vorstand an der Spitze, der sich nichts von der Vereinsspitze sagen lassen muss. Die längst angemahnte Entflechtung ist eine Voraussetzung dafür, dass der Club seinen Status als eingetragener Verein (e.V.) behalten darf.

          Der Vereinsstatus spart dem ADAC viele Millionen Euro Steuern im Jahr und ermöglicht ihm, die Pannenhilfe deutlich günstiger anzubieten als Versicherungskonzerne. Mit einem ersten Signal aus dem Münchner Amtsgericht, das den Fall seit Monaten prüft, ist noch vor Weihnachten zu rechnen. Ohne die Zustimmung zu der Reform hätte der ADAC wohl kaum Chancen gehabt, das Gericht zu überzeugen.

          Eine außerordentliche Hauptversammlung hatte es beim ADAC seit 1948 nicht mehr gegeben. Aber die Lage war auch noch nie in der Geschichte des Clubs so dramatisch. Der Skandal um Fälschungen beim Preis für das Lieblingsauto der Deutschen, den „Gelben Engel“, brachte im Januar einen Stein ins Rollen. Danach geriet der ADAC unter Generalverdacht. Fast täglich hagelte es neue Vorwürfe. Warum verkaufte der ADAC eigentlich lange Zeit Kindersitze, die er selbst getestet hatte? Warum bekamen Mitglieder Werbepost der Zeitschrift „Reader’s Digest“? Wohin fließen eigentlich die Mitgliedsbeiträge ganz genau? Warum polterte der ADAC in politischen Debatten jahrelang im Namen seiner Mitglieder einseitige Positionen heraus?

          In dem neu aufgestellten ADAC soll es derartige Vermischungen nicht mehr geben. Monatelang hatten Heerscharen von Mitarbeitern an der Reform gearbeitet. In den vergangenen Wochen warben die Verantwortlichen auf allen Ebenen des ADAC und in der Öffentlichkeit um Zustimmung. Die öffentliche Debatte bei der Hauptversammlung in München fiel vielleicht auch deshalb weitgehend friedlich aus. Viele der Vertreter aus den Regionen engagieren sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für den ADAC und hoffen, dass sie irgendwann wieder stolz sein können auf ihren Verein. Die Grundlage dafür ist nach Ansicht von Ralf Thiesing, der für den Regionalverband Weser-Ems nach München reiste, mit der Zustimmung zu der Reform geschafft. „Wir haben das Fundament gegossen, um darauf ein neues Haus zu bauen.“

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