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Auftragseinbruch : Arcelor Mittal rutscht in die Verlustzone

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Arcelor Mittal spürt die Wirtschaftskrise Bild: AP

Der weltgrößte Stahlhersteller Arcelor Mittal ist wegen der Absatzkrise in der Bau- und Autoindustrie im vierten Quartal 2008 tief in die roten Zahlen gerutscht. Auch im laufenden Jahr rechnet Arcelor mit schwacher Nachfrage. Nun sollen weitere Einschnitte folgen.

          Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal rechnet nach einem schwachen Schlussquartal 2008 zum Auftakt des laufenden Jahres mit einem massiven Ergebniseinbruch. Für die Monate Januar bis März sagte der Branchenprimus am Mittwoch wegen der Auftragsflaute und deutlich gesunkener Preise nur noch einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von einer Milliarde Dollar voraus - gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Rückgang um 80 Prozent. Im Schlussquartal 2008 war dieser Wert - die Zielgröße des Unternehmens - bereits um 42 Prozent eingebrochen, unter dem Strich schrieb Arcelor Mittal sogar rote Zahlen.

          Vorstandschef Lakshmi Mittal sprach von einem „beachtlichen Rückgang der Weltwirtschaft“ und weiteren Herausforderungen, sieht aber erste Zeichen einer Erholung. Der Markt lobte vor allem die konsequenten Maßnahmen des Managements in Reaktion auf die Krise und hob den vorangehenden Schuldenabbau hervor. Die Aktie von ArcelorMittal startete entsprechend mit Gewinnen in den Handel. Zuletzt lag sie 4,26 Prozent im Plus bei 20,80 Euro.

          Produktion wird weiter gekürzt

          Bereits in den vergangenen Monaten hatte Arcelor Mittal mit drastischen Maßnahmen auf die Krise reagiert: Der Konzern streicht 9.000 Stellen - insgesamt drei Prozent seiner Belegschaft - und kürzte seine Produktion deutlich. Vorstandschef Mittal kündigte wegen der eingebrochenen Nachfrage für das Auftaktquartal weitere Produktionskürzungen an. Die Auslastung der Kapazitäten soll noch bei rund 55 bis 60 Prozent liegen. Zudem sollen 2009 insgesamt zwei Milliarden Dollar eingespart, die Investitionen weiter zurückgefahren und die Dividende gekürzt werden. Für 2009 sei nur noch eine Ausschüttung von insgesamt 0,75 Dollar je Aktie geplant. Bereits seit längerem wurde am Markt spekuliert, dass Arcelor Mittal die frühere Zusage einer Dividende von 1,50 Dollar nicht halten kann.

          Insgesamt lieferte Arcelor Mittal im Schlussquartal mit 17,1 Millionen Tonnen 39 Prozent weniger Stahl aus als im Vorjahreszeitraum und ein Drittel weniger als im dritten Quartal. Der Umsatz fiel auf 22 (VJ: 28) Milliarden Dollar. Das EBITDA rutschte auf 2,8 Milliarden Dollar ab, blieb damit aber im Rahmen der jüngsten Ankündigungen des Managements und übertraf sogar leicht die Marktschätzungen. Mit seinem geplanten Schuldenabbau sei der Konzern auf gutem Weg, hieß es vom Unternehmen. Bis Ende des Jahres sollen die Nettoschulden um zehn Milliarden Dollar reduziert werden. Ende Dezember lagen die Schulden noch bei 26,5 Milliarden Dollar nach 32,5 Milliarden Dollar Ende September.

          Stahlpreise deutlich gesunken

          Unter dem Strich rutschte Arcelor Mittal zwischen Oktober und Dezember wegen der Preiseinbrüche und entsprechend hoher Wertberichtigungen bei den Lagerbeständen mit 2,6 Milliarden Dollar in die roten Zahlen. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 2,4 Milliarden Dollar verdient. Allein der Preis für Warmband - eine Form von Flachstahl, der in der Autoindustrie zum Einsatz kommt - halbierte sich in den Vereinigten Staaten seit Mitte 2008 auf 502 Dollar je Tonne. Preise für Betonrippstahl für die Bauindustrie fielen von 1.000 auf 676 Dollar je Tonne.

          „Die insgesamt exzellente Entwicklung in 2008 ist durch den beachtlichen Rückgang der Weltwirtschaft im letzten Quartal des Jahres überschattet worden“, sagte Mittal. Im Gesamtjahr war der Gewinn des Stahlkochers unter dem Strich um neun Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar zurückgegangen, das EBITDA landete aber mit einem Anstieg um rund ein Viertel auf 24,5 Milliarden Dollar und damit auf einem neuen Rekordwert. Die Stahllieferungen gingen wegen der Produktionskürzungen im vierten Quartal insgesamt von 110 Millionen auf 102 Millionen Tonnen zurück.

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